zuletzt aktualisiert vor

ADFC Fahrradklima-Test 2016 Osnabrück fährt beim Radverkehr schlechtestes Ergebnis ein

Die sogenannten Sharrows auf der Lotter Straße sollten die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der Radfahrer verbessern. Einer Umfrage zufolge sagen aber 47 Prozent der Befragten, sich durch die Sharrows nicht sicherer auf der Straße zu fühlen. Archivfoto: Jörn MartensDie sogenannten Sharrows auf der Lotter Straße sollten die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der Radfahrer verbessern. Einer Umfrage zufolge sagen aber 47 Prozent der Befragten, sich durch die Sharrows nicht sicherer auf der Straße zu fühlen. Archivfoto: Jörn Martens

Osnabrück. Erneut nur ein „ausreichend“: Beim Fahrradklima-Test 2016 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) stellen die Osnabrücker der Stadt ein schlechtes Zeugnis aus – wie schon in den Jahren 2014 und 2012, diesmal nur noch schlechter.

4,2 – diese Schulnote vergaben die Teilnehmer der Umfrage der Stadt, die die Situation der Radfahrer in Osnabrück bewertet hatten – lediglich ein „ausreichend“. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten siebten Fahrradklima-Test des ADFC hervor, an dem sich bundesweit 120.000 Personen für 539 Städte beteiligt hatten. 2014 hatte Osnabrück die Note 3,9 erhalten, 2012 eine 3,74 (Details dazu unterhalb dieses Artikels) .

Landesweit erneut das Schlusslicht

In der Größenklasse 100.000 bis 200.000 Einwohner belegt Osnabrück nun den 25 Platz von 38. 2014 hatte Osnabrück in dieser Kategorie den 23. Platz erlangt. Diesmal hatten allerdings lediglich 267 Personen Osnabrück bewertet – beim Fahrradklima-Test 2014 waren es noch 1067 gewesen.

Landesweit liegt Osnabrück in dieser Größenordnung erneut auf dem letzten Platz hinter Oldenburg, Wolfsburg und Göttingen. Die Durchschnittsnote in Niedersachsen liegt bei 3,7 – damit gilt Niedersachsen als fahrradfreundlichstes Bundesland.



Viel Kritik, aber auch Lob

Die Osnabrücker Teilnehmer bemängelten insbesondere zu schmale Radwege (Note 5,1), viele Falschparker auf Radwegen (5,1) und die wenig attraktive Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln (4,9). Kritik gab es für Ampelschaltungen, die nicht gut auf Radfahrer abgestimmt seien (4,7). Viele bemängelten, im Winter würden Radwege unzureichend geräumt und gestreut (4,8). Bei fast allen Fragen liegt Osnabrück unter dem Durchschnitt der 38 Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern.

Erneut bemängelten die Teilnehmer die Sicherheit beim Radfahren – bei dieser Frage reichte es nur für eine 4,7. Häufig gebe es Konflikte mit Autofahrern (4,8), und auf vielen Radwegen und Radfahrstreifen könnten junge und ältere Menschen nicht sicher fahren (4,8).

Positiv bewerteten die Teilnehmer die Möglichkeit, Einbahnstraßen in beiden Richtungen befahren zu dürfen(2,8), die gute Erreichbarkeit des Zentrums (2,9) und dass Ziele schnell erreichbar sind (3,0).

Mehr Platz für Radfahrer

Um die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, bräuchten die Radfahrer mehr Platz – darin sind sich viele einig. Osnabrücks Stadtbaurat Frank Otte hatte unserer Redaktion in den Jahren 2015 und 2016 gesagt, den Autofahrern Raum zugunsten der Radfahrer nehmen zu müssen. Die Osnabrücker Klimaallianz hatte sich dieser Forderung Ende 2016 angeschlossen. Bis auf ein paar vorgezogenen Haltelinien für Radfahrer an Ampeln mitsamt roter Markierungen ist diesbezüglich in der jüngeren Vergangenheit aber kaum etwas in der Stadt passiert. Dabei sieht der Radverkehrsplan der Stadt vor, bis 2030 jeden dritten Verkehrsteilnehmer auf das Fahrrad zu kriegen. Bislang liegt er der Stadt zufolge bei 20 Prozent.

