Auf Anweisung der 3g Group „Lebensquelle“ dreht Freiraum Petersburg in Osnabrück den Strom ab

Von Sebastian Stricker

Unter Strom: Carsten Gronwald, Betreiber des Proberaumzentrums am alten Güterbahnhof in Osnabrück, wurde auf Veranlassung der 3g Group von der „Lebensquelle“ der Saft abgedreht. Foto: Michael GründelUnter Strom: Carsten Gronwald, Betreiber des Proberaumzentrums am alten Güterbahnhof in Osnabrück, wurde auf Veranlassung der 3g Group von der „Lebensquelle“ der Saft abgedreht. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Das selbst ernannte Kulturschutzgebiet „Freiraum Petersburg“ am alten Güterbahnhof in Osnabrück ist seit Mittwoch ohne Strom. Die evangelische Freikirche „Lebensquelle“ hat die Hauptleitung zum Nachbarn gekappt – und zwar auf Anweisung der 3g Group (früher Zion GmbH). Berechtigte Vorsichtsmaßnahme oder reine Schikane?

Der jahrelange Streit zwischen der 3g Group als Eigentümergesellschaft des Güterbahnhofs und ihrem Mieter Carsten Gronwald erreicht einen neuen Höhepunkt. Diesmal dreht sich alles um eine angeblich lebensgefährliche Elektroinstallation, die Gronwald in dem von ihm gewerblich genutzten Haus – dem als Petersburg bekannten Proberaumzentrum – vorgenommen haben soll. Die Vermieterin sah sich deswegen am Mittwoch zu einer schnellen Abschaltung des Stroms veranlasst. Zu Hilfe kam ihr dabei die „Lebensquelle“: Denn die Versorgung erfolgt über ein angrenzendes Gebäude, das die 3g Group der evangelischen Freikirche verkauft hat.

Gronwald ist fassungslos: „Das kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel!“ Für ihn sei das Vorgehen von 3g Group und „Lebensquelle“ in keiner Weise nachvollziehbar. Jedoch bringe es ihn in eine „Notlage“, die seine berufliche Existenz gefährdet. Denn ohne Strom könne er die bis Ende 2018 gemieteten Räume nicht länger an Musiker und Künstler untervermieten. Ihm entstehe dadurch „riesengroßer Schaden“, und auch für die Osnabrücker Kulturszene bedeute die faktische Stilllegung des Freiraums Petersburg eine „Katastrophe“.

Mieteranwalt spricht von Schikane

Deutliche Worte findet auch Gronwalds Anwalt Hans Siepelmeyer. Er fordert die Freikirche auf, den Strom unverzüglich wieder einzuschalten, und hält vom Vermieter genannte Sicherheitsgründe, die eine eigenmächtige Stromsperre rechtfertigen sollen, für vorgeschoben: „Das ist reine Schikane – nichts anderes!“ Mit der Kabelverlegung habe es nie Probleme gegeben. Die 3g Group wolle seinen Mandanten bloß mit allen Mitteln als Mieter loswerden. „Hier versucht sie, ihn am Lebensnerv zu treffen. Und benutzt dafür die ,Lebensquelle‘ als verlängerten Arm.“

In der Tat war es „Lebensquelle“-Pastor Eduard Ochs, der am Mittwoch die Petersburg willfährig vom Netz genommen hat. Das geht aus mehreren SMS-Nachrichten hervor, die Ochs morgens um 8.16 Uhr an Gronwald geschickt hat und die unserer Redaktion vorliegen. Der Pastor erklärt darin, bereits am Dienstag von der 3g Group „angewiesen“ worden zu sein, bei seinem Nachbarn den Strom abzustellen.

Pastor lässt Nachbar abblitzen

Als Auftraggeber nennt er Thomas Gründler, früher zusammen mit Ralf Gervelmeyer Geschäftsführer der Zion GmbH und heute selbst ernannter „Berater“ der 3g Group. Mit ihm möge Gronwald die Angelegenheit klären, schreibt Ochs – und lässt den vergeblich um Missachtung der Anweisung flehenden Nachbarn abblitzen: „Ich will damit nichts zu tun haben. Ich bin beauftragt worden von ihm und ich kann da auch nichts dafür.“

Für unsere Redaktion waren weder Ochs noch Gründler am Freitag persönlich zu sprechen. Stattdessen meldete sich auf Nachfrage Rechtsanwalt Nikolai Zutz für die 3g Group zu Wort. Er erklärte, dass die elektrische Anlage zumindest im Keller des Mietobjekts Hamburger Straße 22b „nicht fachmännisch und ordnungsgemäß eingerichtet“ und deshalb „nicht betriebssicher“ sei. Mehr noch: Es bestehe „Gefahr für Leib und Leben“, was seine Mandantin, die im Schadensfall haften müsse, zur kurzfristigen Abschaltung gezwungen habe.

Elektrofirma empfiehlt Abschaltung

Die 3g Group beruft sich dabei auf die Einschätzung eines Elektro-Meisterbetriebs aus Georgsmarienhütte vom 17. April. Auch sei die Stromsperre dem Mieter am Mittwoch um 10.15 Uhr per Fax an dessen Anwalt angekündigt worden, heißt es weiter. Laut Gronwald war der Strom zu diesem Zeitpunkt allerdings längst weg. Und wann wird er wieder angeschaltet? Zutz: „Wenn sichergestellt ist, dass die elektrische Anlage den gesetzlichen Normen entspricht.“


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