Jagd- und Naturabend in Osnabrück Ist ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Wolf möglich?

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Osnabrück. Der Wolf stand im Mittelpunkt des Jagd- und Naturabends der Jägerschaften Osnabrück-Stadt und -Land. Gut 200 Gäste trafen sich zum Austausch und anschließendem Wildessen im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück.

„Von Menschenhand am Fliehen gehindert, haben wir für dieses Tier eine besondere Verantwortung “, betonte der Vorsitzende der Jägerschaft Osnabrück-Stadt, Franz-Josef Rochel. Jäger wollen, sagte Rochel, diese Verantwortung mit übernehmen und das viele Fragen aufwerfende Thema Wolf nicht emotional, sondern Fakten basiert diskutieren. Es war die bereits vierte Wolf-Veranstaltung, die von den Jägern organisiert wurde. Dieses Mal lauschten die Gäste den Erfahrungen und Ansichten von Frank Faß, dem Leiter des Wolfcenters Dörverden. Er ist der Meinung, dass ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Wolf in Deutschland nicht möglich sein wird, aber zumindest ein konfliktarmes.

Neun Rudel, drei Paare und ein Einzelwolf in Niedersachsen

Heute leben wieder 60 Wolfsrudel in Deutschland, 14 mehr als im letzten Frühjahr. Nach aktuellem Stand sind es neun Rudel, drei Paare und ein Einzelwolf in Niedersachsen. Aufgrund geeigneter Lebensräume – vor allem im Bereich der Lüneburger Heide, aber auch im Wendland, Harz und Weserbergland – sind in Niedersachsen weitere Wölfe zu erwarten.

Vier bis sechs Welpen

Jetzt im April und Mai ist Setzzeit der Wölfe. Durchschnittlich vier bis sechs Welpen werden im Bau zur Welt gebracht. Bald verlässt der quirlige Nachwuchs die unterirdische Höhle um mit den Geschwistern, herum zu toben. Wölfe wachsen schnell, einige werden als Jährlinge mit 11 bis 22 Monaten das elterliche Rudel verlassen, um sich eigene Territorien zu suchen. So bleibt die Zahl der Wölfe innerhalb eines Gebiets relativ konstant. Obwohl ein Rudel ein riesiges Territorium von durchschnittlich 20.000 bis 30.000 Hektar besetze, sei in Deutschland noch Platz für viele weitere Wölfe. 

Streng geschützt

Zusammen mit den Wölfen Westpolens zählen hiesige Wölfe zur Zentraleuropäischen Flachlandpopulation. „Möglicherweise wird sich diese Population bald auch mit der italienischen oder baltischen mischen“, mutmaßt Faß. Trotz der positiven Entwicklung der streng geschützten Tiere sprechen Experten noch von einem „ungünstigen Erhaltungszustand“. Erst wenn 1000 geschlechtsreife Wölfe in einer isolierten Population vorhanden sind, werden diese, sagte Faß, als wirklich stabil angesehen. 

Ärger für Weidetierhalter

Der Wolf fordere Toleranz der Gesellschaft. Insbesondere Nutztierhalter müssten sich umstellen und bräuchten Unterstützung. Eine Bejagung des Wolfs? – „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bejagung eines Tages kommt. Dabei müssen aber unbedingt die Elterntiere verschont bleiben, denn an ihnen orientieren sich die hochsozialisierten Jungtiere“, sagt Faß und ergänzt: „Womit wir schon beim nächsten Problem wären. Es sind gerade die älteren Tiere, die den Weidetierhaltern Ärger bereiten.“  Ist die Vergrämung, das dauerhafte Verscheuchen der Raubtiere, eine Lösung? „Erfahrungswerte aus Schweden zeigen niedrige Erfolgsquoten von 30 Prozent. Einmal an den Menschen oder an Weidevieh gewöhnte Wölfe können auch mit negativen Reizen, wie Gummigeschossen kaum umerzogen werden.“

Für den Menschen stelle der Wolf bei respektvollem Umgang keine Gefahr dar. Seltene Ausnahmen gibt es bei angefütterten oder tollwutkranken Tieren. Dennoch haben viele Menschen Angst vor diesem Wildtier. Aufklärungsarbeit müsse diesen Ängsten gegenwirken. 

Rückkehr der Zugvögel

Dass Aufklärung der Öffentlichkeit eine wichtige Aufgabe der Jäger ist, darüber war sich die Jägerschaft Osnabrück-Stadt auch bei ihrer vor dem Jagd- und Naturabend abgehaltenen Jahresversammlung einig. Der Rückblick auf naturbegeisternde Öffentlichkeits-Projekte 2016 – der Nistkasten- und Fledermauskastenbau mit Schülern, die ausgebuchten Dümmer-Exkursionen zur Rückkehr der Zugvögel im Frühling und zu den Kranichen im Herbst – ließ die Jäger beschließen, zukünftig noch mehr in Natur sensibilisierende Projekte für Kinder zu investieren. (Weiterlesen: Niedersächsischer Jagdverband will Wolf bejagen)

Frauenanteil steigt

Wachsendes Naturinteresse zeigt sich auch durch die steigende Zahl der Jagdscheinabsolventen. 16.304 Personen traten in Deutschland 2016 zur Jägerprüfung an, davon 3987 in Niedersachsen, 1397 Jungjäger in Osnabrück. Mit bis zu 25 Prozent wächst der Frauenanteil in den Jägerschaften.

Bleifreie Munition

Der Bericht des Schatzmeisters ergab eine schwarze Null, trotz hoher Aufwendungen für den Schießstand Lechtingen. Dank Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Jägerkursen und Schießstandgebühren freuten sich die Jäger hier über ein leicht positives Ergebnis.


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