Historisch und rar: Synthi 200 Schwedische Musikerin komponierte in Osnabrück

Lisa Stenberg arbeitet am Synthi 200. Foto: Thomas OsterfeldLisa Stenberg arbeitet am Synthi 200. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Um ein Auftragswerk der documenta Kassel für ein historisches, elektronisches Instrument komponieren zu können, war Lisa Stenberg jetzt zwei Mal in Osnabrück: Die Universität ist im Besitz eines der wenigen EMS Synthi 200.

Lisa Stenberg blickt auf das große Feld mit dem Lochraster. Dann nimmt sie kleinen Pins, steckt sie in bestimmte Positionen und stellt so Verbindungen zwischen verschiedenen Modulen des analogen Synthi 200 her. Schon ertönt in dem Studioraum im Dachgeschoss des Osnabrücker Schlosses ein schwebendes Klangfeld aus den Lautsprecherboxen.

„Ich bin so froh, dass ich dieses historische Musikinstrument hier benutzen kann“, erklärt die schwedische Musikerin Lisa Stenberg. Gäbe es den von der Londoner Firma EMS in den 1970er Jahren gebauten Synthesizer in der Osnabrücker Universität nicht, hätte Stenberg nämlich ein Problem: Die Experimentalmusikerin hatte von der documenta Kassel den Auftrag bekommen, zusammen mit zwei griechischen und einem weiteren schwedischen Musiker Kompositionen für den EMS Synthi 100 zu schreiben und sie in diesem Monat in der documenta-Partnerstadt Athen aufzuführen.

„Dort gibt es das CMRC, ein Forschungszentrum für zeitgenössische Musik, in dem ein Synthi 100 existiert. Der war in einem schlechten Zustand und wurde von einem schwedischen Team restauriert“, so Stenberg. Die Wieder-Bespielbarkeit des Instruments in Griechenlands Hauptstadt war denn auch der Grund für die Kooperation der documenta mit dem CMRC in Athen.

Doch wie sollte Stenberg eine Komposition schreiben und aufführen, wenn sie nie auf dem Instrument gespielt hat. Also recherchierte die Musikerin im Internet, wo es sonst noch funktionsfähige Exemplare des legendären, aber sehr seltenen Instruments gibt. In Kanada und Australien soll es wohl noch welche geben, was ihr aber nicht weitergeholfen hätte. Dann stieß sie auf den EMS Synthi 200 in Osnabrück, das weiterentwickelte Modell, das die Universität 1981 mit finanzieller Unterstützung der Volkswagen Stiftung gekauft hat. Und in Professor Bernd Enders, Spezialist für elektronische Musik, der bis 2015 systematische Musikwissenschaften an der Universität lehrte, fand sie einen Fürsprecher. Er machte es möglich, dass die Schwedin im März und im April die Möglichkeit bekam, hier intensiv mit dem Synthi 200 zu arbeiten.

„Leider werden die Stücke nur in Athen aufgeführt“, sagt Lisa Stenberg. In Kassel, der Heimat der documenta, werden sie nicht zu hören sein, weil es dort keinen EMS Synthi 100 gibt. Aber vielleicht überlegen es sich die Kuratoren in Kassel noch einmal. Osnabrück ist ja nicht so weit entfernt und könnte so zum externen Spielort der documenta werden. Jedenfalls hat sich Stenberg in Osnabrück sehr wohl gefühlt: „Die Atmosphäre im Schloss mit dem Park nebenan habe ich sehr genossen“, sagt sie.


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