Wegen Lehrermangel Unterrichtsausfälle bei Osnabrücker Berufsschulen

Von Jean-Charles Fays

Der Mangel an Berufsschullehrern führt zu Unterrichtsausfällen an Berufsschulen in der Region Osnabrück. Die Unterrichtsversorgung liegt an vier von fünf Berufsschulen in der Stadt Osnabrück unter 90 Prozent. Symbolfoto: dpaDer Mangel an Berufsschullehrern führt zu Unterrichtsausfällen an Berufsschulen in der Region Osnabrück. Die Unterrichtsversorgung liegt an vier von fünf Berufsschulen in der Stadt Osnabrück unter 90 Prozent. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Der Mangel an Berufsschullehrern führt zu Unterrichtsausfällen an Berufsschulen in der Region Osnabrück. An vier von fünf Berufsschulen in Osnabrück lag die Unterrichtsversorgung im vergangenen Jahr unter 90 Prozent. Die IHK schlägt Alarm.

Der Geschäftsführer der Betrieblichen Bildung der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Hans-Jürgen Falkenstein, erklärt, dass die IHK die Mitgliedsunternehmen zur Berufsschulsituation befragt hat - mit einem deprimierenden Ergebnis: „Danach wird die Unterrichtsversorgung von knapp der Hälfte der Betriebe nur als ausreichend oder mangelhaft bewertet.“ Hintergrund dafür sei, dass die Unterrichtsversorgung an den berufsbildenden Schulen landesweit zuletzt nur bei 89 Prozent lag, an einigen Berufsbildenden Schulen (BBS) im IHK-Bezirk sogar noch darunter. Von Unterrichtsausfällen seien vornehmlich die gewerblich-technischen Fächer betroffen. Vor allem in den Fachrichtungen Metall-, Elektro- und Fahrzeugtechnik fehlten Fachlehrer. Falkenstein fordert: „Hier muss dringend gegengesteuert werden, sonst droht ein hausgemachter Fachkräftemangel in diesen Berufen. Die Landesregierung sollte versuchen, vermehrt Seiteneinsteiger für den Schuldienst zu gewinnen und Anreize zu schaffen, um potenziellen Nachwuchskräften den Beruf in Zukunft schmackhafter zu machen.“

2013 war Unterrichtsversorgung bei 78,5 Prozent

Nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums lag die Unterrichtsversorgung bei der BBS am Schölerberg im vergangenen Jahr nur bei 84,5 Prozent und bei der BBS Brinkstraße nur bei 85,7 Prozent. Der neue Schulleiter der BBS Brinkstraße, Martin Henke, ist nicht glücklich mit der Situation, verweist aber darauf, dass die Unterrichtsversorgung an seiner Schule damit immerhin ihr Tief im Jahr 2013 überwunden habe, als sie sogar nur bei 78,5 Prozent lag und nun immerhin auf 85,7 Prozent angestiegen sei. Er erklärt: „Eine wesentliche Ursache dieser Entwicklung ist der Generationswechsel, der im Kollegium stattgefunden hat. Wir hatten eine große Zahl von Pensionierungen, die nicht unmittelbar durch Neueinstellungen aufgefangen werden konnten. Neueinstellungen waren nur bedingt möglich, da annähernd keine für unser Bildungsprofil Metalltechnik, Elektrotechnik, Mechatronik, IT-Technik, Fahrzeug- und Versorgungstechnik ausgebildeten Lehrkräfte zur Verfügung standen.“

Bildungsangebote auf das Mindestmaß beschränkt

Die BBS Brinkstraße musste in der Folge ihr Bildungsangebot beschränken: „Unsere Bildungsangebote im Vollzeitbereich, also die Fachoberschule, Fachschule Technik und Berufliches Gymnasium Technik, haben wir trotz zum Teil sehr hohen Anmeldezahlen insbesondere in der Fachschule Technik auf das Mindestmaß beschränkt. Auch in der Berufsfachschule hat durch die Personalsituation in geringem Maß eine Begrenzung stattfinden müssen“, erläutert Henke.

