zuletzt aktualisiert vor

Hauptversammlung des Bürgervereins Schinkel sehnt Lückenschluss der A33 herbei

Von Joachim Dierks

Referenten und Vorstandsmitglieder des Bürgervereins Schinkel von 1912 im Schulterschluss: (von links) Franz Schürings, Cord Lüesse, Heinrich Grofer, Claudia Ruschmeier, Carsten Friderici und Dagmar Riemann auf der Jahreshauptversammlung. Foto: Thomas OsterfeldReferenten und Vorstandsmitglieder des Bürgervereins Schinkel von 1912 im Schulterschluss: (von links) Franz Schürings, Cord Lüesse, Heinrich Grofer, Claudia Ruschmeier, Carsten Friderici und Dagmar Riemann auf der Jahreshauptversammlung. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Zwei Fachvorträge in Herzensangelegenheiten des Bürgervereins Schinkel von 1912 dominierten die Jahreshauptversammlung im Seniorenheim Haus Schinkel. Autobahnplaner Cord Lüesse informierte über den Stand in Sachen Lückenschluss A33-Nord und Stadtplaner Franz Schürings über die Aufnahme des Stadtteils in das Förderprogramm „Soziale Stadt“.

Lüesse, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr für den Geschäftsbereich Osnabrück, bezeichnete den im Februar 2017 unter Federführung der Bertelsmann-Stiftung abgeschlossenen Bürgerdialog als „erfolgreich“ – auch wenn er erwartungsgemäß nicht dazu geführt habe, dass alle Autobahngegner umgestimmt worden seien. Seine Behörde habe für den Moment ihre Hausaufgaben erledigt und den detaillierten Vorentwurf, die Arbeit von vier Jahren, dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt. Nach dessen „Gesehen-Vermerk“ liegt als nächster Verfahrensschritt der Antrag auf Planfeststellung an.

Der Genehmigungsentwurf könnte 2018 stehen. Dann folgen Bürgerinformationen, Auslegungen, Erörterungen, Einwendungsfristen, sodass der Planfeststellungsbeschluss nicht vor 2020 zu erwarten sei. „Der kann dann natürlich beklagt werden“, erklärte Lüesse. Wenn das Bundesverwaltungsgericht eventuelle Klagen abweist, könnte 2021 mit dem Bau begonnen werden. Die Bauzeit wird mit vier bis fünf Jahren kalkuliert. Daraus ergäbe sich ein Fertigstellungstermin 2025 oder 2026.

6000 Autos mehr am Tag

Der Bürgervereins-Co-Vorsitzende Carsten Friderici bekräftigte den im Stadtteil vorherrschenden Wunsch, dass der Lückenschluss Nord möglichst schnell gelingen möge, damit die Verkehrsbelastungen der städtischen Straßen abnehme. „Spätestens 2020 geht es hier nämlich richtig rund“, sagte er. Dann seien die Ortsumgehung Belm im Zuge der B51n, die A30 bei Bad Oeynhausen und der Lückenschluss A33-Süd durchgehend fertig, was zu erheblichen Verkehrszunahmen führen werde. Icker und Rulle müssten mit 6000 zusätzlichen Fahrzeugen am Tag rechnen, die sich irgendwie zur A1 durchkämpfen. „Dann wird die überwiegende Ablehnung dort in den betroffenen Gemeinden ganz schnell kippen“, meinte er.

Franz Schürings, Leiter des städtischen Fachbereichs Städtebau, berichtete von den abgeschlossenen Voruntersuchungen für die Bewerbung zur Aufnahme Schinkels in das Städtebau-Förderprogramm „Soziale Stadt“. Gegenstände der Stärken- und Schwächen-Analyse waren unter anderem die Gebäudesubstanz, funktionale Mängel wie Leerstände, energetische Mängel, städtebauliche Missstände wie etwa ein Mangel an öffentlichem Grün, unausgewogene Sozialstrukturen, soziale Brennpunkte. Land und Bund werden je ein Drittel zum Gesamtvolumen von voraussichtlich 15 Millionen Euro beitragen, ein Drittel muss die Stadt schultern.

100 Millionen Euro für den Stadtteil

Die Erwartung ist, dass öffentliche Investitionen durch einen „Sogeffekt“ private Investitionen nach sich ziehen, und zwar im Umfang des Sieben- bis Achtfachen. „Das wären dann schnell mal 100 Millionen Euro für Schinkel, da müsste sich doch etwas draus machen lassen“, so Friderici. In puncto unausgewogene Sozialstruktur meinte er, früher hätte es eine Klammer gegeben, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammengehalten habe: Das seien die großen Arbeitgeber wie Stahlwerk, Bahn und Kabelmetal gewesen. Die seien nun weitgehend entfallen, seitdem lebten die Menschen vielfach nebeneinander her.

Er verspreche sich viel davon, wenn es in Schinkel ähnlich wie zuvor am Rosenplatz ein Quartiersmanagement geben wird, das Kommunikation fördert und die unterschiedlichen Gruppen vernetzt. Schürings skizzierte den Weg des Antrags: Am 30.Mai muss der Rat ihn beschließen, damit er rechtzeitig am 1. Juni in Oldenburg vorliegt. Wenn alles klappt, könnte im März 2018 die Förderzusage folgen. Erste Maßnahmen könnten Anfang 2019 anlaufen.

Einer der aktivsten Bürgervereine der Stadt

Der von den Vorsitzenden Heinrich Grofer und Friderici vorgetragene Jahresbericht lieferte den Beweis, dass der Schinkeler Bürgerverein zu den aktivsten der Stadt gehört. Zu den drei im Berichtszeitraum liegenden Bürgerforen formulierte er eine Vielzahl von Bürgeranliegen und vertrat sie engagiert gegenüber der Verwaltung. Beim Stadtputztag war er mit mehreren Kolonnen genauso vertreten wie bei der Eröffnung des Haseuferwegs nach Lüstringen, er kämpfte für die Offenhaltung der nördlichen Hamburger Straße und gestaltete den Volkstrauertag.

Zu den besonders erfreulichen Vereinsinterna zählt, dass die zweijährige Vakanz des Schriftführerpostens zu Ende gegangen ist. Die 47-jährige Maler- und Lackierermeisterin und HWK-Ausbilderin Dagmar Riemann ließ sich in das Amt wählen, um das sich nicht viele reißen.