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Stadt erklärt Skandalhaus am Rosenplatz für unbewohnbar

Sie müssen raus: Werner König (links) und Rudolf Dalchow bringt die Räumung des Hauses Rosenplatz 1 in eine schwierige Lage. Foto: Gert WestdörpSie müssen raus: Werner König (links) und Rudolf Dalchow bringt die Räumung des Hauses Rosenplatz 1 in eine schwierige Lage. Foto: Gert Westdörp

Die Wohnung bleibt kalt, aus den Steck dosen fließt kein Strom mehr: Das Skandalhaus am Rosenplatz 1 muss offenbar zwangsgeräumt werden: akute Brandgefahr. Doch einige Bewohner wissen nicht wohin. Sie fühlen sich alleingelassen und vom Vermieter vor die Tür gesetzt.

Vor zwei Tagen wurde ihm der Strom abgestellt, die Heizung blieb schon länger kalt: Rudolf Dalchow, einer der letzten verbliebenen Mieter des Hauses am Rosenplatz, weiß nicht weiter. „Von heute auf morgen soll ich raus“, sagt der 78-Jährige. „Aber ich bin alt, das kann man mit mir nicht einfach so machen.“

Bereits Anfang Oktober informierten die Stadtwerke die ihnen bekannten Bewohner des Hauses über die Maßnahmen. „Wir waren verpflichtet, aufgrund akuter Brandgefahr den Strom abzustellen“, erklärt Marco Hörmeyer, Pressesprecher der Stadtwerke. „Es bestand Lebensgefahr, zudem wurde Strom illegal abgezapft.“ Hinzu kämen störende Rückwirkungen auf das gesamte Stromnetz der Stadt durch die schlechten Zustände der Stromleitungen im Haus.

Mit den Bewohnern wurde auch die Berliner Hausverwaltung informiert. Trotz eines Besuches des Chefs Marc Aurel Lehmann geschah allerdings nichts.

Die Zustände in dem Haus sind seit Langem bekannt. Bereits vor einigen Jahren hatte die Stadt den Eigentümern angeboten, im Zuge der Rosenplatzsanierung Fördermittel bereitzustellen. Das reichte dem Eigentümer damals jedoch nicht aus. Nach Informationen unserer Zeitung ist die Immobilie seit Langem hoch verschuldet.

Rund ein Viertel der 50 Wohnungen war zuletzt noch belegt. „Die meisten Mieter konnten wir über die Stromabschaltung informieren, obwohl die Kommunikation schon allein sprachlich nicht immer leicht ist“, sagt Stadtbaurat Wolfgang Griesert. Die Sozialverwaltung habe das Haus zwar beobachtet, könne aber selbst nichts ausrichten.

In Berlin ist man sich offenbar keiner Schuld bewusst. Dort heißt es, die Stadt habe das Haus für unbewohnbar erklärt und eine Räumung angeordnet. Da könne man auch nichts machen, so eine Mitarbeiterin, die nicht genannt werden will. Zuletzt wurden am Rosenplatz weder Reparaturen ausgeführt, noch gingen reguläre Mietkündigungen bei den Bewohnern ein.

Da ein Vermieter jedoch verpflichtet ist, „jederzeit eine ordnungsgerechte Wohnung bereitzustellen“, bleibe den Bewohnern nun die Möglichkeit einer Schadenersatzklage gegen den Eigentümer, sagt Susanne Schönemeier, Justiziarin des Mieterbundes, Landesverband Niedersachsen/Bremen.

Doch zunächst müssen die ein neues Dach über dem Kopf finden. „Viele haben sich bereits bei der Sozialen Wohnraumhilfe gemeldet“, sagt Griesert. Einige Notunterkünfte seien bereits gefunden. Auch für Rudolf Dalchow. Doch langfristig muss er sich eine eigene Wohnung suchen. Hilfe für alle Betroffenen gibt es bei der Sozialen Wohnraumhilfe am Natruper-Tor-Wall oder unter Telefon 0541/323-4219.


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