Griesert gegen Otte Zoff in der Rathaus-Spitze wegen Neumarkt-Keller

Das sogenannte Baulos 2 an der Ecke Neumarkt/Große Straße.  Hier soll ein Eckhaus mit zwei Kellergeschossen entstehen, die unterhalb der Straße in den öffentlich Raum hineinragen sollen. David EbenerDas sogenannte Baulos 2 an der Ecke Neumarkt/Große Straße. Hier soll ein Eckhaus mit zwei Kellergeschossen entstehen, die unterhalb der Straße in den öffentlich Raum hineinragen sollen. David Ebener

Osnabrück. Der Neumarkt wird zum Teil unterkellert – gegen die ausdrückliche Warnung von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). Eine bunte Ratsmehrheit setzt sich darüber hinweg. Der Konflikt offenbart, wie tief der Graben zwischen Griesert und Stadtbaurat Otte (Grüne) ist.

In der jüngsten Ratssitzung rutschte Ratsfrau Kerstin Albrecht (BOB) ein Wort heraus: Unterbauung. Damit war eine Sache in der Welt, die bislang nur in nichtöffentlichen Ausschusssitzungen diskutiert worden war.

Es geht um das neue Eckhaus vor dem Neumarkt-Carreé (mit H&M) auf dem sogenannten Baulos 2. Immobilienkaufmann Theodor Bergmann, der auf dem relativ kleinen Baufeld zusammen mit einem Hamburger Partner ein Geschäftshaus realisieren will, plant ein doppeltes Untergeschoss. Eines der Kellergeschosse soll große Teile der Haustechnik aufnehmen, wie es der Entwurf vorsieht, der aus einem aufwendigen Architekturwettbewerb als Sieger hervorgegangen war.

Privates Bauwerk unter städtischer Fläche

Das Problem ist: Der Keller wird zu gut einem Drittel seiner Grundfläche in den öffentlichen Raum hineinragen, über den die Busse zu den Bussteigen am Grünen Brink rollen. Die Busse fahren also über ein privates Bauwerk im Untergrund. Oberbürgermeister Griesert (CDU), von Hause aus Architekt und früher Stadtbaurat, hält das für sehr problematisch – rechtlich und vor allem praktisch.

Sollte es Schäden geben, wäre die Zufahrt der Busse nicht möglich. Außerdem drohten lange Rechtsstreitigkeiten, wenn es zwischen der Stadt und dem Eigentümer unterschiedliche Auffassungen über Art und Zeitpunkt einer Reparatur geben sollte. Bei der „Unterbauung“ handele es sich um ein Brückenbauwerk, das regelmäßig überprüft werden müsse. Es sei fraglich, ob diese Dinge alle ausreichend vertraglich zwischen der Stadt und dem Privateigentümer geregelt werden könnten. Die Verwaltung warnt überdies vor möglichen Komplikationen durch die bis zu zehn Meter tiefe Baugrube. Es könne zu Setzungsschäden an Nachbargebäuden kommen.

Bergmann lobt den Stadtbaurat

Bauherr Theodor Bergmann sieht darin keine Hinderungsgründe. Die technischen und statischen Fragen seien alle mit der Bauverwaltung erschöpfend geklärt worden. Bergmann bedankte sich im Gespräch mit unserer Redaktion ausdrücklich „für die gute Unterstützung durch das Baudezernat“. Ein Satz mit tieferer Bedeutung: Baudezernent Frank Otte, Mitglied der Grünen, unterstützt Bergmanns Kellerpläne, muss auf Druck von CDU-Oberbürgermeister Wolfgang Griesert aber das Gegenteil als offizielle Verwaltungsmeinung vertreten.

Und die Ratsmehrheit hat sich der Meinung Ottes angeschlossen. Im nicht öffentlichen Teil der jüngsten Ratssitzung stimmten SPD, Grüne, FDP, UWG und Linke dafür, Bergmann die „Unterbauung“ des Bussteigs zu erlauben. CDU und Bund Osnabrücker Bürger (BOB) stimmten dagegen.

Komplizierter Bau

Das geplante Gebäude markiert die westliche Ecke des Neumarktes und stellt damit den Platz in seiner ursprünglichen Form und Ausdehnung wieder her. Die Umsetzung ist eine Herausforderung, weil nur 750 Quadratmeter Baugrund zur Verfügung stehen, die Einfahrt der Busse in den Grünen Brink gewährleistet sein muss und das Haus den Blick von der Großen Straße auf das künftige Einkaufszentrum auf der anderen Seite des Neumarktes nicht verstellen soll. Auf der Südseite ragt das Gebäude deshalb ab dem zweiten Obergeschoss über die Buseinfahrt hinaus. Auch zur Großen Straße hin nimmt sich das Erdgeschoss ein paar Meter zurück, um die Sichtachse auf die andere Straßenseite frei zu geben. Die Fassade wird mit hellem Sandstein verkleidet, eine ausgeklügelte Beleuchtung soll die Fenster von unten anstrahlen. Mit den kubistischen Formen greift es die Optik des Einkaufszentrums auf.

Der Bau soll im Spätsommer beginnen. Wer einziehen wird, will Bergmann noch nicht verraten.


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