Hier wird noch selbst gebrannt Traditionsbrenner Schierhölter baut sein Getreide selbst an

Von Harald Preuin

Otto Schierhölter (rechts) führt die Kornbrennerei in Glandorf seit 1982. Dass der Kornnachschub für den Korn nicht abreißt, dafür sorgt Hofverwalter Holger Peglow. Foto: Harald PreuinOtto Schierhölter (rechts) führt die Kornbrennerei in Glandorf seit 1982. Dass der Kornnachschub für den Korn nicht abreißt, dafür sorgt Hofverwalter Holger Peglow. Foto: Harald Preuin

Glandorf. „Gute Spirituosen erkennt man daran, dass sie auch bei Zimmertemperatur schmecken“. Otto Schierhölter ist Experte in dieser Frage. Schließlich betreibt der 59-Jährige die gleichnamige Kornbrennerei in Glandorf seit 1982.

„Aus Korn wird Korn“ – das ist bei Schierhölter kein Etikettenschwindel. Seit 1801 existiert die Brennerei auf dem landwirtschaftlichen Betrieb, der heute rund 200 Hektar unter dem Pflug hat. Auf zwei Drittel der Fläche wird Getreide angebaut, der Rest ist für den Maisanbau reserviert. Das landwirtschaftliche Konzept setzt Holger Peglow (55) um. Er sorgt mit dem Getreide für den gesicherten Rohstoff-Nachschub in der Kornbrennerei. Der Mais wird in einer Biogasanlage in der Nachbarschaft eingesetzt. Das Substrat wiederum dient als Dünger für den Getreideanbau.

Auf diese Weise ist die Kornbrennerei nicht auf den Zukauf von Getreide angewiesen. Traditionell stellt Schierhölter Korn aus Roggen und Korn aus Weizen her sowie Doppelkorn und Wacholder aus Weizen, desweiteren eine Reihe fruchtiger, saurer, Kräuter- und Anis-Liköre, viele davon auf Basis von Weizenkorn.

Abnehmer in Gastronomie, Groß- und Lebensmittelhandel

Der Alkoholgehalt liegt zwischen 15 und 38 Prozent, wenn die Schierhölterparade in den Verkauf geht. „Wir sind ein regionaler Hersteller, der seine Produkte regional vertreibt“, sagt Otto Schierhölter. Sein Einzugsgebiet umreißt einen Durchmesser von 150 Kilometer. Abnehmer sind Gastronomie, Groß- und Lebensmittelhandel. „Ein hart umkämpfter Markt“, sagt der Firmenchef.

Um den Weizenkorn trinkbar zu machen, ist viel Wasser im Spiel. Die Maische besteht aus einem Drittel Getreidemehl und zwei Drittel Wasser. Die Getreidestärke wird durch Zugabe von Enzymen in Zucker umgewandelt. Hefe sorgt für das Vergären der Zuckeranteile in der Maische. Das ist der Ausgangspunkt für den Rohbrand, bei dem letztlich 80-prozentiger Alkohol gewonnen wird. Aus 100 Kilo Weizen erzielt der Glandorfer Brenner 38 Liter Rohbrand. Das ist allerdings noch ein ungenießbarer Tropfen. In der Destille trennt Schierhölter deshalb die guten von den schlechten Alkoholen.

Die Schlempe wird als Viehfutter verwendet

Die Maische wird in ihrem entgeisteten Zustand Schlempe genannt, die als Viehfutter verwendet wird. Da Schierhölter keinen eigenen Viehbestand hat, findet er unter seinen Nachbarn bereitwillige Abnehmer. Der Schlempe-Dünger-Kreislauf ist übrigens eine Erkenntnis des früheren Bürgermeisters von Osnabrück, Johannes Franz Miquel (1865 bis 1880), der als späterer preußischer Finanzminister die Situation der Landwirtschaft durch Brennereien verbesserte. Magere Böden wurden vor der Erfindung des Mineraldüngers mit den Gaben aus der Schlempefütterung ertragreicher. Im Prinzip gilt das noch heute.

Um den 97-prozentigen Feinbrand trinkbar zu machen, wird mit er Wasser verdünnt, das aus dem Hofbrunnen genommen und vorher entkalkt wird. Zeigen die Meßinstrumente 32 Prozent Alkoholanteil an, kann mit der Abfüllung begonnen werden. Über eine unterirdische Leitung fließt der Korn in die Flaschen, Etiketten auf Vorder- und Rückseite sowie eine Halsschleife schließen Verwechslungsgefahr aus: Bei Schierhölter steht Korn drauf und ist eigenes Korn drin. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Schierhölter. Das sei längst nicht bei allen Spirituosen so, sagt der Brennerei-Chef.

Bei den Kunden „kann man nur mit Qualität punkten“

Zwei große Hersteller stellen mehr als die Hälfte des Korn-Alkohols her, der dann unter den verschiedensten Markennamen in den Spirtuosenregalen landet. Schierhölter gehört zu der Handvoll Brennereien, die Korn noch selbst brennen und das dafür benötigte Getreide selber anbauen. „Man kann bei den Kunden nur mit Qualität punkten“, sagt Schierhölter. Die Rabatt-Aktionitis des Handels macht die Glandorfer Traditionsbrennerei nicht mit: „Wir sind keine Billigheimer“, betont Otto Schierhölter: „GabiKo (Ganz billiger Korn) können und wollen wir nicht“.

Diese Haltung findet bei Kunden und Besuchern Verständnis und Rückhalt. Kundenbindung ist für den regionalen Kornbrenner wichtig. Deshalb bietet er Gruppenführungen mit Verkostung an (Informationen unter Tel. 05426/761). Dabei, schmunzelt er, schneidet der Korn aus Roggen im Geschmackstest meist besser ab als Weizenkorn. Für ihn ist das nicht verwunderlich: „Der Roggen ist einfach würziger im Geschmack“.