„Personalsituation wird sich weiter entspannen“

Diese Situation habe sich verbessert, da es erhebliche Anstrengungen zur Personalgewinnung gegeben habe. Gleichzeitig habe das Land Niedersachsen Sonderqualifizierungsmöglichkeiten für Lehrkräfte des dringenden Bedarfs - etwa Qualifizierungsmöglichkeiten zum Quereinstieg oder zur berufsbegleitenden Qualifizierung von Bewerbern mit Bachelorabschluss - konzipiert. Henke prognostizierte: „Die Personalsituation wird sich weiter entspannen, da sich die Anzahl an regulär ausgebildeten Lehrkräften für unseren Bildungsbereich positiv entwickelt, weil sich die Studienbedingungen für das Lehramt berufliche Bildung in Osnabrück erheblich verbessert haben.“ Das Studienseminar Osnabrück habe mit der Referendarausbildung einen großen Anteil an dieser positiven Entwicklung.

Qualifizierte Berufsschullehrer schwer zu finden

Der Leiter der BBS Osnabrück-Haste, Peter Befeldt, erklärt die Unterrichtsversorgung mit 88,9 Prozent an seiner Schule damit, dass kleinere Klassen gebildet und damit mehr Lehrkräfte eingesetzt worden seien. „Das ging dann allerdings zu Lasten der statistischen Unterrichtsversorgung.“ Außerdem habe sich die Gesamtzahl der Schüler erhöht, die Unterrichtsversorgung habe da aber „nicht in vollem Umfang Schritt halten“ können. Ein Problem sei, dass Stellenausschreibungen mangels qualifizierter Bewerber nicht immer zum gewünschten Erfolg geführt hätten. Qualifizierte Berufsschullehrer mit speziellen Fachrichtungen seien weitaus schwerer zu finden als Lehrer mit ausschließlich allgemeinbildenden Fächern. Befeldt bemühe sich, mit den vorhandenen Ressourcen und Lehrkräften ein gutes und breit gefächertes Bildungsangebot präsentieren zu können.

Allgemeinbildende Schulen mit 100 Prozent Unterrichtsversorgung

Die Unterrichtsversorgung an den allgemeinbildenden Schulen in der Region liegt überwiegend bei 100 oder knapp 100 Prozent.

Die kommissarische Schulleiterin der BBS Schölerberg, Sabine Noetzel, wollte die Anfrage unserer Redaktion zur Unterrichtsversorgung von nur 84,5 Prozent an ihrer Schule nicht beantworten und verwies an die Landesschulbehörde.

Mangelnde Lehrerversorgung

Die Personalplanerin für die Berufsbildenden Schulen bei der Landesschulbehörde, Cornelia Baden, sieht den Hauptgrund für die im Vergleich zu den allgemeinbildenden Schulen schlechte Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen in der mangelnden Lehrerversorgung. Hauptmangelfächer seien Metalltechnik, Fahrzeug- und Elektrotechnik sowie Pflege und Sozialpädagogik. Deshalb seien Sonderprogramme für Quereinsteiger aufgelegt worden. Weiterhin werbe die Landesschulbehörde für den Beruf und versuche so, neue Berufsschullehrer zu akquirieren. Sie räumt aber ein: „Dabei versuchen wir natürlich mit der Wirtschaft zu konkurrieren. Das ist angesichts der zumeist besseren Bezahlung in der Wirtschaft aber auch nicht einfach.“

Abbrecherquoten von gut 50 Prozent

Der Studiengangsbeauftragte für die Ausbildung der Lehrer für Metall- und Elektrotechnik an der Hochschule Osnabrück, Professor Harald Strating, erklärte: „Besonders in den Fachrichtungen Metall und Elektro ist der Bedarf besonders groß. Da konkurriert man direkt mit den Ingenieurstudiengängen, weil die Attraktivität einer Ingenieursanstellung größer ist als die einer Berufsschullehreranstellung.“ Das Grundlagenstudium sei genauso anspruchsvoll wie das Ingenieurstudium. Das führe auch zu Abbrecherquoten von gut 50 Prozent.“ Der Bedarf sei schon länger offensichtlich. „Man hätte viel früher anfangen müssen, diesen Bedarf zu decken“, betont Strating.


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