Wohnhäuser statt Idylle? Stadt untersucht Fläche am Osnabrücker Westerberg

Von Jann Weber


Osnabrück. Muss eine Wiese weichen, damit 20 weitere Wohnungen am Corneliusweg entstehen können? Darf die alternative Wagenburg am Hirtenweg bleiben? Mit Sorgen um die Idylle beschäftigte sich das Bürgerforum für die Stadtteile Westerberg und Weststadt.

Es würden einige Häuser darauf passen – mit vielleicht 20 Wohnungen, wie die Verwaltung schätzt. Entlang des Corneliuswegs erstreckt sich ein Gelände mit Kleingärten und einer Wiese – vom Lieneschweg am südlichen Ende bis zu einem Feld des Bauernhofes an der Muesenburg am nördlichen Rand.

In der Stadt fehlen Wohnungen

In der Stadt fehlen Wohnungen, und die Verwaltung ist auf der Suche nach Bauland. Stadtplaner Franz Schürings spricht von einem erheblichen Bedarf. Dass in den kommenden fünf Jahren bis zu 3000 neue Wohnungen entstehen sollen, ist offenbar nur ein Etappenziel: Schürings sieht voraus, dass bis zum Jahr 2030 sogar 8000 Wohneinheiten erforderlich sein werden. Wird bis dahin auch das Gelände zwischen dem Corneliusweg und der Richard-Wagner-Straße bebaut sein? Diese Frage blieb im Bürgerforum offen: Schürings erläuterte, dass es sich bei diesem städtischen Grundstück um eine von etwa 400 Flächen handelt, die zunächst identifiziert worden seien. Untersuchungen vielerlei Art stünden erst noch bevor.

Drei Dutzend Fragen

Deshalb bleibt ein Großteil der drei Dutzend Fragen aus dem Kleingärtnerverein West unbeantwortet: Die Gruppe „Wir bleiben im Garten“ betreibt Parzellen auf dem südlichen Teil des Geländes. Sie engagiert sich „mit unbändiger Tatkraft“ für die Grünfläche. Auf ihrer Seite befindet sich der Bürgerverein Nordwest und Nachbarn. Sie vertreten die Ansicht, dass eine Bebauung dem Klima in der Stadt schaden wird.

Ein Landschaftsschutzgebiet – und Häuser wären tabu

Im Namen der Grupppe „Wir sind im Garten“ fordert Gerd Jerosch, außerdem dass der nördliche Teil des Geländes – oberhalb der Parzellen – dem benachbarten Landschaftsschutzgebiet zugeordnet wird. Damit wären Wohnhäuser tabu.

Darf die Wagenburg bleiben?

Ein Kilometer weiter westlich befindet sich eine weitere Idylle: Die Akteure der Wagenburg am Finkenhügel sehen ihre Wohnform von Plänen für eine neue Wohnsiedlung bedroht. Zwar haben Politiker ihre Sympathien für die Bewohner der zehn Bauwagen mit eigener Energieversorgung geäußert, aber die Unsicherheit bleibt: Nach wie vor gebe es keine konkreten Zusagen. Ein älterer Anwohner aus der Nachbarschaft warb für die besondere Siedlung: Die seit 20 Jahren bestehende Wohnform sei es wert, in Stadtführungen aufgenommen zu werden.

Bäume mit quadratischen Wurzeln

Bäume haben es in der Stadt offenbar schwerer als in der freien Natur: Das stellte Eva Güse vom Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) fest, als Elisabeth Michel vom Bürgerverein Nordwest berichtete, dass die Wurzeln mancher Bäume „nahezu quadratisch“ seien. Deren beengtes Wachstum in der Nachbarschaft der Kanalisation zeige sich dann, wenn sie umstürzen – wie etwa an der Ecke Lieneschweg/Richard-Wagner-Straße. Gerd Jerosch und die Gruppe „Wir bleiben im Garten“ vermisst seit zwei Jahren eine Ersatzbepflanzung – was aus Sicht des OSB dort jedoch nicht mehr möglich ist.

Berliner Kissen für den Westerberg

Berliner Kissen auf der Straße versprechen zumindest dem Namen nach mehr Ruhe: Von Donnerstag, 22. Juni, bis Freitag, 7. Juli, sollen sie auf den Straßenzug Mozartstraße/Lieneschweg aufgedübelt werden. Weiter geht es von Montag, 10. Juli, bis Mittwoch, 2. August, auf dem Straßenzug Caprivistraße/Albrechtstraße – mit Sperrung in vier Nächten.

Ein Dankeschön für die Autofahrer

Fahren Autofahrer wirklich langsamer, wenn sie Hinweise und ein Dankeschön von einem Display am Straßenrand bekommen? Ja, lautet die Antwort der Verwaltung. Und Bürgermeisterin Birgit Strangmann, die das Bürgerforum leitete, berichtete von anderen Städten, in denen Anwohner solche Anlagen sogar sponsern.


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