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„Original Gangster“ im Zeugenstand Bandidos vor Osnabrücker Gericht: Wer steckte 2009 in Wallenhorst einen Audi Avant in Brand?

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Symbolfoto: dpaSymbolfoto: dpa

Osnabrück /Wallenhorst. Zweieinhalb Jahre, nachdem ein in Wallenhorst auf einem Parkstreifen abgestellter Pkw Audi Avant in Brand gesteckt worden war, versucht das Amtsgericht Osnabrück Licht in das Dunkel jener Nacht zu bringen.

Doch was geschah am 13. August 2009 wirklich? Dies im Februar 2012 aufzuklären, erscheint nach dem Auftakt vor dem Schöffengericht als nicht ganz unproblematisch.

Wegen gemeinschaftlicher Brandstiftung angeklagt sind vier Männer, heute 33, 52, 42 und 38 Jahre alt, die dem Motorradclub Bandidos Osnabrück oder dem Umfeld desselben zugeordnet werden. Darunter befindet sich auch der damalige Präsident des Chapters Osnabrück dieses weltweit vertretenen Rockerclubs.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat das Quartett aufgrund eines gemeinsamen Tatplans den Wagen in Brand gesteckt, um den Besitzer des Fahrzeugs zu demütigen.

Bei dem Besitzer des Audis (die Schadenshöhe soll rund 2000 Euro betragen haben) handelte es sich um einen heute 53-jährigen Hilfsarbeiter, der damals führend in der sogenannten Osnabrücker Bruderschaft aktiv und zuvor Anführer (des dann aufgelösten) Motorradclubs Outlaws in Osnabrück war. Dieser komplett in Schwarz gekleidete Mann wurde als Zeuge vernommen und wies sich aktuell mit seiner Kleidung, ebenso wie seine siebenköpfige Begleitung, unüberlesbar als Angehöriger der „O.G. Brotherhood“ aus. „O.G.“ steht dabei für „Original Gangster“.

Im Zeugenstand gab sich der Geschädigte einsilbig. Er habe einen Knall gehört, sein Auto brennen sehen und dann die Feuerwehr gerufen. Er sei „so geschockt“ gewesen, habe aber keine Personen erkennen können.

Nach Auffassung von Staatsanwaltschaft und Polizei soll es zuvor Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Bandidos und Angehörigen der Bruderschaft gegeben haben.

Die Verteidiger der vier Angeklagten, die im August 2009 in der Nähe des Tatortes festgenommen worden waren, vermissen Beweise für die Vermutung, dass die vier den Audi „abgefackelt“ hätten – und so gab es am Montag beim Prozessauftakt bereits das eine oder andere verbale Scharmützel zwischen den Verteidigern und dem Vertreter der Anklage.

Nach Informationen unserer Zeitung war das Verfahren tatsächlich ursprünglich schon eingestellt, wurde dann aber doch noch einmal auf die Agenda gesetzt.

Rechtsanwalt Jens Meggers erklärte stellvertretend für seine Kollegen: „Der Montag hat doch gezeigt, dass die Gründe für eine Verurteilung schlicht und ergreifend nicht ausreichend sind.“

Auch die Aussagen von insgesamt drei Polizeibeamten, das Studium von Kartenausschnitten und Skizzen sowie die Einlassungen eines weiteren Zeugen waren, nachdem fast 30 Monate vergangen sind, aus Sicht der Staatsanwaltschaft alles andere als ein Volltreffer. Deshalb forderte die Anklage die Einvernahme weiterer Zeugen am kommenden Freitag. Dann findet der Prozess eine Fortsetzung.

Rückblende: Vor zehn Jahren trat der Osnabrücker Motorradclub „Free Eagles“ zu den Bandidos über.

2004 sorgte dann die Osnabrücker Szene für deutschlandweites Aufsehen, als ein Outlaws-Mitglied, der den damaligen Präsidenten der Bandidos nachts mit einem Axtstiel angegriffen hatte, durch Schüsse tödlich verletzt wurde.


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