Führung durch Ayasofya-Moschee Osnabrücker OB fordert mehr Miteinander der Kulturen

Von Vincent Buß


vbu Osnabrück Wie es in einem islamischen Gotteshaus zugeht, zeigte die Gemeinde der Osnabrücker Ayasofya-Moschee. Im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus lud sie zu einer öffentlichen Führung ein, an der auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert teilnahm.

Mit ernsten Worten begann Ihsan Öner, Vorsitzender der Union der türkisch-islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB): „Es ist traurig, dass die deutsch-türkische Beziehung auf den Prüfstand gestellt worden ist.“ Er appellierte an beide Seiten, nicht mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Griesert stimmte ihm zu. In Osnabrück gebe es schließlich auch keine großen Probleme miteinander. „In diesem Jahr ist es besonders wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte der Osnabrücker Oberbürgermeister, „damit es nicht heißt: Warum habt ihr nicht miteinander gesprochen?“

(Weiterlesen: Türkischer Verein in Osnabrück gegen Machtfülle für Erdogan)

Griesert formulierte aber auch Wünsche. Er sagte mit Verweis auf den neuen Imam, der demnächst wie üblich für fünf Jahre aus der Türkei in die Gemeinde kommt: „Zeigen Sie ihm, was hier die kulturellen Gepflogenheiten sind.“ Außerdem bat er die Gläubigen, für Flüchtlinge Kurse anzubieten, um ihnen die deutsche Sprache und Kultur näherzubringen.

„Wir sind alle Nachfahren von Adam und Eva“

Durch die Ayasofya-Moschee führte der Jugendleiter Hakan Kurt. Er zeigte nicht nur den Gebetsraum für Männer sondern auch die Baustelle. Dort entsteht zur Zeit der neue Gebetsraum für Frauen sowie ein Studentenwohnheim. Die Gemeinde ist laut Kurt vielfältig: „Türken, Kurden Bosnier – auch Flüchtlinge kommen hierher.“ Alle seien jederzeit herzlichen willkommen.

(Weiterlesen: Osnabrücker Ditib-Chef bestreitet Steuerung aus der Türkei)

Mit Vorurteilen wollte Kurt aufräumen: „Im Gebetsraum gibt es keine Politik.“ Das sei Privatsache. Als der Imam Beytullah Aydin sich an die Besucher wandte, übersetzte Kurt aus dem Türkischen: „Wir sind alle Nachfahren von Adam und Eva.“ Allah habe Menschen verschiedener Kulturen erschaffen, damit sie sich austauschen könnten. Auch bei der Arbeit mit den Jugendlichen setzt sich Kurt für interreligiösen Austausch ein. Zusammen haben sie schon Synagogen und Kirchen besucht.

Jugendliche sprechen besser Deutsch als Türkisch

Die Besucher wollten mehr über das Leben in der Moschee wissen. Auf Nachfrage erklärte Kurt, dass Männer und Frauen getrennt beten, um sich nicht abzulenken. Warum im Gebetsraum Türkisch gesprochen werde, interessierte die Teilnehmer ebenfalls. Kurt antwortete, dass die Jugendlichen eher Nachholbedarf in Türkisch als in Deutsch hätten. „Auch wenn sie manchmal die deutschen Artikel verwechseln“, scherzte der Jugendleiter.

Die internationalen Wochen gegen Rassismus finden bundesweit vom 13. bis zum 26. März statt. In Kooperation mit diversen Verbänden und religiösen Einrichtungen bietet die Stadt Osnabrück 30 Veranstaltungen zum interkulturellen und interreligiösen Austausch statt, von Konzerten über Lesungen bis hin zu Kochabenden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN