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Osnabrücker Land wird Potenzial nutzen Homann-Mitarbeiter könnten Fachkräftemangel lindern

Von Jean-Charles Fays

Die erwartete Homann-Verlagerung aus dem Osnabrücker Land nach Leppersdorf bei Dresden könnte den dramatischen Fachkräftemangel in der Region lindern. Das sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Sven Ruschhaupt. Foto: Michael GründelDie erwartete Homann-Verlagerung aus dem Osnabrücker Land nach Leppersdorf bei Dresden könnte den dramatischen Fachkräftemangel in der Region lindern. Das sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Sven Ruschhaupt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die erwartete Homann-Verlagerung aus dem Osnabrücker Land nach Leppersdorf bei Dresden könnte den dramatischen Fachkräftemangel in der Region lindern. Das sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Sven Ruschhaupt, unserer Redaktion.

Er sieht es „als wahrscheinlich an, dass unsere Handwerksbetriebe zu gegebener Zeit das Potenzial gut qualifizierter Homann-Mitarbeiter nutzen können und nutzen werden“. Im Lebensmittelhandwerk sowie in den Gewerken Elektro, Sanitär-Heizung-Klima, Metall und im Bau-/Ausbaubereich würden der Handwerkskammer etliche offene Stellen gemeldet.

Insgesamt sieht Ruschhaupt die Verlagerung des Homann-Hauptsitzes aus Dissen nach Leppersdorf zunächst einmal als „schweren Schlag für die regionale Wirtschaft“, auch weil die Nachricht für die 1200 Homann-Mitarbeiter in den Werken im Osnabrücker Land so unerwartet kam.

Mehr als die Hälfte der Betriebe kann Stellen nicht besetzen

Der Präsident der Handwerkskammer, Peter Voss, hatte im April davor gewarnt, dass mehr als die Hälfte der 10.700 Betriebe im Kammerbezirk offene Stellen nicht besetzen konnten. Laut Voss müssen Betriebe wegen fehlenden Personals auch lukrative Aufträge vermehrt ablehnen. Laut einer Konjunkturumfrage der Handwerkskammer ist es das erste Mal, dass mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Betriebe im Kammerbezirk eine oder mehrere offene Stellen meldeten. Im vergangenen Jahr hatten 48 Prozent offene Stellen gemeldet, in den Vorjahren hätten aber nur ein Drittel der Betriebe ausgebildete Fachleute gesucht.

Die Handwerkskammer setzt auf verschiedene Maßnahmen, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Darunter ist eine Imagekampagne des Handwerks, aber auch Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sowie internationale Fachkräfteakquise zum Beispiel durch Anwerbung von Kroaten, die in der Region eine Lehre absolvieren. Zudem will die Kammer den Meistertitel und die Duale Ausbildung stärken und will Frauen ins Handwerk bringen.

IHK setzt auf Integrationsmoderator

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Marco Graf, sieht im Fachkräftemangel sogar „eines der größten Risiken für das regionale Wachstum. In unserer jüngsten Konjunkturumfrage war er das am meisten genannte Risiko. Jedes zweite befragte Unternehmen sah hier Probleme“, erläutert Graf. Die IHK sei an erster Stelle im Bereich der Berufsausbildung aktiv, werbe für eine duale Berufsausbildung bei Schulabgängern und Studienabbrechern und führe am Ende die Prüfungen durch. Jedes Jahr seien das rund 4500. Die IHK bemühe sich ebenfalls um die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung und habe bei den IHK-Mitgliedsunternehmen Plätze für Einstiegsqualifizierungen eingeworben. „Dies führt die Flüchtlinge an eine duale Berufsausbildung heran, die sie aus ihrer Heimat oft nicht kennen“, betont Graf und kündigt an, die Betriebe künftig mit einem eigenen „Integrationsmoderator“ noch stärker zu unterstützen.

IHK: Attraktivität der Region sichtbarer machen

Für wichtig im Kampf gegen den Fachkräftemangel hält Graf aber auch ein „Arbeitgebermarketing“, indem die Vorzüge des Arbeitsplatzes herausgestellt werden. Ein weiteres wichtiges Element zur Bindung von Fachkräfte sei auch die Attraktivität der Region. „Hier haben wir ganz eindeutig Pluspunkte, die - über kommunale Grenzen hinaus - vielleicht noch etwas sichtbarer gemacht werden könnten“, betont Graf. Auch überregionale Werbung könne Teil einer Gesamtstrategie für Fachkräfte sein. Ein reibungsloser Übergang von der Schule in den Beruf durch eine gute Berufsorientierung sei aber mindestens genauso wichtig.

Kreishandwerkerschaft sieht Schwerpunkt in der Ausbildung

Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KH) Osnabrück, Thorsten Coch, betont, dass er den Schwerpunkt der Bestrebungen weiterhin in der nachhaltigen Ausbildung sieht die Berufsorientierungsmesse „Ausbildung 49“ als einen wichtigen, regionalen Baustein gegen den Fachkräftemangel. So würden bis zu 2000 Schüler jährlich sehr praxisnah in rund 50 Ausbildungsberufen des Handwerks vermittelt. Es sei ein enges Netzwerk zu den Schulen von Stadt und Landkreises Osnabrück entstanden.

Bei Youtube würden und auf der Kreishandwerkerschaft-Homepage würden 23 Filme über Ausbildungsberufe im Handwerk gezeigt. Dort könnten die Mitgliedsbetriebe der KH auch Stellenangebote und könnten freie Ausbildungsplätze posten. Darüber hinaus habe die KH kürzlich eine „KH App“ an den Start gebracht, durch die Jugendlichen leichter in Kontakt treten könnten. Die von der KH und der Handwerkskammer vor 14 Jahren ins Leben gerufene „HuB-Stiftung“ des Osnabrücker Handwerks fördere zudem im sechsstelligen Bereich Karrieren im Handwerk, gewähre Fortbildungsstipendien und unterstütze finanziell entsprechende Initiativen, um Anreize zu schaffen.

Handwerksberufe bei Arbeits- und Ausbildungsvermittlung ernster nehmen

Coch fordert von der Politik, „dass über viele Jahrzehnte bewährte und immer wieder den Anforderungen angepasste duale Bildungssystem zu stärken und nicht infrage zu stellen“. Auch würden wohnortnahe Schulen selbst unter sich verschlechternden Rahmenbedingungen benötigt. Darüber hinaus erklärt Coch: „Es besteht durchaus der Wunsch, die Handwerksberufe bei der Arbeits- und Ausbildungsvermittlung ernster zu nehmen und sich über eventuell bestehende Vorurteile wie schlechte Bezahlung, mangelnde Karrierechancen und unattraktive Arbeitsbedingungen durch aktuelle Fakten hinwegzusetzen.“ Dazu würde die KH mit der Agentur für Arbeit im ständigen Dialog stehen.

Wirtschaftsregion Osnabrück

Die Wirtschaftsregion Osnabrück hält Coch für „durchaus attraktiv, sowohl hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstärke und ihrer Bildungsstandorte als auch ihrer gebotenen Lebensqualität“. Er fügt jedoch hinzu: „Dies soll nicht heißen, dass unsere Stadt- oder Gemeinderäte sowie unsere Stadtmarketing- oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften nicht weiter an Verbesserungen für diesen Wirtschaftsstandort arbeiten sollen.“