Stimme zu schön für Beatmusik Günter Gall feiert in der Lagerhalle Bühnenjubiläum

Stammt aus einer Familie, wo das Fahrradfahren Tradition hat: Günter Gall. Foto: Egmont Seiler. Foto: Egmont SeilerStammt aus einer Familie, wo das Fahrradfahren Tradition hat: Günter Gall. Foto: Egmont Seiler. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Gerade ist er 70 Jahre alt geworden und seit 45 Jahren steht er auf der Bühne. Mit einem Programm zu 200sten Geburtstag des Fahrrads feiert er seine Jubiläen öffentlich. Wir sprachen mit Günter Gall über Kunst, Kultur und Karriere.

Herr Gall, Sie feiern im Moment eine ganze Menge Jubiläen.

Das ist richtig: Ich hatte gerade einen runden Geburtstag, außerdem bin ich seit 45 Jahren als Künstler aktiv.

 

Diese Feiertage nehmen Sie als Anlass für ein Bühnenprogramm, das auch einen Geburtstag thematisiert?

Genau. Vor 200 Jahren wurde in Mannheim das Fahrrad erfunden. Karl Drais fuhr damals mit seiner Laufmaschine, der Urform des Fahrrads, durch die Stadt. Da ich aus einer Familie stamme, in der das Fahrradfahren Tradition hat, fand ich das Thema äußerst spannend. Wenn man am Niederrhein, wo es keine Berge gibt, in einem Haushalt ohne Auto aufwächst, dann ist das Fahrrad Fortbewegungsmittel Nummer eins.

 

Haben Sie das Fahrradfahren mit nach Osnabrück gebracht?

Klar, ich lege 90 Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurück. Dafür habe ich auch zwei Modelle: Eine alte „Gazelle“ und ein gutes Tourenrad, mit dem ich längere Strecken zurücklege.

 

Wie muss man sich denn dann Ihr Jubiläumsprogramm vorstellen, das Sie in der Lagerhalle zeigen?

Das wird eine abwechslungsreiche Art Revue mit Liedern, Texten, aber auch mit instrumentaler Musik. Mich begleitet mein langjähriger Weggefährte Konstantin Vassiliev mit der Gitarre. Er wird unter anderem ein Potpourri mit bekannten Fahrradliedern spielen – zum Beispiel „Bicycle Race“ von Queen. Und ich habe ein altes Kinderlied aktualisiert.

 

Welches meinen Sie?

„Die Affen rasen durch den Wald“. Kürzlich habe ich gelesen, dass viele Downhill-Biker in der Region die Wälder unsicher machen und dabei ziemlich rücksichtslos gegenüber Mensch und Natur sind. Daher dachte ich: Das Lied passt sehr gut zu der Problematik. Ich habe eine Parodie dazu geschrieben.

 

Sie sind nicht nur Liedermacher, sondern lieben auch die Literatur. Schlägt sich das in ihrem Programm nieder?

Natürlich. Wir werden uns mit Heinrich Böll beschäftigen. Es gibt da eine sehr interessante Passage aus seinem „Irischen Tagebuch“. Mehr verrate ich aber nicht.

 

Sie haben vor ein paar Tagen Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Man sagt: Rock ’n’ Roll hält jung. Das gilt offenbar auch für das Liedermachen.

Es scheint so. Jedenfalls höre ich noch gut, ich sehe gut, und mein Gedächtnis lässt auch noch nicht zu wünschen übrig. Bis vor fünf Jahren habe ich noch bis zu 100 Konzerte pro Jahr absolviert. Das Pensum habe ich jetzt reduziert, komme aber immer noch auf 40 pro Jahr.

 

Zum Liedermacher wird man ja nicht geboren. Wie sind Sie zum Singen gekommen?

Weil ich meinen Onkel Kalli bewundert habe. Der hat Akkordeon gespielt und bei allen Festen die Leute begeistert. Ich habe dann Geld gespart und mir mit 15 Jahren eine Höfner-Schlaggitarre gekauft, um Lieder und Schlager von Conny Francis oder Peter Kraus nachzusingen.

 

Aber haben Sie nicht auch mal eine Lehrerausbildung angefangen?

Ja. Erst habe ich eine Lehre als Chemielaborant abgeschlossen. Aber ich habe gemerkt, dass ich der schlechteste Chemielaborant war, den sich die Welt vorstellen konnte. Das war wirklich nicht mein Job. Ich habe dann Anfang der 70er-Jahre mit Folkmusik angefangen, nachdem meine Bewerbung bei einer Beatband abgelehnt worden war: „Deine Stimme ist viel zu schön“ hat der Bandleader gesagt. Bekannt wurde ich während meines Studiums mit Liedern in niederrheinischem Platt. Dann war ich in der Friedensbewegung aktiv, wobei mir der kulturelle Aspekt wichtiger war als der politische. Später habe ich dann neben meinen Liederabenden auch Literatur- und Kinderprogramme gemacht. Als Lehrer habe ich letztendlich nicht gearbeitet.

 

Welche Begegnung hat Sie denn in Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Das war 1992, als ich zusammen mit dem großartigen Kabarettisten und Schriftsteller Hanns Dieter Hüsch zusammen an einem Projekt in Emmerich gearbeitet habe. Daraus erwuchs eine Freundschaft, die dazu führte, dass er bei einem Konzert zu meinem 50. Geburtstag auftrat.


„Radlers Seligkeit“ - Programm mit Günter Gall und Konstantin Vassiliev: 1. April, 20 Uhr, Spitzboden, Lagerhalle

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