Osnabrücker Piesberg-Geschichte Neue Dauerausstellung im Museum Industriekultur ist fertig

Von Sandra Dorn


Osnabrück. Das Osnabrücker Museum Industriekultur hat seine Dauerausstellung im Haseschachtgebäude auf links gezogen. Das neue Konzept ist komplett auf Kinder ausgerichtet – und für Erwachsene nicht minder spannend. Offizielle Eröffnung ist am Internationalen Museumstag am Sonntag, 21. Mai, um 11 Uhr.

Wer sich im Haseschachtgebäude über die Entwicklung des Piesbergs, über Kohle- und Steinabbau und die industrielle Geschichte Osnabrücks informieren möchte, findet keine langweiligen Infotafeln vor, sondern muss Schubladen aufziehen, auf Knöpfe drücken und Hörer in die Hand nehmen – auch als Erwachsener. Etage für Etage haben die Museumsverantwortlichen in den vergangenen Jahren während des laufenden Betriebs überarbeitet. Jetzt sind sie so gut wie fertig. Die Planungen begannen schon im September 2011.

Museumspädagogik bildet roten Faden

Die Kinderspur mit 45 Stationen zum Anfassen bildet den roten Faden – und war der Anlass, überhaupt ein Konzept für die Dauerausstellung zu entwickeln. „Wir haben versucht, als Museum einen neuen Weg zu gehen“, erklärt Museumsdirektor Rolf Spilker. „Wir machen nicht wie viele andere Museen ‚mal was für Kinder‘“, so Spilker: „Hier ist die Museumspädagogik kein Spielbein, sondern ein Standbein.“ „Es gab schon immer viel zu sehen, aber ein Gesamtkonzept fehlte“, sagt Franz-Josef Hillebrandt, Vorsitzender des Kuratoriums der Bohnenkamp-Stiftung, die Hauptgeldgeber dafür war. 225000 Euro von verschiedenen Stiftungen und Vereinen sowie 48000 Euro Eigenmittel flossen in die neue Dauerausstellung.

„Sendung mit der Maus“-Effekt

Der Rundgang startet auf der obersten, dritten Ebene – und zwar im Hier und Heute. Ausgestellt ist etwa ein Reifen der Laster, die aktuell durch den Steinbruch fahren, wo die Firma Cemex noch die nächsten 15 bis 20 Jahre Piesberger Karbonquarzit abbauen wird. Mit einer Taschenlampe können Kinder und Erwachsene in kleine Höhlen leuchten, in denen sich Modelle der Amphibien verbergen, die im Steinbruch leben. Der Karbonquarzit und wie er heute vor allem im Straßenbau zum Einsatz kommt, ist ebenfalls ausgestellt – und darf angefasst werden. „Wir setzen ein bisschen auf den ‚Sendung mit der Maus‘-Effekt, sagt Spilker. Eltern sollen mit ihren Kindern zusammen das Museum besuchen und erleben – und das scheint zu funktionieren. „Die beschäftigen sich miteinander, und das stundenlang“, sagt die Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Kahlert. Sie kümmerte sich um die Umsetzung der Themen in anschauliche Exponate und Erklärungen.

Alle Exponate befinden sich auf Stahlregalen, ähnlich denen, die auch in den Depots des Museums zu finden sind, die Infos darüber in Holzschubladen. Besucher erfahren anhand eines Videos, was die Bergbauarbeiter beim Steinabbau noch in den 1950er-Jahren mit reiner Muskelkraft leisten mussten. Arbeitsschutz? Fehlanzeige. Nach dem Krieg, als Baumaterial für den Wiederaufbau benötigt wurde, arbeiteten zeitweise 1500 Menschen im Steinbruch.

Von der Geologie zur Industrialisierung

Wie der harte Karbonquarzit und die Kohleflözschichten im Piesberg in Millionen von Jahren geologisch überhaupt zustande kamen, das erfahren Besucher eine Ebene tiefer, wie genau sie dem Berg wieder abgerungen wurden, ebenfalls. Auch hier: keine trockenen Erklärungen, sondern schwere Steinklopfer zum Anfassen und ein Piesberg zum Zusammenpuzzeln. Und noch eine Ebene tiefer, im ersten Obergeschoss, thematisiert das Museum, wie die Industrialisierung in Osnabrück Einzug hielt: erst mit Wind- und Wasserkraft, später mit Dampfmaschinen und einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Noch nagelneu riechen Schubladen und Regale in der Sektion, die die schließlich Kehrseiten der Frühindustrialisierung thematisiert. Laut war es in Osnabrück, wohl noch lauter als heute. Auf dem Grundstück hinter dem heutigen Kachelhaus am Neumarkt etwa befand sich eine Nagelfabrik. Per Knopfdruck startet ein Film mit Ton, der zeigt, wie solche Nägel entstehen – und im Raum wird es laut. Eine liebevoll gestaltete Animation verdeutlicht auf einem Touchscreen außerdem, um wie vieles Dezibel lauter ein Zug ist als flüsternde Menschen.

Wer dann noch Zeit hat, kann sich im Erdgeschoss die seit 1997 dort stehende mechanische Werkstatt vorführen lassen oder im Fahrstuhl in den 30 Meter tief liegenden alten Stollen fahren.


Öffnungszeiten

Das Museum Industriekultur (Fürstenauer Weg 171) ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei. Kinder zahlen nichts, Erwachsene mit Kindern nur drei Euro.

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