Geschäftsführung im Interview CP Group erklärt Osnabrücker Kaffeekrieg für beendet

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Der Osnabrücker Kaffeeautomaten-Verleiher CP Group will seinem großen Nachbarn und Rivalen Kaffee Partner bis 2020 die Marktführerschaft abjagen. Wie das gelingen soll, welche Rolle dabei der Firmensitz spielt und wie es sich anfühlt, im Konkurrenzkampf von Privatdetektiven verfolgt zu werden, berichten die Geschäftsführer Jan-Dirk Büsselmann und Marc Beimforde im Interview.

Herr Beimforde, wie mögen Sie eigentlich Ihren Kaffee?

Ich trinke am liebsten Espresso. Da muss ich mich wirklich zügeln: Bei fünf Tassen am Tag ist Schluss.

Und Sie, Herr Büsselmann?

Auch Espresso, sonst Kaffee schwarz. Aber höchstens drei, vier Tassen am Tag.

Wir stehen hier in der offenen Küche Ihres neuen Firmensitzes am Osnabrücker Hafen. An der Decke baumelt eine Glocke aus Messing, wie auf einem Schiff. Was hat es damit auf sich?

Beimforde: Das ist unsere Auftragsglocke. Sie wird jeden Freitag zum „High Noon“ geläutet, wenn wir vor versammelter Mannschaft unser Wochenergebnis durchgeben – das ist ein schönes Ritual.

Und wie oft bimmelt die Auftragsglocke bei der CP Group?

Büsselmann: In der Anfangszeit schlug sie für jeden Auftrag einmal, inzwischen nur noch einmal für jeden zehnten. Das gibt auch ein ganz schönes Geläut…

Was Ihr großer Nachbar und Konkurrent Kaffee Partner vermutlich nicht gerne hört – Stichwort „Osnabrücker Kaffeekrieg“. Persönlich waren Sie beide darin besonders verwickelt: als frühere Geschäftsführer von Kaffee Partner und Seitenwechsler.

Büsselmann: Marc Beimforde und ich sind im Mai 2015, wenige Wochen nach unserem Ausscheiden bei Kaffee Partner, als Geschäftsführer in die damalige Coffee Perfect GmbH eingetreten. Obwohl wir mit unserem früheren Arbeitgeber Vereinbarungen getroffen hatten, die ein Wettbewerbsverbot aufhoben, hat Kaffee Partner versucht, mit juristischen Mitteln gegen uns und das Unternehmen vorzugehen. Die Sache ging bis vor das Oberlandesgericht. Heraus kam ein Vergleich, der uns beide dazu verpflichtet hat, ein Jahr lang die Arbeit als Geschäftsführer der CP Group ruhen zu lassen.

Im Oktober 2016 ist diese Stillhaltefrist abgelaufen. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?

Beimforde: Jan-Dirk Büsselmann und ich haben uns vollkommen aus der Kaffeebranche zurückgezogen und eine Immobilien-Vertriebsgesellschaft gegründet: die Perfect Immo GmbH. Klingt ein bisschen wie Coffee Perfect, ja. Aber sie heißt nur deshalb so, weil uns der Name Perfect so gut gefällt. Inhaltlich und gesellschaftlich haben beide Firmen nichts miteinander zu tun.

Gerüchten zufolge sollen Sie trotz des befristeten Wettbewerbsverbots Ihren Einfluss auf die CP Group gewahrt haben – konkret über die beiden Gesellschafter Rebecca Ost und Lennard Koch, die zugleich Kinder der beiden Alteigentümer von Kaffee Partner sind.

Büsselmann: Das können wir ganz klar verneinen. Haben wir nicht getan. Aus zwei Gründen: Zum einen halten wir uns an Abmachungen – erst recht an einen richterlichen Vergleich. Zum anderen wollten wir keine Mitarbeiter in Schwierigkeiten bringen. Ganz offen: Sogar bei zufälligen Begegnungen haben wir es vermieden, mit unseren Leuten zu sprechen. Kaffee Partner hat uns ja richtig zugesetzt und von Privatdetektiven beschatten lassen.

Erzählen Sie mal...

Büsselmann: Anfangs war es sehr offensichtlich. Wenn wir morgens aufgestanden sind, war das Erste, was wir gesehen haben, die Privatdetektive.

Beimforde: Sie standen vor dem Haus, allein oder zu mehreren, haben uns verfolgt…

Büsselmann: Es hatte schon was James-Bond-Mäßiges. Im Nachhinein kann man fast darüber lachen. Und Privatdetektive einzusetzen ist bei solchen Verfahren ja auch nichts Unübliches. Aber in dem Moment hat uns das schon extrem belastet. Und das sollte es ja wohl auch.

Wann genau hat es angefangen und aufgehört mit der Beschattung?

