Arbeit für National Geographic Osnabrücker Sprachwissenschaftler berät Hollywood

Von Jörg Sanders und Sebastian Stricker

In den USA lief die Serie bereits Anfang März an. In Deutschland sind bisher lediglich Trailer zu sehen. Screenshot: National GeographicIn den USA lief die Serie bereits Anfang März an. In Deutschland sind bisher lediglich Trailer zu sehen. Screenshot: National Geographic

yjs/sst/pm Osnabrück. Den roten Teppich in Hollywood wird er aufgrund seiner Arbeit wohl nicht zu Gesicht bekommen, und dennoch war seine Arbeit wichtig: Der Sprachwissenschaftler Alexander Bergs von der Uni Osnabrück hat eine Filmproduktionsfirma aus Hollywood für ein Projekt des National Geographic beraten.

Bergs arbeitete an dem Filmprojekt „Origins: The Journey of Humankind“ der renommierten Wissenschaftsorganisation National Geographic mit, die unter anderem das gleichnamige Magazin herausgibt und einen TV-Kanal betreibt.

Die Serie befasst sich mit den großen historischen Ereignissen und Innovationen der Menschheitsgeschichte – „authentisch unterhaltsam und wissenschaftlich korrekt“, sagt Bergs im Gespräch mit unserer Redaktion. An drei Episoden wirkte Bergs mit – von Osnabrück aus.

Denn für die Serie waren seine Kenntnisse des Mittelniederländisch’ sowie des Altenglisch‘ gefragt – das Englisch des Mittelalters. Mitte Oktober hatte er die Anfrage der Firma erhalten, teilte die Uni mit.

An drei Folgen mitgewirkt

Der Osnabrücker Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Alexander Bergs hat eine Filmproduktionsfirma aus Hollywood für ein Projekt des National Geographic beraten. Foto: Alexander Bergs

Bergs beriet und übersetzte entsprechende Texte für drei Folgen: zum Bau der Kathedrale von Durham im 11. Jahrhundert, zu William Tyndale, einem der ersten Bibelübersetzer, sowie dem großen Brand von London im Jahr 1666, sagt Bergs. Denn die Produzenten wollten für eine authentische Darstellung einige Textpassagen in die jeweilige Landessprache der Zeit haben. Bergs überprüfte ferner, ob die Sprache anschließend auch authentisch klang.

Viel Zeit blieb ihm nicht für seine Arbeit. Die Ursprungstexte bekam er erst wenige Tage vor den Drehtagen. Dann musste er sie schleunigst übersetzen. „Hinzu kamen die Ausspracheskripte und die von mir aufgenommenen Audiodateien, die dem

Dialekt-Coach vor Ort helfen sollten, die richtige Aussprache zu treffen“, sagt Bergs.

„Faszinierende Einblicke“

„Die Aufgabe war zum einen linguistisch sehr spannend, denn wann übersetzt man schon einmal modernes Englisch in die Sprache des Mittelalters?“, wird Bergs in der Mitteilung der Uni zitiert. „Zum anderen war es natürlich faszinierend, solche Einblicke in eine echte Filmproduktion zu bekommen.“

Zwischenzeitlich – wenige Stunden vor einem Dreh – habe die Produktionsfirma verlangt, doch modernes Englisch zu nehmen und lediglich einen altenglischen Akzent zu übernehmen. Bergs widersprach: Es könne überhaupt keinen altenglischen Akzent im heutigen Englisch geben. Das sei eine eigene historische Sprachstufe mit anderer Grammatik, Aussprache und auch eigenen Worten. Letztlich habe er die Produzenten überzeugen können, zum ursprünglichen Plan zurückzukehren.

Und auch an den Drehtagen selbst stand Bergs auf Abruf bereit. Das sei etwa der Fall gewesen, als bei der Hinrichtung Tyndales noch kurzerhand auf mittelalterlich Niederländisch „Verbrennt ihn“, „Teufel“, und „Ketzter“ gerufen werden sollte. „Das musste dann quasi sofort gemacht werden“, sagt Bergs.

Serie in den USA angelaufen

Die Dreharbeiten in Südafrika sind inzwischen abgeschlossen. In den USA lief die Serie am 6. März an. Anfang April wird sie auf dem deutschen NG-Kanal im Sky-Bezahlfernsehen gezeigt. Bergs selbst konnte das Ergebnis seiner Mitarbeit bislang nicht einmal sehen. „Bisher habe ich nur eine Zeile meiner Arbeit in einem Trailer gesehen – und die war gut“, sagt Bergs. Der Sprachwissenschaftler ist jedenfalls sehr gespannt, was die Produzenten aus seiner Arbeit gemacht haben. „Origins ist eine hervorragende Produktion, aber für den roten Teppich wird es wohl leider nicht reichen, fürchte ich.“ Doch das scheint ihm gar nicht so wichtig. „Ich finde es schön, zu zeigen, dass Geisteswissenschaften nicht nur verstaubte Elfenbeingeschichten sind“, sagt Bergs.

Sämtliche Trailer sind auf Youtube zu sehen: https://www.youtube.com/playlist?list=PLivjPDlt6ApSJ9H5cwR_c8W9Mek3dJoFh


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