„Kitsch, Konvention und Kunst“ Schauspieler Thiele liest im Ledenhof Osnabrück aus Streitschrift

Helmut Thiele liest am Samstag im Ledenhof aus „Kitsch, Konvention und Kunst“. Foto: Egmont SeilerHelmut Thiele liest am Samstag im Ledenhof aus „Kitsch, Konvention und Kunst“. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Polemik gegen Hesse: In seiner Streitschrift „Kitsch, Konvention und Kunst“ verdammte der Schriftsteller Karlheinz Deschner den Autor von „Narziss und Goldmund“ in Grund und Boden. Schauspieler Helmut Thiele liest am Samstag aus der daraus.

Um es vorweg zu sagen: Fans von Hermann Hesse sollten sich überlegen, ob sie Samstag zur Lesung mit Helmut Thiele in den Ledenhof gehen. Ihr Idol wird in der Luft zerrissen, wenn der Schauspieler aus Karlheinz Deschners 1957 erschienener Streitschrift „Kitsch, Konvention und Kunst“ liest.

„Kitsch hat bei Deschner eine politische Dimension“, erklärt Helmut Thiele. Für den 1923 geborenen Schriftsteller war das nichts als Volksverdummung. Und Hesses Gedichte und seine Erzählung „Narziss und Goldmund“ gehörten für ihn dazu. Als leuchtende Beispiele galten dem 2014 verstorbenen Deschner dagegen etwa Robert Musil und Georg Trakl.

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Nachhaltiger Einfluss

Helmut Thiele lernte die Streitschrift als 17-jährige Gymnasiast kennen. Damals lebte er noch in Österreich und musste für seinen Deutschunterricht eine Liste mit Büchern erstellen. Doch mit dem Übergang in die nächste Klasse und einem Lehrerwechsel wurde die in Grund und Boden verdammt. „Lautet Schmonzes“, urteilte der Lehrer und empfahl seinem Schüler „Kitsch, Konvention und Kunst“. Nach den dort formulierten Kriterien solle er eine neue Liste erstellen.

Die Streitschrift hat Helmut Thiele nachhaltig beeinflusst. Vor allem seine Liebe zu Musil habe er über Karlheinz Deschner entdeckt, sagt er. Und auch seine Haltung, bei einem Text auf die Sprache zu achten. Letztlich hat Karlheinz Deschner damit auch den Schauspieler Helmut Thiele geprägt – und seine Arbeit mit dem Thiele-Neumann-Theater, das er und seine Frau Regina Neumann vor 30 Jahren gegründet haben.

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Die Geschichte zählt nicht

Deschner unterscheidet sich von der heutigen Literaturkritik, in der es meistens um die Geschichte, das Thema und die Figuren geht. Für Deschner dagegen sind Sprache und die Form das, woran er den Wert von Literatur festmacht. 

Helmut Thiele präsentiert mit seiner vom Landschaftsverband Osnabrücker Land und dem Literaturbüro Westniedersachsen unterstützten Lesung einen Querschnitt der Streitschrift. Vorher wird er noch erläutern, wie Deschner ihn und sein Verhältnis zur Literatur geprägt hat.

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„Kitsch, Konvention und Kunst“: Helmut Thiele auf den Spuren von Karlheinz Deschner, Samstag, 20. Mai, 20 Uhr, Ledenhof; Eintritt frei.

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