Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrücker Inklusionsklasse lernt „Mein Körper gehört mir“



Osnabrück. „Mein Körper gehört mir“. Das Stück der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück ist seit 23 Jahren aktuell. Nun führte das Duo Suse und Alen es erstmals in einer Inklusionsklasse der Osnabrücker Rosenplatzschule auf.

Drei Kinder mit unterschiedlichen Formen der Beeinträchtigung besuchen die 4 b der Rosenplatzschule. Stundenweise begleitet werden sie von der Sonderpädagogin Birgit Husemann von der Anne-Frank-Schule. Sie sitzt an diesem Vormittag mit Klassenlehrerin Birgit Gerken wie die Kinder gespannt vor einem Theatervorhang. Heute gibt es den ersten von drei Teilen des Stücks „Mein Körper gehört mir“.

Schutz vor Missbrauch

Seit 23 Jahren ist die Theaterpädagogische Werkstatt mit diesem Stück in ganz Deutschland in Grundschulen unterwegs. Die Schauspieler Suse und Alen sind seit mehr als acht Jahren ein eingespieltes Team. Sie stellen sich auf ihr wechselndes Publikum ein. In einzelnen Szenen, die anschließend mit dem Publikum besprochen werden, geht es um die Stärkung der Kinder, um sie vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

Da ist der jugendliche Angeber (Alen), der sich im Bus neben eine Schülerin (Suse) setzt. Allein durch die Nähe verunsichert, wird sie zu einem Häufchen Elend, als ihr der Jugendliche plötzlich den Arm um die Schulter legt. Ein klarer Fall von „Nein-Gefühl“, wie die Schauspielerin hinterher mit den Grundschülern diskutiert. Aber es falle manchmal ganz schön schwer, sich zur Wehr zu setzen.

Gebrülltes „Nein!“

Aber das kann man lernen: Die Szene wird noch einmal gespielt. Und jetzt reagiert die Schülerin ganz anders: Als der Jugendliche sie wieder an sich drückt, brüllt sie ihn weithin hörbar mit „Nein!“ an. Der Jugendliche verdrückt sich fix. Die Klasse lacht. Das war deutlich. Und so spielen die Viertklässler Marlen und Demirel die Szene noch einmal nach.

„Lilly und Leo“

„Mein Körper gehört mir“ richtet sich an Kinder der dritten und vierten Klassen. Um auch Kinder mit besonderem Förderbedarf Lernen zu erreichen, gibt es die Adaption „Lilly und Leo“ in leichter Sprache und mit mehr Erläuterungen. Im Zuge der Inklusion, dem gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung, gibt es immer mehr Klassen wie die 4 b. Die Theaterpädagogische Werkstatt hat sich darauf eingestellt und spielt eine Mischung aus beiden Stücken.

Offensichtlich mit Erfolg: „Es ist bei den Inklusionskindern alles angekommen“, stellt Birgit Husemann fest, die ihre Schüler während der Vorstellung beobachtet.

Grenzen setzen

Und sie beteiligen sich am Austausch über Situationen, in denen man „Nein“ sagen sollte. Suse und Alen sprechen aber auch an, dass es bei manchen Menschen schwerfällt, „Nein“ zu sagen: bei Freunden, bei Angehörigen oder auch bei Lehrern. Wer das „Nein“ nicht schafft, auch das wird im ersten Teil vermittelt, sollte sich jemandem anvertrauen, der Mutter, der Freundin oder auch der Lehrerin. Nächste Woche geht es weiter. Denn es gibt Grenzen, Grenzen, die niemand überschreiten darf.


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