Hochschule ehrt Manuel Graf Funkverkehr mit Fledermaus: Osnabrücker erhält Förderpreis

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Osnabrück. Zur Erforschung der seltenen Bechsteinfledermaus hat ein Osnabrücker Student einige Exemplare mit Peilsendern verfolgt. Seine Erkenntnisse aus dem nächtlichen Funkverkehr goss er in ein Waldnaturschutzkonzept. Das findet nicht nur die Hochschule preiswürdig.

Naturschutz, Vogel- und Fledermauskunde haben Manuel Graf schon immer interessiert. Dennoch arbeitete der 36-jährige, gebürtige Siegerländer bis 2012 als Bäckermeister, bis er sich entschied, an der Hochschule Osnabrück Landschaftsentwicklung zu studieren. Ein erfolgversprechender Entschluss: Für seine Bachelorarbeit über die Bechsteinfledermaus erhielt Graf den Study-Up-Award 2016 der Hochschule Osnabrück. Und auch der Westfälische Naturwissenschaftliche Verein ehrte den Absolventen kürzlich mit einem Förderpreis.

Doch was genau verbindet einen gelernten Bäcker mit der Bechsteinfledermaus? Die Antwort gibt das „Echolot“ in Münster, ein Büro für Fledermauskunde, wo Graf sich schon als Student engagierte und heute beruflich tätig ist. So entdeckte er in den westlichen Baumbergen des Münsterlandes jene Bechsteinfledermaus-Kolonie, die später Gegenstand seiner Forschungsarbeit wurde.

Wochenstuben in Spechthöhlen

Der Lebensraum dieser Kolonie in einem Wald bei Billerbeck (Kreis Coesfeld) sollte damals als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Graf erstellte ein Schutzkonzept zur künftigen Waldbewirtschaftung in diesem Areal. „Die in Baumhöhlen wohnende Bechsteinfledermaus gilt als diejenige europäische Fledermausart, die am stärksten an den Lebensraum Wald gebunden ist“, erklärt er. Deutschland mit seinen Laubmischwäldern trage deshalb eine besonders hohe Verantwortung für ihren Schutz.

Die Bechsteinfledermaus braucht lichtdurchlässige, von Eichen dominierte Wälder. An der rauen Eichenrinde wie auch an Pflanzen unter den Eichenkronen leben Insekten, von denen sich die Fledermaus ernährt. Zudem nutzt sie Spechthöhlen oder Stammspalten in alten Bäumen für ihre Wochenstuben. Während die Männchen im Sommer Einzelgänger sind, finden sich die Weibchen zu Wochenstubenverbänden mit bis zu 80 miteinander verwandten Tieren (Großmütter, Mütter und Töchter) zusammen. Ab Anfang April werden die Wochenstubengebiete bezogen. Im Juni und Juli kommt der Nachwuchs. Im Spätsommer machen sich die Bechsteinfledermäuse dann auf die Suche nach einem Winterquartier, wo sie etwa ab Oktober in Winterschlaf fallen.

Federleichte Sender im Nacken

Manuel Graf beobachtete die Bechsteinfledermäuse von April bis September 2014 ganz genau. Mit einer Klang-Attrappe, die Fledermaus-Sozialrufe abspielt, lockte er die Tiere an, fing sie dann zur Untersuchung mit einem Netz ein. Zudem stattete er sechs Fledermäuse mit Peilsendern aus, um sie im Gelände verfolgen zu können. Dazu befestigte er die 0,4 Gramm leichten Geräte mit medizinischem Hautkleber im Nacken der Tiere. „Der Sender macht keine zehn Prozent ihres Körpergewichts aus. Vergleichbar ist, wenn wir Menschen einen Rucksack tragen“, erklärt Graf. Nach ein paar Tagen seien die Peilsender von alleine wieder abgefallen.

Drei Nächte lang lieferten sie dem Forscher jedoch wertvolle Informationen. Ausgerüstet mit Kopflampe, dem Funkempfänger in der einen und dem GPS-Ortungsgerät in der anderen Hand, lief Graf jeweils von 22 bis 5 Uhr durch den Wald. „Die Bechsteinfledermaus machte es mir dabei noch relativ einfach, ist sie doch standorttreu mit einem durchschnittlichen Aktionsradius von 500 bis 1000 Metern. Andere Arten fliegen über 20 Kilometer weit.“ Besonders beeindruckt habe ihn, eines der sechs ausgewählten Tiere beim Fressen zu beobachten und 83 Exemplare gleichzeitig aus einer Spechthöhle hinausfliegen zu sehen.

Artenschutz sticht Autobahn

Bedroht ist die Bechsteinfledermaus vor allem durch menschliche Nutzung der Wälder. Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union soll sie schützen. Zum Beispiel vor dem Autobahn-Bau: So musste in Halle und Borgholzhausen die A33-Trasse neu geplant werden, weil sie durch Biotope der Bechsteinfledermaus führte. Diese Bauverzögerung sorgte teils für Unmut in der Bevölkerung, und die Bechsteinfledermaus wurde von da an oft „A33-Fledermaus“ genannt. (Weiterlesen: ZDF berichtet über die geplante A33-Nord)

Aus seinen Beobachtungen heraus entwickelte Manuel Graf Empfehlungen für die Waldbewirtschaftung. Um die Bechsteinfledermaus zu schützen, müssten reich strukturierte Laubmischwälder erhalten und ausgebaut werden. Altholz und alte Bäume würden dem Tier Unterschlupf bieten, und geeignete Verstecke brauche es reichlich, denn ein Wochenstubenverband wechsele im Sommerhalbjahr schon mal zwischen 40 Höhlen hin und her. Großen Wert legt Graf auch auf eine nachhaltige Forstwirtschaft: So schütze man nicht nur die Bechsteinfledermaus, die größte Ansprüche an die Waldstruktur stellt, sondern auch viele andere Tierarten.



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