Filmkritik „Rückkehr nach Montauk“ Volker Schlöndorff auf den Spuren von Max Frisch

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Osnabrück In seiner zweifach autobiografisch geprägten Literaturverfilmung „Rückkehr nach Montauk“ wandelt Volker Schlöndorff im alten Liebesleid von Max Frisch.

Eines der größten ungelösten Geheimnisse der Menschheit steckt in der Frage, wieso sich manche junge Frauen in deutlich ältere Männer verlieben. Sich ihnen nicht aus Geldgier, Machtkalkül oder ähnlichen menschlichen Beweggründen an den Hals werfen, sondern ihnen tatsächlich Herz über Kopf verfallen. Der Film „Rückkehr nach Montauk“ versucht, diese Frage am Ende mit einem kurzen Statement aus dem Mund einer betroffenen Protagonistin zu beantworten. Allerdings fällt diese Antwort, man kann es sich denken, höchst unbefriedigend aus.

Kritik an Max Frisch

Filmautor Volker Schlöndorff(„Die Blechtrommel“)(„Die Blechtrommel“) hat sich mit diesem Film nun einen Herzenswunsch erfüllt. Als Vorlage – oder besser gesagt – Anregung diente ihm die Erzählung „Montauk“ (1975) seines Freundes Max Frisch, der dafür zunächst einmal viel Kritik einstecken musste. Dessen einstige Lebenspartnerinnen sowie seine Ehefrau fühlten sich durch das Buch peinlich berührt, düpiert und bloßgestellt, und die Kritiker reagierten kontrovers. Von Ablehnung wegen peinlicher Nabelschau bis hin zu begeisterter Zustimmung in einem „Satz mit nicht weniger als sechs Superlativen“ (Marcel Reich-Ranicki) reichte die öffentliche Rezeption.

Junge Partnerinnen

Nun also Schlöndorff. Bereits mit dem Titel „Rückkehr nach Montauk“ stellt er klar, dass seine neueste Leinwanderzählung keine Literaturverfilmung im eigentlichen Sinne ist, sondern in Anlehnung an Frisch zu verstehen sein soll. Hier kehrt nun ein Schriftsteller namens Max Zorn (Stellan Skarsgård) nach langen Jahren der Abwesenheit zu einer Lesereise nach New York zurück, wo ihn einst eine kurze Liebelei mit einer viel jüngeren Frau aus Ostdeutschland verband. Seine ebenfalls deutlich jüngere Partnerin Clara (Susanne Wolff) weilt bereits seit ein paar Monaten im Big Apple, wo sie an der Übersetzung von Zorns Roman „Jäger und Gejagte“ gearbeitet hat.

Kaum in New York angekommen, lässt der alternde Schriftsteller nichts unversucht, um Kontakt zu seiner alten Liebe herzustellen. An die nun äußerst erfolgreiche Anwältin Rebecca (Nina Hoss) ist nicht einfach heranzukommen. Doch letztendlich finden die beiden zu einem leidenschaftlichen Wochenende in Montauk auf Long Island zusammen. Wie vor beinahe zwanzig Jahren, bevor er die Beziehung scheinbar grundlos abbrach.

Nachwirkungen

Der alte Mann und die Frauen – Schlöndorff degradiert seinen Protagonisten zu einer lächerlichen, tragikomischen Figur. Das ist mutig, schließlich trägt sie erklärtermaßen autobiografische Züge des Regisseurs. Aber das Drehbuch verantwortet dann doch in erster Linie der irische Schriftsteller Colm Tóibín.

Der lässt den alternden Zorn dann unentwegt mit seinem Liebesleben zaudern, lässt ihn jammern und in selbstverliebtem Selbstmitleid ertrinken. Hauptdarsteller Skarsgård spielt diese Figur mit beinahe abwesender Zurückhaltung, was sie umso unsicherer erscheinen lässt. Aber die eigentliche Charakterisierung jenes Autors namens Zorn findet über den Umweg der Frauen statt, deren Fokus hier ausschließlich auf den Mann gerichtet ist. Ein Schelm, wer hier an Chauvinismus denkt.

Man muss diesen schwermütigen Film über verpasste Chancen und das Reden und Schweigen über die Liebe nicht mögen. Aber man sollte ihn gesehen haben. Schlöndorffs persönlichster Film wirkt nach.


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