Tag der Befreiung in Osnabrück Gedenken an die homosexuellen Opfer der NS-Zeit

Von Vincent Buß

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vbu Osnabrück Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus wurde am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, an der Osnabrücker Dominikanerkirche gedacht.

Aufgerufen zu der Aktion hatte das Autonome Schwulenreferat des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA): „Wir möchten allen gedenken, welche in der Vergangenheit zum Opfer wurden oder in der Gegenwart unter diesen Umständen zu leiden haben.“ Für Homosexuelle sei der 8. Mai, das Ende des Zweiten Weltkriegs, nämlich kein Tag der Befreiung gewesen. Neben dem Schwulenreferat trafen sich auch das Osnabrücker Frauenarchiv und die Kreisvereinigung des Bundes der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) vor dem Denkmal „Der Gefesselte“.

Der „Schwulenparagraf“

Während der Gedenkveranstaltung ging es vor allem um den Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches, der ab 1871 sexuelle Handlungen zwischen Männern verbot. Verschärft unter Hitler schloss das ab 1935 sogar „begehrliche Blicke“ ein. Nach diesem Paragrafen wurden rund 50.000 Männer verurteilt, bis zu 15.000 starben in Konzentrationslagern. Mehr als 100.000 weitere Männer waren auf den sogenannten Rosa Listen zur Beobachtung erfasst.

Erst 1994 strich die Bundesrepublik das Gesetz. „Nicht aus Überzeugung“, schreibt das Schwulenreferat, „sondern als notwendige Rechtsangleichung durch den Anschluss der DDR.“ Referatsmitglied Sebastian van Loh verwies während der Veranstaltung auch auf heutige Diskriminierung und Verfolgung von Homosexuellen, beispielsweise in Tschetschenien. Der 8. Mai solle auch in Deutschland ein nationaler Gedenktag werden, forderte Eveline Wefer-Kamali vom VVN-BdA. Denn Nationalismus, Rasismus und andere ausschließende Ideologien hätten wieder Konjunktur.

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