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Shitstorm nach musikalischem Statement Osnabrücker Band rockt gegen Erdogans Präsidialsystem

Von Tom Bullmann

Ernteten einen Shitstorm nach der Veröffentlichung ihres Videos zum Song „Hayir“: die Osnabrücker Band Safkan. Foto: Friso GentschErnteten einen Shitstorm nach der Veröffentlichung ihres Videos zum Song „Hayir“: die Osnabrücker Band Safkan. Foto: Friso Gentsch

Osnabrück.  Die türkische-deutsche Rockband Safkan produzierte ein musikalisches Statement gegen das von Staatschef Erdogan angestrebte Präsidialsystem – und erntet einen Shitstorm im Internet.

Ein Sänger steht am Mikrofon und brüllt zu sägenden Gitarrenriffs auf türkisch: „Wir sagen Nein zum Terror, wir sagen Nein zu Gewalt, wir sagen Nein zur Ein-Mann-Herrschaft.“ Es ist Timur Safkan, Sänger der türkisch-deutschen Rockband Safkan. Singend nimmt der Deutsche mit türkischen Wurzel zum Referendum Stellung, das an diesem Wochenende über mehr Machtbefugnisse in den Händen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan entscheiden soll. Wie zu erwarten war, blieb die Veröffentlichung des Videos zum Song „Hayir“ (türkisch: „Nein“) auf YouTube nicht ohne Reaktion.

Harsche Kommentare auf Facebook

„Wir sehen uns regelrecht einem Shitstorm ausgesetzt“, sagt Safkan. Tatsächlich sind die meisten Kommentare, die auf Facebook abgesetzt werden, Proteste gegen das Video. Als „ekelhaft“ wird der Song bezeichnet. „Mischt Euch von Deutschland aus nicht in unsere Politik ein“ wird gefordert. Ein anderer postete: „Ihr brüllt wie sadistische Teufel“.

Wenig Zustimmung

Dass es nur wenig Zustimmung zu dem Protestsong gibt, begründet Safkan mit der Angst vieler Türken: „Ob hier in Deutschland oder in der Türkei, die Leute befürchten, dass sie ihren Job verlieren oder anderen Repressalien ausgesetzt sind, wenn sie unseren Song im Internet liken“.


Song in einer Hauruck-Aktion eingespielt

In einer Hauruck-Aktion hatte die Band den Song im Studio eingespielt und gleich auch das Video in Eigenregie produziert. „Die Idee zum Song hatten wir schon vor längerer Zeit, aber als jetzt das Verfassungsreferendum in Deutschland startete, wollten wir einfach klare Kante zeigen“, sagt Timur Safkan. „Wir bekennen uns uneingeschränkt zu den Menschenrechten und verurteilen jegliche Form von staatlicher Repression“, heißt es in einem offiziellen Statement der Band. Aus diesem Grund sagen die Musiker jetzt musikalisch „Nein“ zum von Erdogan angestrebten Präsidialsystem in der Türkei. Und Timur Safkan fügt hinzu: „Wir hoffen, dass die Mehrheit der wahlberechtigten Türken sich für die Demokratie entscheiden!“



Safkan im Internet:  www.safkan.de