Diözesanverband Osnabrück Katholische Arbeitnehmer-Bewegung rügt Homann

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Der Diözesanverband Osnabrück der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung verurteilt Homann für die Schließung der beiden Werke im Osnabrücker Land scharf. Die Gewerkschaft NGG will Ende Mai mit der Müller-Gruppe verhandeln und will prüfen, ob der bestehende Tarifvertrag noch Gültigkeit hat.Foto: Katholische Arbeitnehmer-BewegungDer Diözesanverband Osnabrück der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung verurteilt Homann für die Schließung der beiden Werke im Osnabrücker Land scharf. Die Gewerkschaft NGG will Ende Mai mit der Müller-Gruppe verhandeln und will prüfen, ob der bestehende Tarifvertrag noch Gültigkeit hat.Foto: Katholische Arbeitnehmer-Bewegung

Osnabrück. Der Diözesanverband Osnabrück der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) verurteilen Homann für die geplante Schließung der beiden Werke im Osnabrücker Land scharf.

KAB-Sekretär Frederick Heidenreich kritisiert: „Es ist unverantwortlich, wenn einem Unternehmen geringere Produktionskosten und Subventionen wichtiger sind als die Zukunft von 1200 Arbeitern und ihren Familien.“ CAJ und KAB weisen in einer Mitteilung darauf hin, dass „der Mensch kein Werkzeug ist, welches man in den Schuppen stellen kann, wenn man es nicht braucht“. Heidenreich fügt hinzu, dass bereits die katholische Soziallehre aufzeige, dass die Wirtschaft dem Menschen dienen müsse und nicht umgekehrt. Arbeiternehmerrechte, soziale Absicherung und Umweltweltschutz seien wichtiger als die Renditen und Dividenden von Aktionären und Vorstandsmitgliedern. Heidenreich betont: „Unser Wohlstand darf nicht auf die Ausbeutung von Menschen und Natur aufbauen. Als Christen haben wir eine globale Verantwortung, egal ob wir Unternehmer, Arbeitnehmer, Politiker oder Konsument sind.“

Christliche Bewegungen: Worten der Politiker sollen Taten folgen

Mit dem Jahresschwerpunkt „Gegen Vergöttlichung von Kapital, Kommerz und Konsum“, sucht die KAB auf ihren Aktionen, bei Bildungsveranstaltungen und Demos das Gespräch mit Politik, Gewerkschaften und Bürgern. CAJ und KAB setzen sich dafür ein, dass nicht nur über soziale Gerechtigkeit gesprochen wird, sondern den Worten auch Taten folgen. Die Bewegungen wollen sich dafür engagieren, dass die Worte der Politiker, insbesondere im Wahlkampf vor der niedersächsischen Landtagswahl im Januar 2018, nicht nur ein Lippenbekenntnis sind, sondern als fester Bestandteil der Parteiprogramme auch umgesetzt werden.

FDP: Es reicht nicht aus, dass der Wirtschaftsminister sich mit den Homann-Mitarbeitern solidarisch erklärt

Unterdessen verlangt die wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP im niedersächsischen Landtag, Gabriele König, seitens der Landesregierung mehr Engagement im Fall Homann und für die niedersächsische Ernährungswirtschaft insgesamt. „Es reicht nicht aus, dass der Wirtschaftsminister sich mit den Homann-Mitarbeitern solidarisch erklärt und pressewirksam an einer gemeinsamen Demonstration teilnimmt.“ Erst nichts mitzubekommen und sich dann einfach nur zu ärgern, sei zu wenig. Standortabwanderungen solchen Ausmaßes müssten viel eher auf dem politischen Radar wahrgenommen werden. Die Landesregierung habe eingeräumt, von den Plänen zum Umzug ins sächsische Leppersdorf überrascht worden zu sein. Zudem sei der Standort Dissen in vielerlei Hinsicht jahrelang von der Politik vernachlässigt worden. Zuletzt habe die Landesregierung das Krankenhaus vor Ort geschlossen und den Ort so noch unattraktiver für die Menschen vor Ort, aber eben auch für Unternehmen gemacht.

