Winkekatze und Weltpolitik EMAF Media Campus INIT zeigt studentische Arbeiten

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten studentische Medienkünstler das „Leben in Zeiten der Hyperinformation“. INIT nennt sich der Mediencampus im Ausstellungsraum Hase 29, im Turm Bürgergehorsam und im Keller der Kunsthalle Osnabrück.

Wie eine Registrierkasse spuckt ein Kasten Thermopapier aus, auf dem die neuesten Schlagzeilen der internationalen Presse zu lesen sind. Plötzlich katapultiert die auf dem Kasten thronende Winkekatze ihren Arm nach unten, um auf dem Papierstreifen einen Tatzenabdruck zu platzieren. „The oCat News Distractor“ nennt Annika Engelhardt ihre Arbeit, die zurzeit im Ausstellungsraum Hase 29 zu sehen ist. Im Rahmen des Media Campus INIT, der sich der studentischen Medienszene widmet, wurden von einem Kuratorenteam zahlreiche Exponate ausgewählt, die jetzt in der Stadt gezeigt werden.

„Push“ war in diesem Jahr zum Oberthema des EMAF erkoren worden und so gilt das „Leben in Zeiten der Hyperinformation“ auch als Motto für die INIT-Künstler. Wie sehr die allgegenwärtige Informationsflut das Leben eines Studierenden beeinflusst, zeigen Laura Carlotta Cordt und Alena Wroblewski mit ihrer „slide installation“. Unendlich wirkende transparente Folien, beschriftet mit mathematischen Formeln und Lehrsätzen aus BWL-Vorlesungen, die bei Seminaren mit Hilfe eines Tageslichtprojektors zur Anschauung kommen, werden von der Decke abgerollt. Unentwegt gleiten die Folien zu Boden, werden dort zum unübersichtlichen, analogen Datenberg. Relevantes Wissen für das spätere Berufsleben? Oder überflüssiger Ballast in einer Welt, in der per Datenautobahn Wissen omnipräsent und allzeit verfügbar zu sein scheint?

„Wir haben versucht, das formale Spektrum möglichst weit zu fächern“, sagt Carlos Niermeyer, der die Ausstellung zusammen mit Jannik Bussmann und Tim Duvendack kuratiert hat. Kinetische Objekte, Virtual Reality-Performances, Installationen und interaktive Arbeiten wurden ausgewählt. Mit autistischer Wahrnehmung beschäftigt sich beispielsweise die beeindruckende Audio-Installation von Jana Zölsch im Bürgergehorsam. Auf vier transparenten Leinwänden charakterisieren sich vier Autisten selbst, schildern ihre spezielle Verarbeitung von Informationen und Daten, derweil ihre Bilder symbolisch verfremdet werden.

Nicht weit vom ehemaligen Wehrturm entfernt haben Studierende der hiesigen Hochschulen ihr Forum im Keller der Kunsthalle. Schwerpunkt hier: Der Einsatz von Technologie und Datenfluss bei sportlicher Betätigung. Man kann beim Seilspringen eine App aktivieren, die einem die passende Musik zum Springrhythmus generiert, oder man lässt ich per smarten Walking-Stöcken zu einem angewählten Ziel dirigieren.

Dass nicht nur Kabel zur Übermittlung von Daten taugen, versucht eine „Biotic Explorers Research Group“ zu beweisen. Anhand der Messung von pH-Werten wollen die fiktiven Wissenschaftler aufzeigen, das ein Pilz in einem Terrarium in der Lage ist, Daten von einem Ort zum anderen zu senden.

Derweil hört man wieder die Winkekatze, wie sie ihre Tatze auf die nicht endenden Headlines der internationalen Presse stempelt. „Ivanka Trump bezeichnet syrische Flüchtlinge als globale, humanitäre Krise“ hat CNN gerade verlautbar, als die Katze zuschlägt. Das macht sie, sobald die 25 beliebtesten Katzenvideos bei YouTube mal wieder von 1000 Viewern geklickt wurden. Komische Datenwelt, in der wir leben…


Media Campus INIT: bis 30. April, Ausstellungsraum Hase 29, Turm Bürgergehorsam und Keller der Kunsthalle Osnabrück.

Ermäßigter Eintritt für OS-Card-Inhaber beim EMAF (außer Kunsthalle)

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