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Ausstellung „Unreal“: Künstler Helle Jetzig verfremdet urbane Ansichten Neue Arbeiten – neue Perspektiven

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Ausstellung in Osnabrück: Künstler Helle Jetzig mit Galeristin Brigitte Rieger. Foto: Thomas OsterfeldAusstellung in Osnabrück: Künstler Helle Jetzig mit Galeristin Brigitte Rieger. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. In der Galerie schwarz | weiß zeigt der Osnabrücker Künstler Helle Jetzig aktuelle Werke, die einmal mehr die Architektur von Metropolen in den Fokus stellen. Statt Postkartenidyllen bietet Jetzig surreal anmutende Verfremdungen urbaner Szenen.

Als hätte Helle Jetzig eine Entwicklung vorhergesehen. In früheren Werken collagierte der Künstler seine Fotografien von Städten, setzte verschiedene Perspektiven gegeneinander und vergrößerte Werbetafeln, um sie als dominanten Eingriff in das architektonische Bild eine Stadt zu klassifizieren. Diesen Kunstgriff braucht er heute kaum noch einzusetzen.

Das hat zwei Gründe: Einerseits hat sich sein fotografischer Blick im Laufe der Jahre verändert. Fast automatisch sucht er durch das Objektiv seiner Kamera nach Perspektiven, in denen Brüche direkt sichtbar werden. Moderne Fassaden, die die Sicht auf historische Bauwerke verstellen, ziehen ihn heute beispielsweise magisch an. Andererseits wurden Werbeträger in den vergangenen Jahren in ihren Dimensionen derartig monströs, dass sie bisweilen ganze Fassaden von Häusern komplett verdecken. Ein Beispiel: In seinem Werk „Venice (La Citta Piu)“ zeigt er Gebäudezüge mit den typischen, filigran gearbeiteten, gotischen Fensteröffnungen der Lagunenstadt. Mittendrin prangt ein riesiges Reklamebanner, auf dem für die türkische Hauptstadt Istanbul geworben wird. Das frühere Aufblähen solcher Störelemente braucht Jetzig heute nicht mehr künstlerisch zu generieren, Stadtväter und Werbebranche sorgen selbstständig für das Zustandekommen solcher Brüche.

Vielleicht sorgt diese Entwicklung auch dafür, dass der Künstler immer mehr auf den Einsatz von grafischen Mustern und Elementen verzichtet, mit denen er seine Stadtansichten per Siebdruckverfahren zusätzlich verändert. Wie zum Beispiel in der Arbeit, die der Ausstellung ihren Titel gab: Der Schriftzug „Unreal“ prangt als Graffito an einer heruntergekommenen Hauswand in Amsterdam, die in grellem Kontrast zu dem modernen Baukörper eines Schifffahrtmuseums im Hintergrund steht. Zur Verstärkung des „unrealen“ Eindrucks duplizierte Jetzig das Wort in seinem Bild als gedrucktes Pattern. Das „Handwerk“ des Künstlers hat sich derweil nicht verändert. Die per Handabzug vergrößerten Schwarz-Weiß-Fotos koloriert er mit dem Pinsel, bevor er in mühsamer Kleinarbeit bis zu zehn und mehr Lackschichten aufträgt, die den Bildern diese frappante Tiefe und Plastizität verleihen.

Die Ausstellung „Unreal“ zeigt ausschließlich Bilder mit Motiven aus Amsterdam und Venedig. Auf die Frage, wonach er diese Schauplätze und andere wie New York, Hamburg oder Kuba auswählt, um seine ambivalenten Stadtvisionen realisieren zu können, antwortet Helle Jetzig: „Manche Städte eignen sich vorzüglich für meine Zwecke, andere funktionieren einfach nicht. Aus London bin ich beispielsweise unverrichteter Dinge wieder abgereist.“

In Kooperation mit der Galerie schwarz | weiß wurde eine Sonderedition mit verschiedenen Unikaten des Künstlers aufgelegt, die während der Dauer der Ausstellung zum Sonderpreis erhältlich sind.

Galerie schwarz | weiß (Redlingerstr. 4): „Unreal“. Malerei auf Schwarz-Weiß-Fotografie von Helle Jetzig. Bis 2. Mai, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sa. 10–14 Uhr, Infos unter www.galerie-schwarz-weiss.de


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