Kunst und Provokation Ausstellung zur Reformation im Kunstraum Hase 29

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Osnabrück. „Re-Formed“: Eine Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler zum Thema „500 Jahre Reformation – Form im Wandel, Aufbruch im Denken“ wird im Kunstraum Hase 29 eröffnet.

Eine Rockband starrt vor einem leuchtend roten Hintergrund auf eine Sprechblase: „Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen“ steht dort geschrieben. Es ist ein Lutherwort, das den Musikern zu denken gibt. Ebenso wie dem Betrachter der Szene, die Oliver Grajewski gemalt hat. Eine ganze Wand im Ausstellungsraum Hase 29 ist mit seinen Arbeiten bedeckt: Alle haben dasselbe Format und ähneln riesengroßen Comics. Aus seinem Archiv sucht sich der Künstler Motive aus der Medienwelt, verfremdet sie, stellt sie durch Hinzufügen von Bildelementen und Schrift in einen eigenen Zusammenhang - wie bei dem Promotionsfoto der irischen Rockband U2. Aus gegebenem Anlass hat Grajewski jetzt viele Aussagen und Sprüche von Martin Luther in seine Kunstcartoons eingefügt.

„Re-Formed“ lautet der Titel der Ausstellung, die anlässlich des Gedenkens an 500 Jahre Reformation für den Kunstraum zusammengestellt wurde. Zu den von Elisabeth Lumme kuratierten Künstlern gehört Anna Lange. Abweichend von den Plänen der Niederländerin wird ihr Video „Corpus Christi“ in der Hasestraße gezeigt. Ursprünglich wollte sie die filmische, mit provokanten Symbolen aufgeladene Auseinandersetzung mit Leben und Arbeit in einem Kloster in der Marienkirche oder im Diözesanmuseum zeigen – was vom verantwortlichen Pastor und dem Leiter des Museums allerdings abgelehnt wurde. Im Begleitprogramm zur Ausstellung ist eine Diskussionsveranstaltung geplant, in der thematisiert werden soll, ob es sich hier, wie die Künstlerin meint, um einen Akt der Zensur handelt.

Mit dem Wort „Freiheit“ hat sich Elisabeth (Lis) Schröder beschäftigt. Ein Jahr lang tippte sie das Wort jeden Tag in den verschiedensten Konstellationen auf ein DIN A 4 Blatt - mit einer präparierten Schreibmaschine. Die minimalistische Beschränkung auf sechs Typen führte auf den 365 Blättern zu starken künstlerischen Variationen.

Auf den Spuren der Reformation bewegt sich auch Sigrid Sandmann mit ihrem „Temporären Ehrenamt für die Erforschung sozialer Utopien“. Direkte Gespräche mit Besuchern über eine „bessere Welt“ dokumentiert sie auf bedruckten Folien, die während der Projektzeit nach und nach wie eine Textcollage in den Schaufenstern ausgestellt werden. In Kooperation mit der Marienkirche und dem Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück wird darüber hinaus eine künstlerische Intervention von Susanne Tunn realisiert.

„Die Ausstellung lockt sicherlich viele junge Menschen an, die sich hier auf besondere Art mit Luthers Thesen und der Reformation befassen können“, sagt Patricia Mersinger, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, der das Ausstellungsprojekt zusammen mit dem Landschaftsverband Osnabrücker Land und der Stiftung Osnabrücker Club fördert.


hase 29 – Kunstraum der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück (Hasestraße 29): „Re-Formed“. Installationen von Oliver Grajewski, Anna Lange, Elisabeth Schröder und ein partizipatorisches Kunstprojekt von Sigrid Sandmann. 14. Mai (Eröffnung um 11.30 Uhr) bis 6. August. Di., Mi. und Fr. 14-18 Uhr, Do. 16-20 Uhr, Sa. 11-15 Uhr.

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