„Aufregen kann man sich immer“ Hans-Joachim Heist über seine Rolle als Gernot Hassknecht

Profi-Choleriker: Schauspieler Hans-Joachim Heist in seiner Rolle als Gernot Hassknecht.Foto: Johannes FrankeProfi-Choleriker: Schauspieler Hans-Joachim Heist in seiner Rolle als Gernot Hassknecht.Foto: Johannes Franke

Osnabrück. Bundesweit bekannt geworden ist der Schauspieler Hans-Joachim Heist durch seine TV-Rolle als Gernot Hassknecht, der Choleriker vom Dienst in der ZDF-Heute-Show. Im Interview verrät er, welches Verhältnis er zu der Rolle hat und warum er sich privat Heinz Erhardt näher fühlt.

Herr Heist, regen Sie sich auch als Privatperson gerne auf, oder sind Sie da eher gelassen?

Privat bin ich kein Choleriker, aber im Alter wird man ja immer kritischer, und ich kann mich im Alltag schon über viele Dinge aufregen und auch unflätig meine Meinung kundtun – in letzter Zeit oft im Auto, und das wird auch immer schlimmer. Ich habe das Gefühl, dass der Verkehr zunehmend katastrophaler wird und auch immer mehr Idioten auf den Autobahnen unterwegs sind. Da hat die Figur auf mich abgefärbt, und ich werde sehr laut im Auto. Aber zum Glück hört das ja dann keiner.

Haben Sie dann nicht mal darüber nachgedacht, auf den Zug umzusteigen?

Ich fahre auch sehr oft mit der Bahn, und da gibt es natürlich auch jede Menge Gründe, sich aufzuregen. Zum Beispiel, wenn mal wieder alle Zugtoiletten geschlossen sind, weil irgendetwas kaputt ist und nicht funktioniert, oder wenn man wegen Unpünktlichkeit den Anschlusszug verpasst. Also egal, ob man Auto fährt oder Bahn: Aufregen kann man sich immer. Und ich kann mich auch beschweren, aber es ist nicht wie bei Gernot Hassknecht ein Hobby.

Fällt Ihnen das Beschweren leichter, seit sie diese Rolle spielen? Und kommt es vor, dass man Ihnen nicht glaubt, dass es echt ist?

Nein, das habe ich auch schon vorher ganz gut gekonnt. Und die Leute nehmen mich schon ernst und können das von der Rolle unterscheiden. Wenn man aber umgekehrt als Schauspieler hört, dass einem die Rolle wie auf den Leib geschneidert ist, hat man nicht viel falsch gemacht. Man nimmt mir diese Figur ab. Das ist großartig - und authentisch rüberzukommen ist ja auch das Ziel, das ich vor der Kamera habe.

Wie oft werden sie als Gernot Hassknecht angesprochen? Stört es Sie, auf diese Rolle reduziert zu werden?

Das passiert sehr oft. Viele kommen auch auf mich zu und sagen: Aber bitte nicht anschreien. Das regt mich aber in keiner Weise auf. Ganz im Gegenteil: Dadurch merke ich ja, dass die Leute die Heute-Show schauen und die Figur mögen. Wenn ich allerdings ein junger Schauspieler wäre, hätte ich meine Bedenken und würde nicht für den Rest meines Schauspielerlebens auf diese Rolle reduziert werden wollen. Aber in meinem Alter ist das kein Problem.

Sie kommen ja vom Schauspiel. Wie fließt das in die Gestaltung einer eigenen Bühnenshow mit ein?

Es war meine Idee, Hassknecht aus der Heute-Show raus auf eine eigene Bühne zu bringen. Das macht viel Spaß und beleuchtet die Figur auch von ganz anderen Seiten. Das, was im Fernsehen zwei Minuten funktioniert, geht ja nicht zwei Stunden lang. Das würde schon allein meine Stimme und auch das Publikum nicht mitmachen. Die Ausbrüche kommen zwar, sind aber nur ein Bestandteil eines Abends, bei dem man auch einiges lernen soll. Dabei bin ich aber kein Kabarettist, der mit hoch erhobenem Zeigefinger belehren will, sondern verstehe mich eher als Satiriker, der gut unterhalten möchte.

Wie sind Sie überhaupt zum Fernsehen gekommen? Wie ist die Figur Gernot Hassknecht entstanden?

Die hat Oliver Welke erfunden, von dem auch der Name stammt. Er hat sie ursprünglich als überspitzte Parodie auf die Nachrichtenkommentare der Chefs einzelnen ARD- Sender zu einzelnen politischen Ereignissen gedacht.

 

Bekommt Hassknecht eigentlich Hass-Mails? Und wie geht er damit um?

Oh ja, da gibt es einiges. Mails weniger, aber in Netzwerken wie Facebook oder Twitter kommt schon die eine oder andere Beschimpfung bis hin zu Drohungen und ähnliches. Speziell, wenn ich mich über die AfD oder die Neue Rechte aufrege, gibt es schon mal heftige Shitstorms. Da muss man durch. Anfangs habe ich noch alles gelesen, was da kam, aber das tue ich mir nicht mehr an.

Haben Sie neben Hassknecht noch andere Lieblingsrollen?

Meine zweite große Bühnenfigur ist Heinz Erhardt. Schon als Kind habe ich auf dem Schulhof mit seinen Vierzeilern Erfolge gehabt. Ein ursprünglicher 20-Minuten-Ausschnitt ist dann zu einem Konzept-Abendprogramm mit den besten Conférencen, Liedern und Gedichten ausgewachsen. Mit ihm und Hassknecht bin ich zurzeit total ausgelastet, habe mir aber vorgenommen, mir demnächst wieder mehr Zeit zu nehmen – auch für andere Fernsehprojekte.

Was unterscheidet Erhardt von Hassknecht – oder gibt es auch Gemeinsamkeiten?

Nein, das sind zwei ganz grundverschiedene Figuren – und privat bin ich auch mehr der Heinz Erhardt-Typ. Er war ein großartiger Komiker, der auch mit der deutschen Sprache gespielt hat. Er ist aber nie, so wie einige heutige Comedians, unter die Gürtellinie gegangen. Junge Menschen finden ihn zunehmend wieder interessant und entdecken ihn wieder - und er war ja auch Vorbild für Komiker wie Otto Waalkes. 

Ihr neues Programm, mit dem Sie am 28. April auch in der Osnabrück-Halle auftreten werden, trägt den Titel „Jetzt wird’s persönlich“. Ist das ein Versprechen oder eine Drohung?

Beides zugleich. Es wird zunächst darum gehen, sich über Demokratie zu unterhalten. Denn da läuft ja in letzter Zeit einiges durcheinander. Es wird insgesamt etwas politischer als das erste Programm. Es geht auch um Schule und Ausbildung oder darum, dass Essen immer mehr zum Lifestyle geworden ist. Außerdem gibt Hassknecht einen kleinen persönlichen Einblick in seinen Tagesablauf. Es wird neue, extra für das Programm gedrehte Einspieler geben und auch das Publikum wird natürlich wieder beteiligt.

Was ist Ihre persönliche Meinung zum Zustand der Demokratie?

Wir müssen zusehen und jeden Tag dafür kämpfen, dass unsere Demokratie, die wird nach 1945 aufgebaut haben und die sich bewährt hat, nicht von Rechtspopulisten kaputt gemacht wird. Das gilt auch für das vereinte Europa, mit dem wir jetzt schon über 60 Jahre in Frieden leben.


0 Kommentare