Stadt Osnabrück plant anders Bramscher Straße: Vorrang für Busse nicht zulasten der Autos

Umweltvorrangachse: Radler und Busse sollen in der Bramscher Straße besser vorankommen. Aber die Stadt will den Autofahrern keine Nachteile zumuten. Foto: Michael GründelUmweltvorrangachse: Radler und Busse sollen in der Bramscher Straße besser vorankommen. Aber die Stadt will den Autofahrern keine Nachteile zumuten. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Busse und Radler sollen künftig Vorrang haben in der Bramscher Straße, aber entgegen früheren Überlegungen will die Stadt dem Autoverkehr keine Beschränkungen auferlegen. Das Ziel, eine Umweltverbundachse zu schaffen, lasse sich so nur bedingt umsetzen, sagt der Verkehrsplaner Christoph Sommer.

Durch die Bramscher führt die Linie 41, auf der Ende 2018 die ersten E-Busse verkehren sollen. Dann sollen die beiden Knotenpunkte am Hasetor und an der Haster Mühle ausgebaut sein. Aber die Fahrbahn wird wohl noch länger ein Flickenteppich mit vielen Unebenheiten bleiben. Die Stadtwerke, die ihre erste E-Bus-Linie zur Referenzstrecke machen wollen, müssen nun auch bei der Busbeschleunigung Abstriche machen. Das wurde kürzlich im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt bekannt.

Kürzere Fahrzeit für Busse

Im Auftrag der Stadt hat das Ingenieurbüro Köhler und Taubmann (VKT) aus Bremen eine detaillierte Planung für die beiden Knotenpunkte mit der Hansastraße ausgearbeitet. Als besondere Herausforderung erwies sich dabei die Forderung, dass die stadteinwärts fahrenden Busse nicht mehr den Umweg über die Wachsbleiche nehmen sollen, sondern den direkten Weg zum Hasetor. Nach Auskunft von VKT-Verkehrsplaner Christoph Sommer sendet der Bus beim Annähern ein Anforderungssignal aus und bekommt von der Ampel freie Fahrt. Nach seiner Berechnung dürfte sich die Fahrtzeit damit um ein bis zwei Minuten verringern. Von der Schaltung sollen auch die Radfahrer profitieren, die in der selben Richtung unterwegs sind. Bislang mussten sie wie die Fußgänger bis zum Grünsignal zwei Umläufe warten.

Grün auf Anforderung

Weitere Verbesserungen für den Umweltverbund von Bus und Rad erwartet Sommer von der Umgestaltung des nördlichen Knotenpunkts an der Haster Mühle. Damit stadteinwärts fahrende Busse nicht vom entgegenkommenden Autoverkehr aufgehalten werden, sollen sie ebenfalls an einer Pförtnerampel Grün auf Anforderung bekommen. Um Radlern das Überqueren der viel befahrenen Hansastraße zu ersparen, sehen Sommers Pläne einen knapp 300 Meter langen Zweirichtungsradweg an der Ostseite vor.

Der Verkehrsplaner aus Bremen konstatiert, dass sich mit den vorgeschlagenen Umbauten die Fahrplanstabilität verbessern werde. Von einer konsequenten Umweltvorrangachse könne aber nicht die Rede sein, weil der motorisierte Individualverkehr weiterhin viel Raum einnehme. Wenn es zum Beispiel am Hasetor zum Rückstau komme, stecke auch der Bus fest.

Nadelöhr Süntelstraße

Die auf kürzere Fahrtzeiten getrimmte Linie 41 wäre beinahe an einem Nadelöhr in der Süntelstraße gescheitert. Weil sich die Busse auf dem vorderen Abschnitt künftig begegnen müssen, will die Stadt die Fahrbahn verbreitern. Das geht zulasten der Fußgängerwege – und stößt im Behindertenforum auf heftige Kritik. Der Ausschuss wollte die Umweltvorrangachse aber nicht an dieser Frage scheitern lassen und segnete die Planung einstimmig ab.


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