Fahrrad mit Antrieb Als der Propellermann in Osnabrück die Behörden auf Trab hielt

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So etwas hatten wohl auch die Polizeibeamten noch nicht gesehen. Auf der Neulandstraße hielten sie im März 1998 einen Radfahrer an, der sich von einem auf den Rücken geschnallten Propeller antreiben ließ.Foto: NOZ-ArchivSo etwas hatten wohl auch die Polizeibeamten noch nicht gesehen. Auf der Neulandstraße hielten sie im März 1998 einen Radfahrer an, der sich von einem auf den Rücken geschnallten Propeller antreiben ließ.Foto: NOZ-Archiv

Osnabrück. So etwas hatten wohl auch die Polizeibeamten noch nicht gesehen. Auf der Neulandstraße hielten sie im März 1998 einen Radfahrer an, der sich von einem auf den Rücken geschnallten Propeller antreiben ließ.

Immerhin gut 1,50 Meter groß war der Rotor, der den 30-jährigen Mann und sein Rad antrieb. Das Gas konnte mit einem umfunktionierten Handbremshebel reguliert werden. Der war über einen Bowdenzug mit dem Vergaser verbunden.

„Wir mussten erst das Band durchschneiden, um Antrieb und Rad voneinander zu trennen“, zitierte unsere Redaktion damals einen Polizeisprecher. Immerhin bis auf 50 Kilometer pro Stunde ließ sich das Rad so beschleunigen.

Für die Geschichte interessierten sich Medien aus dem ganzen Land. „Bundesweites Interesse“, fasste ein Polizist zusammen. Wie aus rechtlicher Sicht mit dem ungewöhnlichen Gefährt umzugehen war, wurde allerdings nicht ganz klar. Die Beamten jedenfalls waren sich sicher, dass der Antrieb mit dem Propeller irgendwie verboten sein musste.

Sich und andere gefährdet?

Auch der Fahrer zeigte sich nicht sonderlich überrascht davon, dass er angehalten worden war. „Dass das nicht richtig ist, hatte ich mir schon gedacht“, gab er zu Protokoll.

Um Klarheit zu bekommen, war schließlich der TÜV gefordert, ein Gutachten zu erstellen. Das 20 PS starke Triebwerk und der 28 Kilogramm schwere Motor des Propellers sollten den Besitzer eigentlich beim Gleitschirmfliegen vorantreiben, wie er sagte. Zunächst wollte er die Konstruktion aber wohl am Boden ausprobieren.

Die Experten des TÜV stuften das Gefährt als Kraftfahrzeug ein, mit dem der Mann ganz erheblich sich und andere gefährdet habe. Aufgrund der erreichten Geschwindigkeit und der Leistung des Motors handele es sich um praktisch um ein Motorrad. Dafür fehlte dem Mann allerdings der passende Führerschein. Zudem war das Fahrzeug weder versichert noch zugelassen.

Bescheinigung des Kraftfahrtbundesamtes

Bei der Verhandlung am Amtsgericht zog der Anwalt des Mannes aber zur Überraschung aller Beteiligten eine Bescheinigung des Kraftfahrtbundesamtes aus der Tasche. Die Behörde war der Ansicht, ein Kraftfahrzeug sei nur dann ein Kraftfahrzeug, wenn der Antrieb fest angebaut sei. In der Folge sah das Amtsgericht in dem Radausflug mit Propeller nur einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung und verhänge eine Geldbuße in Höhe von 80 DM.

Staatsanwaltschaft nicht einverstanden

Die Staatsanwaltschaft war mit dem Urteil allerdings nicht einverstanden und legte Revision ein. Sie hatte eine Strafe von 1600 DM beantragt. Das Oberlandesgericht Oldenburg gab der Revision statt und verwies den Fall zurück an das Osnabrücker Amtsgericht. Die Oldenburger wollten sich nicht der Auffassung des Kraftfahrbundesamtes anschließen: Auf die Trennung von Fahrzeug und Motor komme es nicht an, so die Richter. Entscheidend sei, dass das Fahrzeug auf 50 Kilometer pro Stunde beschleunigt habe. Es sei zudem zu prüfen, ob der Angeklagte vorsätzlich gehandelt habe.

Propellermann gesucht

Und wie ging die Geschichte nun aus? Nun, darüber schweigt sich das Archiv dieser Redaktion aus. Es ist kein weiterer Artikel zu dem Thema zu finden. Auch Nachfragen bei Amtsgericht, Polizei und Staatsanwaltschaft liefen ins Leere. Zwar verfügt die Staatsanwaltschaft über ein entsprechendens Archiv. Nur könne man ohne das Aktenzeichen des Vorgangs leider nichts machen, hieß es auf Anfrage unserer Redaktion. Auch eine Anfrage bei altgedienten Osnabrücker Anwälten war nicht erfolgreich. An den Fall konnte sich zwar ein Anwalt erinnern. Wer den Mann aber vertreten hatte, wusste auch er nicht zu sagen. Die Kanzlei, die den Mann damals vertrat, war also nicht ausfindig zu machen. Und auch eine Anfrage beim TÜV-Nord war erfolglos: Die Aufbewahrungsfrist für Gutachten endet nach zehn Jahren. Eine Anfrage beim Kraftfahrt-Bundesamt läuft derzeit zwar noch. Aber vielleicht liest ja der „Propellermann“ diese Geschichte und meldet sich bei unserer Redaktion, um zu erzählen wie die Geschichte damals ausgegangen ist.


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