Beimforde: Schwer zu sagen. Aber von Mitte Mai bis Ende Dezember 2015 war es sehr intensiv. Danach ist es mehr oder weniger abgeebbt, und es gab wahrscheinlich nur noch Stichproben. Inzwischen haben wir mit dem ganzen Kapitel Kaffee Partner abgeschlossen. Für uns zählt nur noch die CP Group.

Ist der Osnabrücker Kaffeekrieg damit vorbei?

Beimforde: Definitiv. Wir nehmen Kaffee Partner als ganz normalen Wettbewerber wahr und sehen da keinerlei Besonderheiten außer der räumlichen Nähe. Wir grenzen uns ja aktiv ab, um unsere Marken Coffee Plus und Coffee Perfect für den Markt interessant zu machen. Da haben wir eine ganz klare Philosophie.

Und die wäre?

Beimforde: Dass wir neueste Technologien verwenden, beim Thema Telemetrie noch ein Stück weitergehen und so dem Kunden größtmöglichen Komfort und Service bieten.

Was bedeutet Telemetrie bei Kaffeemaschinen?

Beimforde: Telemetrie meint die in den Automaten verbaute Telefonkarte. Sie ermöglicht es uns, Störungen aus der Ferne zu erkennen, aber auch den Verbrauch des Kunden zu analysieren und ihn so bedarfsgerecht zu beliefern.

Das Gerät ruft Sie an?

Beimforde: Nein. Aber wir können auf das Gerät zugreifen, ohne vor Ort zu sein. Und der Apparat gibt uns immer eine Rückmeldung. So wissen wir zum Beispiel, in Büro XY wurden in dieser Woche 337 Cappuccino getrunken, 500 Kaffee schwarz und so weiter. Der Kunde erhält dann die passende Menge Nachschub. Und wenn sich der Verbrauch entscheidend verändert, gehen wir aktiv auf den Kunden zu und machen ihm ein neues, passenderes, günstigeres Angebot. Das tun wir als Einzige am Markt, dadurch grenzen wir uns ab. Und die Kunden honorieren es, indem sie langfristig mit uns zusammenarbeiten.

Vor wenigen Wochen ist die CP Group bei Kaffee Partner ausgezogen. Wie war es für Sie, mit dem größten Konkurrenten, dessen einstiger Ableger Ihre Firma ja ist, unter einem Dach zu sitzen?

Büsselmann:Es war einfach zu eng. Bei Besprechungen wussten wir teilweise überhaupt nicht mehr wohin.

Beimforde: Das ging bis zum Stau vor der Toilette.

Büsselmann: Das war das Schlimmste! Wir hatten nur eine Herrentoilette.

Und die ständige Begegnung mit Kaffee Partner?

Beimforde: Sicherlich, die Anfangszeit war turbulent. Zum Schluss hat sich das aber ein Stück weit normalisiert. Jeder hatte seine Wege. Wir sind immer schnell mit dem Fahrstuhl in die dritte Etage gefahren. Und die andere Partei hat die separaten Zugänge genutzt. So ging das.

Angeblich hat die andere Partei, wie Sie sie nennen, Vorkehrungen getroffen, damit zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Maschinen nicht abgekupfert werden kann…

Beimforde: Wenn das so war, haben wir es nicht gemerkt.

Büsselmann: Das lag aber vielleicht auch daran, weil wir gar nicht darauf geguckt haben.

Beimforde: Es hat uns auch nicht interessiert. Wir wollen in zwei, drei Jahren Marktführer in Deutschland sein: Marktführer in der professionellen Versorgung von gewerblichen Unternehmen mit Kaffee- und Wasserautomaten. Dafür müssen wir uns richtig anstrengen und auf uns selbst konzentrieren.

In einem Satz: Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen der CP Group und Kaffee Partner?

Büsselmann: Das Thema Flexibilität. Wir denken Kundenbeziehung einfach anders. Ändert sich der Bedarf beim Kunden, ändern wir uns mit.

Beimforde: Der zweite Punkt ist, dass wir immer mit den neuesten Trends gehen und den Innovationszyklus sehr kurz halten.

Wie entwickelt sich der Markt für Kaffeemaschinen-Verleiher?

Beimforde: Es wird immer noch mehr erschlossen als verdrängt. In Deutschland fallen ungefähr eine Million Unternehmen in unsere Zielgruppe. Die sind noch lange nicht verteilt. Unser Thema ist also primär das Neukundengeschäft.

Wie viele Kunden haben Sie zurzeit?

Büsselmann: Etwa 10.000. Die meisten davon im Business-to-Business-Bereich, also dem Geschäft mit anderen Gewerbetreibenden.

Haben Sie schon Kunden von Kaffee Partner abgeworben?

Beimforde: Sicher. Wir haben aber genauso Kunden gewonnen, die vorher bei Dallmayr oder Tchibo waren oder Privatmaschinen hatten.

