Drei Verdächtige geschnappt Juwelenraub-Serie in Osnabrück so gut wie aufgeklärt

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Bei der Aufklärung der Juwelenraubserie von 2015 ist die Polizei Osnabrück ein großes Stück weiter. Unser Bild zeigt den abgesperrten Tatort nach einem Überfall auf den Juwelier Kolkmeyer in der Georgstraße. Foto: NOZ-Archiv/David EbenerBei der Aufklärung der Juwelenraubserie von 2015 ist die Polizei Osnabrück ein großes Stück weiter. Unser Bild zeigt den abgesperrten Tatort nach einem Überfall auf den Juwelier Kolkmeyer in der Georgstraße. Foto: NOZ-Archiv/David Ebener

Osnabrück. Großer Ermittlungserfolg für die Polizei: Sie hat mehrere Männer dingfest gemacht, die im Sommer 2015 zwei Juweliergeschäfte in Osnabrück überfallen haben sollen. Damit scheint die Raubserie von damals fast vollständig aufgeklärt. Empfindlich treffen dürfte das organisierte Verbrechen auch eine Kronzeugen-Aussage am Landgericht Münster.

Bei den Tatverdächtigen in Osnabrück handelt es sich nach Recherchen unserer Redaktion um drei Litauer im Alter von 26, 29 und 43 Jahren. Sie gehören offenbar einer kriminellen Bande an, die aus Osteuropa gesteuert wird. Anklagen seien in Vorbereitung, sagt Staatsanwalt Volker Brandt. Vorgeworfen wird den Männern jeweils schwerer Raub und Körperverletzung.

Der Älteste und der Jüngste von ihnen sollen am 29. Juli 2015 den Juwelier Kolkmeyer (Haus der Weltzeituhren) in der Georgstraße heimgesucht haben. Der andere wird für den Überfall auf das Geschäft 123-Gold am Domhof mitverantwortlich gemacht, mit dem die unheimliche Raubserie am 9. Juli 2015 ihren Lauf genommen hatte.

Überfälle nach Schema F

Über die Umstände, die zur Ergreifung der Männer führten, ist nicht viel bekannt. Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich dazu noch bedeckt. Dem Vernehmen nach haben aber DNA-Spuren geholfen, die mutmaßlichen Juwelenräuber zu überführen.

Als hilfreich für die Fahndung hat es sich offenbar auch erwiesen, dass beide Überfälle nach demselben Muster verübt wurden. Und das ging so: Gleich nach Betreten eines Ladenlokals griffen die Täter umstehende Personen mit Reizgas an. Anschließend zertrümmerten sie Vitrinen mit einer Axt, nahmen ihre Beute und flüchteten. Die Äxte ließen sie dabei am Tatort zurück oder verloren sie auf der Flucht.

Akte Thünemann bleibt offen

Auf ihre Opfer nahmen die Verbrecher bei ihrem sekundenschnellen Vorgehen keine Rücksicht. Im Juweliergeschäft am Domhof verletzten sie mit Pfefferspray zwei Mitarbeiterinnen, die wegen Augenreizungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Zudem erlitten die Frauen einen Schock. Später beim Juwelier Kolkmeyer widerfuhr einer Angestellten dasselbe.

Sollten die drei beschuldigten Litauer für diese Taten gerichtlich verurteilt werden, könnten drei der vier Überfälle von 2015 als aufgeklärt gelten. Denn in einem Fall befinden sich die Täter – ebenfalls zwei Litauer – bereits hinter Schloss und Riegel.  Sie wurden unmittelbar nach ihrem Überfall am 28. September 2015 auf das Uhren- und Schmuckgeschäft Heinrich Kolkmeyer (Große Straße) gefasst. Das Landgericht Osnabrück schickte die Männer für jeweils viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Kronzeuge packt aus

Offen bliebe nur die Akte Thünemann. Der Juwelier am Markt war am 1. September 2015 zum ersten Mal überfallen worden – ebenfalls nach dem bekannten Schema. Die beiden Räuber sind bis heute nicht gefasst. Anders als beim zweiten Überfall auf Thünemann am 17. Januar 2017: Da schnappte die Polizei im Handumdrehen zwei Männer aus dem Baltikum, die sie für dringend tatverdächtig hält. Dazu Staatsanwalt Brandt: „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.“

Von großem Nutzen könnten dabei nach seiner Einschätzung auch Informationen eines litauischen Juwelenräubers sein, der jetzt vor dem Landgericht Münster auspackte. Als Kronzeuge berichtete der 23-jährige Angeklagte, wie er in seiner Heimat für einen gut anderthalb Jahre zurückliegenden Überfall auf einen Juwelier in Ahlen angeheuert und instrumentalisiert worden war.

Bandenmitglieder und Hintermänner identifiziert

Dabei nannte auch die Namen von Hintermännern. Noch im Gerichtssaal identifizierte er mehrere Bandenmitglieder anhand von frischen Fotos, die der Staatsanwalt kurz vorher aus Litauen bekommen hatte. Dort war der Kronzeuge nach eigenen Angaben vom Bekannten eines Schwagers für die Organisation angeworben worden. Zusammen mit einem Landsmann habe man ihn Anfang Oktober 2015 zunächst in ein Haus nach Hamm gebracht, in dem mehrere Litauer wohnten. Es diente offenbar als Stützpunkt für Straftaten in der Umgebung.

Der Auftraggeber des Angeklagten habe ihm und seinem Komplizen jeweils 3000 Euro plus Reisespesen für die Tat versprochen. Doch diesen Lohn bekamen die Männer angeblich nicht. Denn die Beute aus Ahlen war nicht viel wert: einige Hundert Ringe, aber alles Imitate.

Litauen liefert Straftäter aus

Zum Verhängnis wurde dem 23-Jährigen schließlich ein genetischer Fingerabdruck auf dem Tatwerkzeug, das er am Tatort verloren hatte: einem Beil. Die Interpol-Datenbank meldete dazu einen Treffer, und der überführte Räuber, inzwischen längst wieder nach Litauen zurückgekehrt, wurde nach Deutschland ausgeliefert.

Vor Gericht rechneten der Staatsanwalt und die Strafkammer dem Angeklagten seine Kooperation an. Das Urteil fiel mit drei Jahren und vier Monaten entsprechend milde aus. Der Verteidiger des Kronzeugen hatte sogar noch weniger gefordert. Sein Mandant habe ein großes Risiko auf sich genommen. Sobald die ersten Bandenmitglieder aufgrund seiner Aussagen in Litauen verhaftet würden, drohe ihm Lebensgefahr.


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