Werksschließungen in Dissen und Bad Essen Gewerkschaft droht mit Streiks bei Homann

Der Chef der Gewerkschaft NGG für die Region Osnabrück, Uwe Hildebrand, hat nach dem enttäuschenden Homann-Krisentreffen mit Streiks in den Werken gedroht. Foto: Thomas OsterfeldDer Chef der Gewerkschaft NGG für die Region Osnabrück, Uwe Hildebrand, hat nach dem enttäuschenden Homann-Krisentreffen mit Streiks in den Werken gedroht. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück/Hannover. Die Gewerkschaft NGG droht der Müller Unternehmensgruppe mit Streiks. Der NGG-Geschäftsführer für die Region Osnabrück, Uwe Hildebrand, hat das enttäuschende Homann-Krisentreffen vom Dienstagmorgen in Hannover zum Anlass genommen, um mögliche Arbeitskampfmaßnahmen anzukündigen.

Der Chef der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), der in der niedersächsischen Staatskanzlei selbst an den Gesprächen mit Homann- und Müller-Aufsichtsratschef Heiner Kamps teilgenommen hat, betonte auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Hoffnung schwindet langsam, aber sie ist noch nicht gestorben. Tarifnachverhandlungen und Arbeitskampf sind jetzt die vielversprechendsten Mittel, um den Druck zu erhöhen.“

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NGG-Mitglieder stimmen über Tarifnachverhandlungen und Streiks ab

Hildebrand kündigte an, dass er die NGG-Mitglieder über die Maßnahmen Tarifnachverhandlungen und Streiks abstimmen lassen werde. Der letzte Tarifabschluss sei aufgrund der Perspektive für die Mitarbeiter im Landkreis Osnabrück noch sehr moderat gewesen. Allerdings sei dieser unter der Voraussetzung geschlossen worden, dass dafür das neue Werk in einem Umkreis von 35 Kilometern um das derzeit bestehende Werk gebaut wird. „Somit ist der aktuell bestehende Tarifvertrag unter falschen Voraussetzungen geschlossen worden“, unterstreicht Hildebrand. Der Tarifvertrag sei zudem geschlossen worden, um dem Arbeitgeber zu ermöglichen, sich leichter von Mitarbeitern zu trennen. Auch darüber werde in den für Anfang Juni geplanten Verhandlungen zu reden sein.

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Müller: Bündelung der Produktion wirtschaftlich zwingend notwendig

Durch vorzeitige Tarifverhandlungen und gegebenenfalls auch Streiks würden natürlich auch die Kosten für die Müller Unternehmensgruppe steigen. Auch das sei ein Weg, die Unternehmensführung vielleicht doch noch zum Erhalt des Dissener Standorts zu bewegen. Außerdem geht es Hildebrand darum, den Arbeitnehmern das Arbeitslosengeld in Zukunft zu erhöhen, indem das Gehalt jetzt schon erhöht wird.

Nach dem Krisengespräch am Dienstagmorgen in Hannover hatte die Unternehmensgruppe Theo Müller in einer Mitteilung noch einmal bekräftigt, die Werke in Dissen, Bad Essen-Lintorf, Bottrop und im thüringischen Floh-Seligenthal bis 2020 zu schließen und die Produktion ins sächsische Wachau-Leppersdorf zu verlagern. Insgesamt 1550 Arbeitsplätze, davon 1000 in Dissen und 200 in Bad Essen sind somit bedroht. Vor rund drei Wochen ging das Unternehmen noch davon aus, dass in dem neuen Werk rund 1000 Arbeitsplätze entstehen werden. In der Mitteilung begründete Kamps: „Die geplante Bündelung der Homann-Produktion an einem Standort ab dem Jahr 2020 ist wirtschaftlich zwingend notwendig und dient der Sicherung von Arbeitsplätzen am Standort Deutschland. Die bestehenden Homann-Werke arbeiteten seit Jahren nicht mehr wirtschaftlich.“

Produktion in Homann-Werken bis 2020

Die Homann Feinkost GmbH habe auch intensiv geprüft, ob bestehende Werke in Niedersachsen wieder nachhaltig wettbewerbsfähig gemacht werden könnten. Kamps betonte zugleich, dass die Produktion in sämtlichen Homann-Werken bis zum Jahr 2020 uneingeschränkt weitergeführt werde. Auch das Angebot für alle Beschäftigten zum Wechsel an einen neuen Produktionsstandort in frühestens drei Jahren gelte weiter. Gespräche auch darüber werde man in Kürze mit den Arbeitnehmervertretungen aufnehmen. Eine Nachfrage, wie alle Beschäftigten zum 500 Kilometer von Dissen entfernten Produktionsstandort in Wachau-Leppersdorf wechseln könnten, wenn in dem neuen Werk 1000 Arbeitsplätze entstehen, aber 1550 Arbeitsplätze an den vier Standorten gestrichen werden, beantwortete Unternehmenssprecher Alexander Truhlar auf Anfrage unserer Redaktion nicht.

Druck in den Verhandlungen erzeugen

Der Gesamtbetriebsratschef von Homann, Andreas Straede, kommentierte eine Anfrage unserer Redaktion, ob er weitere Maßnahmen wie die Demonstration vom 30. April plane: „Es fällt schwer, so eine Veranstaltung noch zu toppen. Wir werden uns mit dem Gesamtbetriebsrat aber über weitere Maßnahmen unterhalten.“ Er setzt auf weitere Verhandlungen: „Vielleicht können wir über den entsprechenden Druck in den Verhandlungen mit der Unternehmensführung über Sozialplan und Interessenausgleich regeln, dass Dissen doch noch eine höhere Priorität bekommt.“ Das könne etwa dann passieren, wenn ein Standortwechsel für Müller schlichtweg zu teuer würde. Außerdem spielte Straede im Gespräch mit Kamps am Dienstagmorgen darauf an, dass Coppenrath & Wiese im 40 Kilometer von Dissen entfernt gelegenen Werk in Mettingen 500 neue Mitarbeiter bis 2018 sucht: „Wir haben erläutert, dass sehr viele unsere Mitarbeiter uns vorzeitig verlassen könnten. Es besteht die Gefahr, dass wir schon bald nicht mehr produzieren könnten.“

Auch R & R Ice Cream und Schulte Fleischwaren suchen neue Mitarbeiter

Hildebrand fügte hinzu, dass sich neben Coppenrath & Wiese bereits der Dissener Betrieb „Schulte Fleisch- und Wurstwaren“ und das Osnabrücker Unternehmen „R & R Ice Cream“ gemeldet hätten, die insgesamt einen Bedarf für 50 neue Mitarbeiter hätten. Darüber hinaus betonte er: „Die Leute stimmen mit den Füßen ab. Bereits mehr als 200 Homann-Mitarbeiter haben ein Arbeitszeugnis angefordert.“ In den kommenden drei Jahren wolle Müller mit den vier zu schließenden Werken aber noch viel Geld verdienen. Der Gewerkschafter befürchtet zwar, dass „die Entscheidung beim Müller-Management bereits im Kopf gefallen ist. Es kann aber sein, dass diese Entscheidung zu haarig wird, sodass sie dann doch noch überdacht wird“.


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