Haben Sie auch schon Kunden an Kaffee Partner verloren?

Beimforde: Klar. Gibt es auch.

Büsselmann: Selten.

Beimforde: Wir sind noch nicht so lange am Markt wie Kaffee Partner. Auch deshalb wechseln wesentlich mehr Kunden von dort zu uns als umgekehrt. Aber Osnabrück ist schon ein bisschen Coffee-Valley geworden durch die beiden Unternehmen.

Wie würden Sie die Marktanteile beziffern?

Beimforde: Das lässt sich ganz schwer sagen. Es hängt davon ab, wie man den Markt definiert: Zählt nur die Maschine oder auch der Kaffeeabsatz? So oder so: Im Vergleich mit Kaffee Partner, Dallmayr und Tchibo sind wir als Newcomer noch die Kleinsten. Die anderen drei würde ich auf einer Ebene sehen.

Wie viele Kunden brauchen Sie denn, um sich Marktführer zu nennen?

Beimforde: Wenn wir es schaffen, von den eine Million Unternehmen aus der Zielgruppe 100.000 zu gewinnen, dann würde ich sagen, wir sind Marktführer.

Wie viel Umsatz macht Ihre Firma im Moment?

Büsselmann: 2015 waren es sechs Millionen Euro, 2016 elf Millionen. Das wollen wir in diesem Jahr mehr als verdoppeln: Ziel sind 25 Millionen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Beimforde: Auch wenn Coffee Perfect in der Region die bekanntere und ältere Marke ist: Schon jetzt machen wir 70, 80 Prozent des Umsatzes mit unserer Geschäftskunden-Marke Coffee Plus. Und die wollen wir in Zukunft noch stärker nach vorne stellen.

Wie entwickelt sich die Mitarbeiterzahl?

Büsselmann: Da haben wir gerade die 200er-Marke geknackt. Ende 2017 dürften es ungefähr 240 sein.

Schaffen Sie die neuen Stellen in Deutschland oder in Österreich, wo sie ja auch am Markt sind?

Büsselmann: Sowohl als auch.

Beimforde: Österreich ist natürlich etwas kleiner. Aber wir planen in beiden Ländern starkes Mitarbeiterwachstum.

Wird es der CP Group in Osnabrück dann nicht bald wieder zu eng?

Beimforde: Der Mietvertrag für unseren neuen Firmensitz an der Winkelhausenstraße gilt zunächst für drei Jahre. Und wenn wir sagen, wir wollen 2019, 2020 Marktführer in Deutschland, Österreich und vielleicht auch in weiteren Ländern sein, dann ist das hier nur eine Übergangslösung. Dann müssen wir uns nach neuen Flächen umschauen.

In Osnabrück?

Beimforde: Ja. Der Standort Osnabrück ist für uns definitiv gesetzt. Wir wollen hierbleiben.


CP Group ist seit August 2015 der neue Name für die Coffee Perfect GmbH, die ihrerseits aus der Kaffee Partner Shop GmbH hervorging – einem früheren Ableger des Osnabrücker Konkurrenten Kaffee Partner. Mit der Marke Coffee Plus ist die CP Group im Business-to-Business-Bereich (B2B) unterwegs, verleiht also Kaffeemaschinen und Wasserspender an andere Gewerbetreibende. Mit der Marke Coffee Perfect richtet sich das Unternehmen an private Endkunden (Business-to-Costumer, B2C).

Geschäftsführer der CP Group sind der 46-jährige Jan-Dirk Büsselmann aus Bad Zwischenahn und Marc Beimforde (40, Westerkappeln). Seit Anfang 2017 gehört den beiden auch ein Stück vom Kuchen: Die bisherigen Alleineigentümer Rebecca Ost und Lennard Koch (Kinder der einstigen Inhaber der Kaffee Partner Holding, Andreas Ost und Michael Koch) traten dafür den geringeren Teil ihrer Gesellschaftsanteile an die Geschäftsführer ab. In welchem Umfang genau, ist unbekannt.

Der Einstieg als Teilhaber sei jedoch „auf gegenseitigen Wunsch“ erfolgt, wie Beimforde im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte. „Wir verstehen uns mit unseren Mitgesellschaftern sehr gut und haben uns darauf geeinigt, dass das der richtige Weg sei.“ Zu den weiteren Gründen sagte Büsselmann: „Wir glauben zum einen an das Konzept, aber auch extrem an unsere Mitarbeiter. Es ist ein Unternehmen mit richtig guter und schöner Zukunft. Alles ist sehr langfristig angelegt.“

Im Zuge der Änderung des Gesellschaftervertrages wurde laut Handelsregister auch das Stammkapital der CP Group erhöht: um 64.000 Euro auf 320.000 Euro.