Teure Rostschäden Osnabrück will Liebesschlösser von Brücken entfernen

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Unromantisch: Liebesschlösser rosten und beschädigen so die Brücken in Osnabrück. 20.000 Euro würde nach Schätzung der Stadtverwaltung ihre Beseitigung kosten, einschließlich der notwendigen Reparaturen. Foto: Jörn MartensUnromantisch: Liebesschlösser rosten und beschädigen so die Brücken in Osnabrück. 20.000 Euro würde nach Schätzung der Stadtverwaltung ihre Beseitigung kosten, einschließlich der notwendigen Reparaturen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Von wegen alte Liebe rostet nicht: Die Stadt Osnabrück will alle Vorhängeschlösser entfernen, die Paare zum Beweis ihrer Zuneigung an Brücken befestigt haben. Angeblich richten die eisernen Treueschwüre zu großen Schaden an.

Vier Drahtbrücken hat die Verwaltung besonders im Auge: die Angersbrücke an der Hasestraße, die Brücke am Conrad-Bäumer-Weg (Nähe Carolinum) und die Brücke Öwer de Hase im Bereich Galeria Kaufhof, außerdem den Steg am Haseuferweg zwischen Wittekindstraße (Sparkasse/Hasehaus) und Heinrich-Heine-Straße (Alando). Dort haben Verliebte in den vergangenen Jahren stellenweise wohl über 1000 Metallschlösser, graviert mit Namen, Jahrestag oder süßer Botschaft, an die Geländer gehängt – mit schwerwiegenden Folgen für die Bauwerke.

Denn nicht nur die zusätzliche Last von einigen Hundert Kilogramm macht den Brücken auf Dauer zu schaffen. Vor allem der von Liebesschlössern verursachte Rost ist es, der an ihnen nagt. (Weiterlesen: Paris entfernt Liebesschlösser von Brücken)

Elektrochemische Reaktion

So komme es an den aus (eigentlich rostfreiem) Edelstahl bestehenden Stäben, Gittern und Netzen im Brückengeländer immer häufiger zu Beschädigungen durch Kontaktkorrosion, berichtet Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau. Gemeint ist damit jene elektrochemische Reaktion, bei der ein metallischer Werkstoff den anderen zersetzt, wenn beide sich lange genug berühren. Weiterhin würden Liebesschlösser die Zinkbeschichtung der Brüstung zerstören, indem sie immer wieder daran schlagen. Müssen Edelstahlseile oder Gitter deshalb ausgetauscht werden, koste dies die Stadt pro Stück zwischen 250 und 300 Euro.

Als besonders aufwendig erweisen sich Reparaturen am Steg entlang des innerstädtischen Haseuferwegs. Dort besteht die Geländerfüllung aus feinen Edelstahlmaschen, die „durch mechanischen Einfluss“ – sprich Liebesschlösser – verbiegen und sogar reißen können. „Jedes Loch muss von Hand geflickt werden“, erklärt Schmidt. Kosten pro Fehlstelle: rund 45 Euro.

20.000 Euro Kosten

Um alle genannten Brücken von romantisch verklärten Vorhängeschlössern zu befreien und die schadhaften Stellen auszubessern, würden schätzungsweise 20.000 Euro fällig. Am Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt darüber entscheiden, ob das wirklich notwendig ist. Auch weitere Fragen werden dann zu klären sein: Zum Beispiel, wann die Liebesschlösser geknackt werden, was anschließend mit dem ganzen Schrott passiert – und wie man der Sache in Zukunft Herr werden will.

Denkbar sei, in Osnabrück alternative Plätze für Liebesschlösser zu schaffen, so Schmidt. Andere Städte machen das vor: In Kassel beispielsweise wurden schon vor Jahren an den Enden einer Drahtbrücke Gitter aufgestellt, wo Paare ihre Liebesschlösser stattdessen anbringen können. Wenngleich auch diese Ersatzwände unter großer Last zusammenbrechen können und bei Gefahr abmontiert werden müssen, wie erst vor wenigen Wochen geschehen.

Kunstwerk aus Bäumen

Nachhaltiger scheint da eine Idee aus Moskau: Dort taugen die Liebesschlösser gar zum Kunstwerk, seit sie an stählernen Bäumen befestigt werden können, die leer zunächst eine Fußgängerbrücke zieren und später –bunt behängt – das Ufer der Moskwa säumen.


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