Vereinigte Staaten von Europa? Schüler diskutieren mit EU-Abgeordneten Tiemo Wölken

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Diskutierte mit Wirschaftsgymnasiasten an der BBS Schölerberg über Themen aus Europa: EU-Abgeordneter Tiemo Wölken aus Osnabrück. Foto: David EbenerDiskutierte mit Wirschaftsgymnasiasten an der BBS Schölerberg über Themen aus Europa: EU-Abgeordneter Tiemo Wölken aus Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Das Thema Europa brennt momentan vielen Menschen unter den Nägeln. Das geht den Wirtschaftsgymnasiasten an der BBS Schölerberg nicht anders. Sie löcherten den EU-Abgeordneten Tiemo Wölken (SPD) am Freitag mit Fragen zu den Themen Flüchtlinge, Türkei, Terror oder die Effektivität der EU. Wölken war vom Verein „Bürger Europas“ zu der Veranstaltungsreihe „Reden wir Klartext, Europa“ eingeladen worden.

Einen Tag lang haben  sich die Schüler am Wirtschaftsgymnasium sich mit dem Thema Europa auseinandergesetzt. In interaktiven Seminaren und einem Quiz sollte die Europäische Union entschlüsselt werden. Der Verein „Bürger Europas“ führt die Reihe in 35 Städten in Deutschland durch.

Der Osnabrücker EU-Abgeordnete Tiemo Wölken hielt an der Europaschule am Schölerberg einen Vortrag zu seinen Aufgaben als Politiker und stellte sich den Fragen der Schüler. Der 31-jährige Rechtsanwalt schaffte es mithilfe von Lehrern und Schülern, Vortrag und Diskussion lebhaft zu gestalten. Seine sich selbst gegebene Vorgabe, nicht zu „politikerlastig“ rüber zu kommen, hat er unter anderem dadurch erreicht, dass er sich mit den Schülern duzte.

Thema Flüchtlinge

Wölken sitzt im EU-Parlament im Handels-, Rechts- und Umweltausschuss. Auf seinem Yoube-Kanal ( https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/832767/eu-politiker-aus-osnabrueck-erfolgreich-auf-youtube) stellt er regelmäßig seine Arbeit vor.

Das erste Thema, über das die Schüler sprechen wollten, waren Flüchtlinge. Es ging ihnen vor allem um die Frage, warum manche Länder weniger Geflüchtete aufnehmen als zum Beispiel Deutschland. Wölken sagte, es gebe Mittel, diese Länder durch Geldstrafen zu treffen. Der Weg dahin führe aber bis zum EU-Gerichtshof und dauere sehr lange. Er fragte aber auch, ob es sinnvoll ist, Menschen in ein Land zu schicken, wo sie nicht erwünscht sind.

Wölken mahnte, die Themen Flucht und Terror nicht in einen Topf zu werfen. Asylsuchende mit Vorstrafen könnten schon jetzt nach geltendem Recht ausgewiesen werden, so der Sozialdemokrat.

Thema Türkei

Die Verhandlungen zum EU-Beitritt der Türkei seien mit der jetzigen Regierung nicht möglich, antwortete Wölken auf eine weitere Frage. Er verwies jedoch darauf, dass fast die Hälfte der Türken gegen das Referendum gestimmt haben. Also sei es richtig, dass die Verhandlungen auf Eis gelegt wurden.

„Das System ist sehr schwerfällig“, sagte Wölken zum Thema Effektivität der EU. Bei den Flüchtlingen habe es akuten Handlungsbedarf gegeben. Aber in Sachen Umweltpolitik zum Beispiel seien viele Interessen zu berücksichtigen, so Wölken mit Blick auf das Autoland Niedersachsen.

Thema Trump

Die von einem Schüler angeregte Vision „Vereinigte Staaten von Europa“ finde er charmant, so Wölken. Dadurch könne der EU mehr Kompetenzen verliehen werden, damit sie effektiver handelt. Dies sei aber Zukunftsmusik. Zum Thema Vereinigte Staaten von Amerika sagte Wölken, das Thema Trump habe sich in den nächsten Wochen erledigt. Er hofft aber, dass die USA sich an Klimaschutzverträge hält.

Tiemo Wölken sprach abschließend davon, er habe Verständnis, dass den Schülern die Errungenschaften der EU wie 70 Jahre Frieden, die gemeinsame Währung und der ungehinderte Grenzübertritt selbstverständlich geworden seien. Er hielt ihnen aber auch vor, dass sie zum Beispiel durch die Abschaffung der Roaming-Gebühren oder den ungehinderten Zugang zu Streamingdiensten wie Netflix in ganz Europa auch in der Gegenwart von der EU profitieren.


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