Osnabrücker Akademie Überlingen Onlinekurse qualifizieren Migranten als Krankenpfleger

Von Vincent Buß

Ein Foto vom Bildschirm zeigt, wie der Online-Unterricht für Daniela Stramm als Dozentin aussah. Foto: Daniela StrammEin Foto vom Bildschirm zeigt, wie der Online-Unterricht für Daniela Stramm als Dozentin aussah. Foto: Daniela Stramm

vbu Osnabrück. Per Skype Krankenschwester werden? Zum ersten Mal verhalf die Osnabrücker Akademie Überlingen Migranten in Onlinekursen zur Anerkennung als Krankenpfleger.

Statt im Klassenraum trafen sich die Teilnehmer im Internet wie bei einem Skype-Gespräch. Aus ganz Niedersachsen meldeten sie sich zu den Onlineklassen an, setzten ihre Kopfhörer auf, hörten und sahen den Dozenten zu. Nicht nur in Bezug auf die Wohnorte herrschte Vielfalt: Die Teilnehmer stammten aus Kasachstan, der Ukraine, Serbien, Brasilien, Peru oder Indien. Zwischen 20 und 50 Jahre alt waren die anfangs 16 Interessenten, die meisten von ihnen Frauen.

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Viele hätten zwar bereits im Pflegebereich gearbeitet, aber oftmals nur befristet, schlechter bezahlt und in simpleren Tätigkeiten, erklärt Daniela Stramm, eine der Dozentinnen der Osnabrücker Akademie Überlingen für Erwachsenenbildung. „Und das obwohl sie gut ausgebildet und teilweise schon seit 10 Jahren in Deutschland sind.“ Doch in Deutschland fehlte ihnen die Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpfleger.

Netzwerk fördert Migranten

Die Idee zur virtuellen Klasse bestand laut Stramm in der Akademie Überlingen schon lange. Mit ihrer Kollegin Eva Maria Bramschulte realisierte Stramm sie dann. Gefördert wurde das Pilotprojekt unter anderem vom Landesnetzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ), das die Arbeitsmarktchancen für Migranten verbessern will. Mit Bundesmitteln bezahlte es den Kurs für die Teilnehmer.

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Mit einem berufsorientierten Deutschkurs begann der Internetlehrgang im Oktober 2015. Im folgenden April schlossen dann Fachkurse an. „Die Theorie gab es zwei Mal pro Woche für je sechs Stunden online, die Praxis an Präsenztagen, zum Beispiel in Osnabrück“, sagt Stramm. Ganz ohne Übungen vor Ort gehe es in dem praktisch orientierten Beruf nämlich nicht. Am Ende stand die Kenntnisprüfung an, die bei Bestehen zur vollwertigen Arbeit in Deutschland berechtigt.

Lernen, Arbeiten, um Kinder kümmern

Die Alternative zum Onlinekurs ist ein Anpassungslehrgang. „Der ist zwar einfacher, erfordert aber Präsenz, findet Vollzeit statt und dauert länger“, merkt Stramm an. Im Gegensatz dazu konnten die Teilnehmer der virtuellen Klassen nebenher arbeiten, Praktika machen und sich um ihre Kinder kümmern. „Sie brauchen aber gutes Internet und sechs Stunden Ruhe.“

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Auch in puncto Disziplin und Konzentration hält Stramm die Onlinekurse für besser als herkömmliche Lehrgänge. Denn der Dozent entscheidet, wann Teilnehmer sprechen dürfen. „Zwar können sie immer noch am Handy herumspielen, aber nicht mehr miteinander quatschen“, erläutert Stramm. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Dozenten den virtuellen Unterricht genau planen müssen. Leider würden sich viele die Kurse deshalb nicht zutrauen.

Teilnehmer werden Dozenten

Zu den Abschlussprüfungen im Dezember und Januar traten zehn der anfangs 16 Teilnehmer an, sieben bestanden. Laut Stramm bekamen die meisten schon während des Kurses von ihren Chefs Angebote zur Festanstellung. Für dieses Jahr plant sie zwei Kurse ein. Statt über das IQ-Netzwerk jedoch direkt mit Arbeitgebern, die ihre ausländischen Belegschaften schulen lassen wollen. Ein paar der Teilnehmerinnen erster Stunde werden wahrscheinlich auch dabei sein – Stramm will sie als Dozentinnen gewinnen.

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