Le Pen gegen Macron Osnabrückerin erlebt die Stichwahl in Französisch-Guyana

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Osnabrück . Frankreich grenzt im Westen und im Osten an den Atlantik – aus der Kolonialzeit übrig gebliebene Übersee-Départements machen es möglich. Auf beiden Seiten des Weltmeeres wird am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Die Osnabrückerin Natascha Ueckmann erlebt den Wahlkampf derzeit im südamerikanischen Französisch-Guyana mit.

Guadeloupe und Martinique in der Karibik, Mayotte und La Réunion im Indischen Ozean sowie Französisch-Guyana, das nördlich von Brasilien liegt, sind die Übersee-Départements Frankreichs. Es sind Überbleibsel der Kolonialzeit. Französisch-Guyana ist in Europa vor allem wegen der Raketenabschuss-Basis in Kourou bekannt. Von dort fliegen die europäischen Ariane-Raketen ins Weltall.

Für Natascha Ueckmann sind andere Gründe ausschlaggebend für ihren Aufenthalt in Französisch-Guyana. Sie ist Dozentin für Literatur- und Kulturwissenschaften an der Universität Bremen und im Zuge eines Erasmus-Gastdozenten-Austausches an der Université de Guyane in der Hauptstadt Cayenne. Die Osnabrückerin gibt dort Lehrveranstaltungen zum transkulturellen Theater in Frankreich und zu schwarzen Humanismus- und Alteritätskonzepten.

Hohe Arbeitslosigkeit

Wenn Ueckmann frei hat, schaut sie sich in dem Land um. „Die Menschen haben hier massive Probleme mit Arbeitslosigkeit und fehlender Infrastruktur wie Mangel an Schulen und Krankenhäusern“, sagt sie in einem Gespräch mit unserer Redaktion, das per Skype geführt wird. Sie berichtet außerdem, dass von der Bevölkerung die Einwanderung aus dem anderen, englischsprachigen Guyana sowie aus Surinam, Brasilien und Haiti als die Quelle dieser Missstände angesehen wird. Daher könne Marine Le Pen bei der entscheidenden Stichwahl am Sonntag auch in Französisch-Guyana mit Zulauf rechnen.

Die Wahlplakate der Rechtspopulistin waren dann auch die einzigen, die Natascha Ueckmann in Französisch-Guyana entdeckt hat. Ein Mann an der Rezeption ihres Hotels hat ihr erzählt, dass das Flugzeug, das die Werbemittel ihres Rivalen Emmanuel Macron ins Land bringen sollte, wegen eines Generalstreiks nicht landen konnte.

Einwohner favorisierten Jean-Luc Mélenchon

Die meisten Menschen in dem Land informieren sich über das Internet, so Ueckmann. „Viele hätten hier gerne den Linken Jean-Luc Mélenchon als Sieger gesehen. Die meisten Menschen lehnen Macrons Politik ab.“ Mélenchon hatte im ersten Wahlgang die meisten Stimmen in Französisch-Guyana bekommen; dicht gefolgt von Le Pen. Bei den Wahlen zum EU-Parlament vor drei Jahren erhielt Le Pens Partei, der Front National, 14 Prozent der Stimmen.

Im März und April wurde Französisch-Guyana von landesweiten Protesten, Streiks und Straßenblockaden erschüttert. Der Start einer Ariane-5-Rakete musste verschoben werden. Vielen Guayenesen protestierten gegen die aufwendige Finanzierung des Raketenprogramms. Sie fordern laut Medienberichten mehr Geld für die Bekämpfung der Kriminalität und der Arbeitslosigkeit, deren Quote bei 22 Prozent liegt. Sie streikten zudem für die Verbesserung des Gesundheitssystems und des Bildungssektors sowie für die Reformierung der Sozialversicherung.

Proteststimmen zugunsten von Le Pen?

Viele Guaynesen wollen am Sonntag einen leeren Stimmzettel abgeben. „Dazu wurde wohl auch während des Streiks ermutigt, um Frankreichs Politik Widerstand entgegenzusetzen“, sagt Ueckmann. Der leere Stimmzettel soll Protest ausdrücken, ist aber natürlich ungültig. Viele Prognosen sagen voraus, dass eine geringe Wahlbeteiligung – und eben auch ungültige Stimmen – eher Le Pen nützen als Macron. Front-National-Wähler gingen beständig zur Wahl, heißt es. So könnten womöglich auch Stimmen aus Französisch-Guyana dazu beitragen, dass eine Präsidentin an die Macht kommt, deren Partei das Erbe des alten französischen Kolonialreichs noch immer hochhält.


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