„Homann darf nicht zum Spielball undurchsichtiger Unternehmensentscheidungen werden“

Die Landesregierung müsse jetzt endlich deutlich mehr Engagement zeigen. „Homann darf nicht zum Spielball undurchsichtiger Unternehmensentscheidungen werden. Die Regeln der Sozialen Marktwirtschaft sind von allen Seiten einzuhalten. Die Landesregierung muss jetzt aktiv die Rolle des Moderators übernehmen und darf nicht weiter am Katzentisch verharren“, betonte König. Sie solle zudem die Vorzüge Niedersachsens für die Ernährungswirtschaft wieder klar benennen und bearbeiten und verhindern, dass zukünftig weitere Marktführer das Land verlassen. Die FDP-Fraktion hat eine parlamentarische Anfrage gestellt, um die Rolle der Landesregierung im Fall Homann und die Relevanz, die sie der Ernährungswirtschaft in Niedersachsen heute und zukünftig beimisst, zu beleuchten.

CDU: Landesregierung hätte schon im Herbst handeln müssen

Auch Niedersachsens CDU-Landesvorsitzender Bernd Althusmann hatte das Handeln der rot-grünen Landesregierung zuvor als zu passiv kritisiert. Bereits im vergangenen Herbst habe es Hinweise gegeben, dass die lange in Aussicht gestellte Erweiterung am Standort Dissen gefährdet sei. „Das Wirtschaftsministerium hätte bereits im Herbst proaktiv tätig werden müssen, als Müller die Standort-Entscheidung für Dissen auf Eis gelegt hat“, hatte Althusmann unserer Redaktion gesagt.

Wirtschaftsminister Lies planen Gespräch mit Müller-Manager Mitte Mai

Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sagte bereits vor einer Woche, dass die Landesregierung von der Entscheidung selbst und vom Zeitpunkt „kalt erwischt“ worden sei. Müllers Kommunikation sei unglücklich gewesen. Bislang sei man sogar von einer Produktionsausweitung in Dissen ausgegangen. Ein vor einer Woche geplantes Gespräch von Lies und dem Osnabrücker Landrat Michael Lübbersmann mit Müller-Manager Heiner Kamps war geplatzt. Bislang gehen Lies und Lübbersmann davon aus, dass ein entsprechendes Gespräch Mitte Mai nachgeholt wird.

Gewerkschaft NGG will mit Müller-Managern Ende Mai verhandeln

Der Chef der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) für die Region Osnabrück, Uwe Hildebrand, plant aktuell, dass die Verhandlungen mit Verantwortlichen wie Müller- und Homann-Aufsichtsratschef Heiner Kamps Ende Mai beginnen. Für Hildebrand stellt sich noch die Frage, ob noch Teilproduktionen erhalten werden können. Er will mit einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Alternativvorschläge erarbeiten. Ansonsten gehe es in den Gesprächen darum, den Härtefall zu mildern, einen Interessensausgleich und einen Sozialplan zu verhandeln. „Eventuell wird auch ein Überleitungstarifvertrag erforderlich sein. Zudem prüfen wir, ob der aktuell bestehende Tarifvertrag jetzt noch Gültigkeit hat“, erklärte Hildebrand. Der bestehende Tarifvertrag sei geschlossen worden, um dem Arbeitgeber zu ermöglichen, sich leichter von Mitarbeitern zu trennen. „Allerdings war dafür die Voraussetzung, dass dafür das neue Werk in einem Umkreis von 35 Kilometern um das derzeit bestehende Werk gebaut wird. Deshalb müssen wir vielleicht vorzeitig in Tarifverhandlungen treten, um den Druck auch auf dieser Seite noch zu erhöhen“, führte Hildebrand aus. „Jetzt geht es natürlich auch darum, den Arbeitnehmern das Arbeitslosengeld in Zukunft zu erhöhen, indem das Gehalt jetzt schon erhöht wird. Der letzte Tarifabschluss war aufgrund der Perspektive für die Mitarbeiter im Landkreis Osnabrück noch sehr moderat.“

( Weiterlesen: Gewerkschaftschef: Die Homann-Schließung ist für uns der Super-Gau)


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