In die heutige Zeit versetzt Osnabrücker Realschüler spielen „Schneewittchens Karriere“

Spiegelbild der Gegenwart: Die böse Stiefmutter klagt über zu wenig Follower in den digitalen Netzwerken. Foto: Egmont SeilerSpiegelbild der Gegenwart: Die böse Stiefmutter klagt über zu wenig Follower in den digitalen Netzwerken. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Mit ihrer so amüsanten wie kurzweiligen Aufführung des Stückes „Schneewitchens Karriere“ haben zehn Erich-Maria-Remarque-Realschüler des Wahlpflichtkurses Theater ein altes Märchen in die heutige Zeit der Neuen Medien versetzt.

Auf der Bühne in der Aula des benachbarten Gymnasiums in der Wüste stand zunächst ein antiquierter Spiegeltisch im Zentrum – und die böse Stiefmutter, die mit der ungeschminkten Wahrheit haderte, nicht mehr die Schönste zu sein und auch weniger Follower in sämtlichen sozialen Netzwerken zu haben als ihr junges „Schneeflittchen“. Das treibt sie in eine Selbsthilfegruppe für ausgebrannte Märchenfiguren, in der sie auf Rumpelstilzchen, die böse Hexe und den bösen Wolf trifft.

Viele Kandidaten

Ihre von Linus Dünnhölter gespielte Stieftochter muss derweil in einer TV-Kuppelshow mit „echten Emotionen“ über Fragen im „Herzblatt“-Stil herausfinden, wer denn nun ihr echter Märchenprinz ist. Neben „Prinz Charming“, der quakt wie ein Frosch und von seinem Hofnarr „Joystick“ begleitet wird, stehen dafür ein vom König adoptierter Gestiefelter Kater und Aladin zur Auswahl, ein „Märchenmigrant mit Aufenthaltsgenehmigung“, der ihr eine „Aufmerksamkeit aus dem Orient“ überreicht. Im schummrigen Bühnenlicht bietet sich Schneewittchen schließlich auch noch der Tod persönlich an, der „jedes Problem ein für alle mal“ löst, aber zu seiner Verwunderung „trotzdem fast nie eingeladen“ wird.

Erzählt wurde die Geschichte von Märchenururenkel Manu Grimm, der zu Beginn das Publikum mit einem Märchen-Quiz testete, sich zwischendurch auch als Rapper versuchte und am Ende in einer Talkshow erzählt, wie er es als Filmproduzent geschafft hat, Schneewittchen alias Bianca ganz groß rauszubringen. Fast wie im Kino sorgten dann die auf die Bühnenwand projizierten Outtakes für die letzten Lacher.

Wiederholung ausgeschlossen

„Weil es in der heutigen Zeit spielt und sich die Schüler sich mit den Themen identifizieren können“ hätten sich die Neun- und Zehntklässler die Märchen-Adaption von Christof Stückelberger ausgesucht, verrät Lehrerin und Projektleiterin Daniela Ostendorf. Unserer „schnelllebigen, hochdigitalisierten Zeit“, in der „bis zur Perfektion alles wiederholt werden kann“, hätte man aber auch „handgemachtes Theater, das vom Augenblick lebt“ entgegensetzen wollen, ergänzt ihre Kollegin Stephanie Sprick. Das ist gelungen – inklusive aller irreversiblen Patzer, die dann eben dazugehören.


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