Tag der Bahnhofsmission 2017 Bahnhofsmission Osnabrück findet Weg aus der Krise

Marcel Bohnenkamp hat elf Jahre lang die Bahnhofsmission Bielefeld gemanagt, bevor er im September 2016 die Leitung in Osnabrück übernahm. Hier führt er die ökumenische Einrichtung zusehends aus der Krise.Foto: Michael GründelMarcel Bohnenkamp hat elf Jahre lang die Bahnhofsmission Bielefeld gemanagt, bevor er im September 2016 die Leitung in Osnabrück übernahm. Hier führt er die ökumenische Einrichtung zusehends aus der Krise.Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Nach einem personellen Umbruch scheint die von Ehrenamtsmüdigkeit und Spendenflaute geplagte Bahnhofsmission Osnabrück aus den gröbsten Schwierigkeiten heraus. Unter dem neuen Leiter Marcel Bohnenkamp wird das zuletzt stark gekürzte Hilfsangebot für Reisende und Notleidende wieder kräftig ausgebaut.

Gute Nachrichten zum bundesweiten „Tag der Bahnhofsmission“ am Samstag, 22. April: Die zuletzt wegen Personalmangels auf ein Mindestmaß beschränkten Öffnungszeiten der Bahnhofsmission Osnabrück wurden Anfang des Monats deutlich verlängert. Und auch die Zahl der freiwilligen Helfer steigt kräftig. „Wir starten jetzt richtig durch“, sagt Marcel Bohnenkamp.

Der 46-jährige Sozialpädagoge ist seit 1. September 2016 Leiter der ökumenischen Einrichtung von Diakonie und Caritas. Sein Vorgänger Christoph Wegmann hatte die Stelle nach nur einem Jahr aus persönlichen Gründen aufgegeben. Zuvor stand mit Heike Becker lange Zeit eine Frau an der Spitze.

Längere Öffnungszeiten, mehr Freiwillige

Nach ihrem altersbedingten Ausscheiden im Sommer 2015 geriet die Bahnhofsmission Osnabrück jedoch in eine tiefe Krise: Ehrenamtliche Mitarbeiter gingen von der Fahne, und auch die dringend benötigten Spendeneinnahmen sanken bedrohlich, weil viele Menschen ihr Geld plötzlich lieber für die Flüchtlingshilfe gaben. Beides führte dazu, dass die Bahnhofsmission ihre Gratisdienste spürbar zurückfahren musste.

Bohnenkamp scheint nun die Trendwende gelungen. „Die Lage hat sich stabilisiert, wir sind auf einem guten Weg.“ Die Zahl der Freiwilligen sei von 13 im Herbst auf über 20 angewachsen. Und in der Anlaufstelle an Gleis 1 des Hauptbahnhofs finden Bedürftige und andere Hilfesuchende jetzt nicht mehr nur bis mittags, sondern wieder bis zum Abend kompetente Ansprechpartner – schnell, unkompliziert, an sechs Tagen in der Woche: montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, sonntags von 15 bis 18 Uhr. Hungrige werden täglich bis 16 Uhr bewirtet, freitags und sonntags sogar durchgängig. Nur samstags bleibt die Bahnhofsmission Osnabrück geschlossen.

7500 Bewirtungen, 50.000 Reiseassistenzen

Bohnenkamp unterstreicht die Bedeutung der Einrichtung: Ein erheblicher Teil der 7500 Gäste, die 2016 die Bahnhofsmission aufsuchten, sei bettelarm, süchtig nach Alkohol und anderen Drogen oder auch seelisch krank. Über 170 seelsorgerische Gespräche verzeichne der Jahresbericht, außerdem 400 materielle Hilfen von der Unterwäsche bis zur Fahrkarte. Hinzu kommen 50.000 Reiseassistenzen – davon mehr als 38.000 am Neumarkt, wo sich die Bahnhofsmission inzwischen mit einer hauptamtlichen Kraft und drei (statt früher zwei) sogenannten Ein-Euro-Jobbern um hilfsbedürftige Busfahrgäste kümmert. (Weiterlesen: Wie die Bahnhofsmission Osnabrück Kinder, Senioren und Behinderte auf Zugfahrten begleitet)

„Diese hohe Zahl zeigt, dass viele Menschen in der Region das niederschwellige Angebot der Bahnhofsmission als wichtige Chance begreifen“, stellt Bohnenkamp fest. Die Gäste würden sich auf die Bahnhofsmission verlassen und seien auf die ehrenamtlich getragene, christliche Arbeit teilweise sogar angewiesen. Über 1000-mal sei beispielsweise auch der „Raum der Stille“ im vergangenen Jahr in Anspruch genommen worden – übrigens in wachsendem Umfang von Muslimen.


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