Münster bleibt an der Spitze – mit Abstrichen

Ungeschlagen bleibt Münster in der Größenklasse mehr als 200.000 Einwohner, muss diesmal aber Abstriche machen: Osnabrücks Nachbar landete zwar erneut auf dem ersten Platz, erreicht aber nur noch die Note 3,07. 2014 hatte Münster mit der Note 2,50 die Spitzenposition erlangt – mit deutlichem Vorsprung vor Karlsruhe mit einer 3,21. Und auch 2012 lag Münster mit der Note 2,61 unangefochten auf dem ersten Platz vor Freiburg (3,10). Aber: Nirgends in Deutschland werden mehr Räder gestohlen als in Münster.

Die Sieger der verschiedenen Klassen

In der Größenordnung 100.000 bis 200.000 Einwohner ist Göttingen mit der Note 3,32 Spitzenreiter, gefolgt von Hamm und Erlangen (jeweils 3,34). Bocholt erreicht mit einer 2,29 die Spitzenposition in der Klasse 50.000 bis 100.000 Einwohner, gefolgt von Nordhorn (2,59) und Wesen (3,02). In kleinen Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern ist Reken mit einer 1,86 an der Spitze, es folgen Wettringen (2,08) und Heek (2,11).

Weiterlesen: Was taugen die Sharrows auf der Lotter Straße in Osnabrück?

Osnabrück schnitt im vergangenen Jahr übrigens auch bei der Fußgängerfreundlichkeit schlecht ab und erreichte bundesweit den nur den 66. Platz von 76.




Das Abschneiden Osnabrücks in 2014 und 2012

Beim vergangenen Fahrradklima-Test 2014 hatte Osnabrück die Schulnote 3,9 erreicht. Bundesweit landete die Stadt in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner auf Platz 23 von 37, landesweit auf Platz vier von vier hinter Oldenburg, Göttingen und Wolfsburg. 1026 Personen hatten Osnabrück bewertet. Sie kritisierten insbesondere parkende Autos auf Radwegen, zu schmale Radwege, schlecht auf Radfahrer abgestimmte Ampelschaltungen sowie einen mangelnden Winterdienst. Zudem war das Sicherheitsgefühl sehr schlecht – nicht zu Unrecht: Drei Radfahrer starben in dem Umfragejahr in Osnabrück, vier weitere im Landkreis. Beim Fahrradklima-Test 2012 erreichte Osnabrück die Note 3,74, was für den 11. Platz in der Kategorie 100.000 bis 200.000 Einwohner ausreichte. (yjs)

Hier die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2014 für Osnabrück und unsere Region

Der Fahrradklima-Test des ADFC

Der Fahrradklima-Test des ADFC, gefördert vom Bundesverkehrsministerium, ist ein Zufriedenheitsindex der Radfahrer in Deutschland. Beim siebten Fahrradklima-Test im vergangenen Jahr nahmen dem ADFC zufolge mehr als 120.000 Bürger an der Umfrage teil und bewerteten die Situation der Radfahrer in 539 Städten (hier geht es um Umfragebogen). Damit gilt die Befragung dem ADFC zufolge als die weltweit größte ihrer Art. Bis Ende November konnte abgestimmt werden. Der ADFC zeichnet die fahrradfreundlichsten Städte nach vier Einwohnergrößenklassen aus, die seit der Befragung in 2014 die größten Fortschritte erzielt hatten. Der Fahrradklima-Test unterscheidet nach Kommunen unter 50.000 Einwohnern, zwischen 50.000 und 100.000, 100.000 und 200.000 und mehr als 200.000 Einwohner. (yjs)

Alle Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016 für Osnabrück finden Sie hier zum Herunterladen als pdf.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN