Wenn Mieter nicht zahlen Zählerausbau: Was sind die Rechte des Vermieters?

Wenn der Mieter seine Strom- und Gasrechnung nicht mehr bezahlt, können die Stadtwerke die Zähler demontieren, ohne den Vermieter vorher zu informieren. Das kann teuer und ärgerlich werden. Foto: dpaWenn der Mieter seine Strom- und Gasrechnung nicht mehr bezahlt, können die Stadtwerke die Zähler demontieren, ohne den Vermieter vorher zu informieren. Das kann teuer und ärgerlich werden. Foto: dpa

vbu Osnabrück. Davor fürchten sich Vermieter: Ein Bewohner verschwindet, ohne die Gas- und Stromrechnungen der Stadtwerke zu bezahlen. Das Versorgungsunternehmen lässt daraufhin die Zähler ausbauen – auf Kosten des Hauseigentümers. Kann diese Situation vermieden werden?

Für die Vermieterin eines Mehrfamilienhauses in Osnabrück war es schon zu spät. Zwar habe der Bewohner ihr keine Miete mehr gezahlt, doch hätten die Stadtwerke ihr mit Verweis auf den Datenschutz nicht gesagt, ob er auch dort Rechnungen offen habe. Ohne sie oder die übrigen Mieter im Vorfeld zu informieren, sei dann im Juli vergangenen Jahres ein von den Stadtwerken beauftragter Handwerker in dem Gebäude aufgetaucht, um die Strom- und Gaszähler auszubauen.

Osnabrücker Vermieterin beschwert sich

Die Vermieterin wollte die Zähler zurückhaben: „Es folgte ein Hin und Her mit den Stadtwerken beziehungsweise der Subfirma und den von mir beauftragten Handwerkern, die an die Stadtwerke in solchen Fällen Anträge stellen müssen – und zwar jeder einzeln.“ Das Ergebnis: Wohnung bis Ende Februar nicht beheizbar, leichte Frostschäden. Schließlich ließen die Stadtwerke laut der Hauseigentümerin die Zähler unentgeltlich wieder einbauen.

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Für die Deinstallation habe sie jedoch 60 Euro gezahlt. „Dabei hätte ein Anruf von den Stadtwerken genügt und ich hätte mich als Verbraucher eintragen lassen, denn der Mieter war schon weg“, beschwert sich die Hauseigentümerin. Zumal eine Räumungsklage gegen den Bewohner eh kurz vor Abschluss gestanden habe.

Die Position der Stadtwerke

Doch offiziell gehen die Stadtwerke anders vor: „Wir informieren grundsätzlich nur unseren Vertragspartner, also den Kunden, der in Zahlungsschwierigkeiten ist“, erklärt Pressesprecher Marco Hörmeyer. Erst nach diversen Mahnungen und Fristen würden dann die Zähler ausgebaut. Hörmeyer ergänzt: „Es gibt allerdings Ausnahmen bei bestimmten Witterungsverhältnissen und sofern der Anschluss auch zur medizinischen Versorgung genutzt wird.“

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Die Stadtwerke arbeiten laut ihrem Pressesprecher gegebenenfalls mit Einrichtungen wie dem Jobcenter zusammen, um einvernehmliche Lösungen mit dem jeweiligen Mieter zu finden – „selbstverständlich unter Einhaltung aller datenschutzrechtlichen Bestimmungen.“ Über solche Vorbehalte wundert sich die Vermieterin. Denn der Handwerker der Subfirma habe den übrigen Bewohnern freizügig erklärt, dass der Mieter nicht zahle.

Was Vermieter- und Mieterverein dazu sagen

Dem Eigentümer- und Vermieterverein „Haus und Grund Osnabrück“ ist diese Problematik bekannt. Geschäftsführer Christian Biemann schlägt vor, dass der Handwerker ohne nähere Erläuterung hätte sagen können, dass er Zutritt zu der Wohnung benötige. Ohne Erlaubnis dürften allerdings weder Stadtwerke noch Subfirma das Haus betreten, schon gar nicht gewaltsam. „Zum Teil klingeln sie aber überall, bis jemand aufmacht“ – was einer Einwilligung gleichkomme. Den Zähler auszubauen, sei nicht die einzige Option, fährt Biemann fort. Stattdessen könne die Zufuhr mit einer Plombe abgeklemmt werden. „Die Mieter tricksen aber eventuell und entfernen die Vorrichtung.“

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Der Rechtsanwalt unterstützt den Vorschlag der betroffenen Vermieterin: Wenn ein Hauseigentümer von den Versorgern über Zahlungsrückstände informiert werde, könne er das Mietverhältnis schneller beenden und zunächst selbst für Strom und Gas aufkommen. Selbst der Osnabrücker Mieterverein hat kein Problem mit diesem Vorgehen. Und so verfahren laut Biemann die Stadtwerke aus Kulanz in der Praxis auch oft – eine Einschätzung, die sich von der offiziellen Position unterscheidet. „Aber einen Rechtsanspruch gibt es darauf nicht“, schränkt Biemann ein.

(Zur Themeneite „Gut zu wissen“)


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