„Classic con brio“ in Osnabrück Kammermusikfestival um den Künstlermagneten Paris

Von Christine Adam


Osnabrück. Das diesjährige Osnabrücker Kammermusikfestival „Classic con brio“ startet am Freitag, 21. April zum Thema „Paris – Ein Fest fürs Leben“ und bietet bis zum 30. April 15 Konzerte mit beziehungsreichkomponierten Programmen.

Die Kulturmetropole Paris zog Künstler aus ganz Europa über die Jahrhunderte hinweg magisch an. Wolfgang Amadeus Mozart und Niccolò Paganini suchten hier ihr Glück, Anfang des 20. Jahrhunderts aber auch Künstler wie Darius Milhaud, Francis Poulenc, Albert Camus, Charlie Chaplin und Coco Chanel, die sich in der Pariser Cabaret-Bar „Le boef sur le toit“ begegneten.

„Der Ochse auf dem Dach“

„Le boef sur le toit, deutsch „Der Ochse auf dem Dach“ – diesen lustigen Titel hat Darius Milhaud denn auch einer Orchesterfantasie gegeben. Damit schlägt das diesjährige KammermusikfestivalClassic con brio “ den Bogen von Paris, der Stadt der Salons, Cafés oder Varietés, zu den Komponisten und Musikern, die eng mit Paris verbunden waren. Weil sie aus der Stadt stammten, in ihr lebten oder sich von ihr haben inspirieren lassen, wie Festivalintendant Hagen Gleisner im Gespräch sagt.

„Paris – Ein Fest fürs Leben“ ist denn auch das zehntägige Festival vom 21.-30 April schwungvoll überschrieben. Der Reigen von international renommierten Musikern, die sich in den zwei Festivalwochen die Werke gemeinsam erarbeiten, wird wie jedes Jahr variiert und erweitert: Neben dem Bratscher Vladimir Mendelssohn, dem Pianisten Alfredo Perl, dem Geiger Daniel Rowland, dem Cellisten David Cohen, dem Cembalisten Carsten Schmidt oder dem Bandeonisten Marcelo Nisinman und vielen anderen mehr sind vier Musiker erstmals dabei.

Besonderes Cello da Spalla

Sergey Malov spielt Violine, Viola und das kleine Violoncello da Spalla und sorgt damit sicherlich für besondere musikalische Akzente. Die beiden Pianisten Nino Gvetadze und Julia Okruasvili springen für Natascha Kudritskaya ein. Und die Harfenistin Julia Dietrich, die erst zwölf Jahre alt und schon Jungstudentin an der Schumann-Hochschule in Köln ist, spielt am Sonntag, 23. April im Osnabrücker Medicos Mozarts Konzert für Flöte und Harfe in C-Dur und Tourniers „Féerie – Prélude et Danse“ für Harfe solo.

15 Konzerte listet ein Flyer für Osnabrück und Osnabrücker Land auf, drei mehr als im Vorjahr, dem Jubiläumsfestival zum zwanzigjährigen Bestehen. Entlang der Liste schwingt sich optisch ein Eiffelturm auf, der aus beschrifteten Notenlinien gebaut ist – eine raffinierte Idee von Hanne Abendroth.

Programme mit reichen Bezügen

Jedes Konzert ist ein eigener, sorgfältig komponierter Kosmos mit reichen Bezügen der Werke untereinander. Als Beispiele seien Konzerte des ersten Wochenendes genannt. Etwa das Eröffnungskonzert mit „Le boef sur le toit“ für einen Stummfilm, nachdem Milhaud in der gleichnamigen Bar Charlie Chaplin getroffen hatte. Sein Musiker-Kollege aus der „Groupe des Six“, Francis Poulenc, nimmt in seinem Sextett mit in das Gewimmel Pariser Straßen. Eher tänzerisch als traurig ist Camille Saint-Saens „Danse Macabre“, zu dem die Ausdruckstänzerin Mary Wigman ihren „Totentanz I“ choreografierte und der in rekonstruierter Form gerade am Osnabrücker Theater zu erleben ist. Dennoch leitet er über zu Wolfgang Amadeus Mozarts traurig gestimmter Klaviersonate Nr. 9 a-Moll, die er nach dem Tod seiner Mutter in Paris geschrieben hat. Der Pianist Alfredo Perl übrigens spielt sie erstmals in seinem Musikerleben. Louis Vierne wiederum komponierte sein Klavierquintett c-Moll, nachdem er seinen Sohn im Ersten Weltkrieg verloren hatte.

Porträts von Karmeliterinnen

Nach einer Mischung aus Raritäten und bekannteren Leckerbissen aus dem französischen Barock im ersten Samstagskonzert in der Schlosskapelle Sutthausen folgt in der Matthäuskirche Melle ein geistlich gefärbtes Konzert in zwei Teilen mit Chorgesängen. Der erste Teil braucht die barocke Orgel der alten Kirche, der zweite Teil bietet dann in der neuen Kirche unter anderem mit Jean Francaix „Suite Carmelite“ für Orgel ein musikalisches Porträt von sechs Karmeliterinnen.

Das Vorjahr lässt vermuten, dass sich im Festivalprogramm um die mondäne Dame Paris noch manches andere Amüsante oder Überraschende verbirgt.


Der Vorverkauf für „Classic con brio“ ist bereits angelaufen. Karten gibt es bei allen NOZ-Geschäftsstellen, bei der Tourist-Info Osnabrück und bei allen üblichen Vorverkaufsstellen. Karten an der Theaterkasse: Tel. 0541/7600076.

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