Getötete Radfahrer und Fußgänger So wollen Osnabrücker Spediteure tödliche Unfälle verhindern

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Osnabrück. Seit 2014 sind auf Osnabrücks Straßen vier Radfahrer und drei Fußgänger bei Unfällen mit Lkw gestorben. Zwei Osnabrücker Spediteure setzen nun auf neue Lkw, die ab Werk einen Abbiegeassistenten an Bord haben.

Am Freitag stellten die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Mercedes Beresa sowie die beiden Spediteure Overnight und Heinrich Koch das System auf dem Beresa-Gelände vor. Es soll Unfälle beim Abbiegen und Spurwechsel verhindern. Die beiden Speditionen gehören der IHK zufolge zu den bundesweit ersten Unternehmen, die das neue radargestützte Warnsystem nun auf die Straße brachten.

Norbert Bökamp, Verkaufsleiter der Lkw-Abteilung bei Beresa, sagte, Mercedes sei der weltweit erste Anbieter, der ab Werk einen Abbiegeassistenten anbiete. Allerdings ist das Warnsystem nicht serienmäßig, sondern muss extra geordert werden. „Die Kosten belaufen sich auf 3000 bis 5000 Euro netto – je nach Ausstattung“, sagte Bökamp.

Spediteure fordern Gesetz

Spediteur Heinrich Koch erachtet das Geld als gute Investition. Er wünsche sich, dass die Politik ein solches Sicherheitssystem gesetzlich vorschreibe. Seit zwei Jahren verbaue der Unternehmer nachträglich Warnsysteme in seine Lkw. „Das Feedback der Fahrer ist sehr gut, da sie damit die gesamte rechte Seite des Zugs im Blick haben“, sagte Koch. Er sei froh darüber, nun ab Werk einen Abbiegeassistenten zu bekommen. Bis zum nächsten Jahr sollen all seine eigenen Lkw ein Warnsystem haben, kündigte Koch an. „Das ist bei uns jetzt Standard“, versicherte er.

Die am Lastwagen verbauten Sensoren (schwarzer Kasten) zeigt Norbert Bökamp (Beresa). Foto: Thomas Osterfeld

Die Spedition Overnight hat seit Anfang März acht neue Lkw mit dem neuen Abbiegeassisten im Fuhrpark, sagte deren Logistikleiter Gerald Honerkamp. Hierzu habe die Spedition eigens Investitionen vorverlagert. Bislang hatte die Spedition in zwei Lkw ein anderes System von Continental mit Kameras und einem Monitor im Cockpit getestet.

IHK: Wichtig auch für Lkw-Fahrer selbst

Auch die IHK sieht die Politik in der Pflicht und wünscht sich einen gesetzlich vorgeschriebenen Abbiegeassistenten. Ein solcher sei nicht nur für Radfahrer und Fußgänger wichtig. „Er ist auch für die Lkw-Fahrer wichtig, die (nach einem tödlichen Unfall, Anm. d. Red.) für ihr Leben gezeichnet sind“, sagte der für den Bereich Standortentwicklung zuständige IHK-Geschäftsführer Eckhard Lammers. Bei fast allen tödlichen Unglücken mit Lkw und Fußgängern/Radfahrern seit 2014 in Osnabrück geschahen die Unfälle, als die Lkw abbogen.

Technik unabhängig vom Trailer

Der Vorteil des neuen Abbiegeassisten: Das System ist im Lastwagen verbaut und funktioniert bei einem Sattelzug folglich mit jedem Anhänger. Dafür sorgen zwei Sensoren, die die gesamte rechte Zuglänge überwachen. Beim Abbiegen warnt das System den Fahrer, wenn sich neben dem Lkw ein stationäres oder bewegendes Objekt befindet – etwa ein Radfahrer. In der ersten Warnstufe blinkt ein gelbes Dreieck an der A-Säule der Beifahrerseite, wenn sich ein Objekt in der Überwachungszone befindet.

Ist der Fahrer mit seinem Lkw auf Kollisionskurs, ertönt ein Warnton, die LED-Leuchte leuchtet rot. Auf Autobahnen warnt das System zudem beim Spurwechsel. Der Abbiegeassistent ist lediglich eine Unterstützung und greift selbst nicht ein.

Der Osnabrücker Spediteur Sigfried Serrahn, der sich sehr um Sicherheit im Transportgewerbe bemüht und mit Overnight das Conti-System getestet hatte, begrüßte den Abbiegeassistenten ebenfalls. Beim Abbiegen müsse ein Lkw-Fahrer auf die Ampel, sechs Spiegel, und gegebenenfalls noch einen Monitor sowie auf einen Spiegel an der Ampel achten. Da sei es kein Wunder, wenn der Fahrer überfordert ist. Das neue System warnt den Fahrer aber auch akustisch. „Wenn der Fahrer die Augen dicht hat, hört er nun wenigstens etwas“, sagte Serrahn.


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