1981 ging Hammersen in Konkurs Das traurige Ende von Osnabrücks größtem Textilbetrieb

Nicht mehr zu retten: Für Osnabrücks größte Textilfabrik Hammersen kam das Ende 1981. Foto: Archiv/Marco ArndtNicht mehr zu retten: Für Osnabrücks größte Textilfabrik Hammersen kam das Ende 1981. Foto: Archiv/Marco Arndt

Osnabrück. Vor dem Niedergang der deutschen Textilindustrie in den 1970er- und 1980er-Jahren war Osnabrück ähnlich wie Rheine und Nordhorn ein bedeutender Textilstandort. Größtes Unternehmen war die Firma F. H. Hammersen AG an der Iburger Straße in Osnabrück mit zeitweise bis zu 3800 Beschäftigten und Zweigwerken in Rheine, Bocholt, Rheydt und Riesa/Sachsen.

Nach weitgehender Zerstörung im letzten Krieg und relativ zügigem Wiederaufbau erlebte Hammersen noch einige Blütejahre. 1950 waren wieder 2500 Beschäftigte in Lohn und Brot, 1957 erstand das Verwaltungsgebäude längs der Iburger Straße als „ansprechende Visitenkarte des Osnabrücker Industriebetriebs“ neu. 1978 wurde dann aber offenbar, dass der rasante Strukturwandel in der Textilwirtschaft auch an Hammersen nicht spurlos vorüberging.

Die Hammersen übergeordnete Dierig Holding in Augsburg bat Stadt und Land um verbilligte Kredite. Investitionen von 20 Millionen DM seien erforderlich, um dem Wettbewerbsdruck durch Billigimporte aus Asien etwas entgegensetzen zu können.

Oberbürgermeister Ernst Weber erklärte, die Arbeitsplätze müssten „um jeden Preis“ erhalten bleiben. Die Stadt gab ein zinsfreies Darlehen von einer Million, das Land sagte eine Bürgschaft von zwölf Millionen zu.

Doch das war alles vergebene Liebesmüh. Es fehlten die Aufträge, bei denen die neuen Maschinen ihre Kostenvorteile hätten unter Beweis stellen können. Rosenmontag 1981 erfuhren die Arbeiter über einen Aushang am Schwarzen Brett, dass beim Amtsgericht ein Vergleich angemeldet sei. Der Vergleich scheiterte, am 24. April 1981 folgte der Anschlusskonkurs.

Zwei Monate später standen alle Maschinen still und die Demontage begann. Das Gelände wurde für eine Wohnbebauung planiert. Entlang Baumwollweg, Spinnereiweg und Leggeweg stehen heute schmucke Reihenhäuser.


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