Die Gespenster von Osnabrück Mit einer Geisterseherin auf Seelensuche in Osnabrück

Ist da noch wer? Manuela Bauerfeind sucht in einem Vororthaus in Osnabrück nach einem Geist. Foto: Michael GründelIst da noch wer? Manuela Bauerfeind sucht in einem Vororthaus in Osnabrück nach einem Geist. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Gibt es Geister? Glaubt man Manuela Bauerfeind, dann schon. Die Osnabrückerin weiß sogar, wie man die ungebetenen Gäste wieder los wird. Sagt sie jedenfalls. Wir haben sie dabei begleitet.

Das Haus von Tobias und Sarah Maier* sieht ganz normal aus, so wie die Umgebung, in der es steht: Eine kleine Straße, die Innenstadt gute 15 Gehminuten entfernt. Hauptsächlich Familien wohnen hier. Dass das junge Ehe- und Elternpaar das Haus in der angespannten Immobilienlage Osnabrücks überhaupt kaufen konnte, war großes Glück.

Allerdings kein Glück für den Vorbesitzer: „Wie wir vom Makler erfahren haben, wollte der Mann hier alles für sein Alter noch einmal richtig schön machen“, erzählt Sarah Maier. Während der Umbauarbeiten verstarb er jedoch im Haus. Als abergläubisch würde sich die junge Mutter nicht bezeichnen, aber so ganz geheuer war ihr der Tod des Vorbesitzers nicht. „Im Scherz meinte ich, dass wir das Haus vielleicht mal ,exorzieren‘ lassen sollten. Eine Freundin kannte dann eine Frau, die Geister erspüren und wegschicken kann“, so Maier.

Auf Seelensuche in Osnabrück

Aus diesem Grund sitzt an diesem Nachmittag Manuela Bauerfeind in dem Zimmer des Hauses, wo der Mann verstarb – und macht erst einmal nichts. So sieht es jedenfalls für Außenstehende aus. Doch was wie Meditieren wirkt, ist, so Bauerfeind, etwas ganz anderes: „Ich stelle Kontakt mit dem Raum her und schaue, ob sich hier eine Seele befindet, die den Weg ins Licht noch nicht gefunden hat. Gründe dafür gibt es viele.“

Nimmt Bauerfeind eine solche Seele wahr – meist fühle sie sie, manchmal höre sie sie auch -, dann versuche sie, dieser Präsenz zu helfen „ins Licht zu gehen“. „Diese Seelen, selbst wenn sie nicht bösartig sind, gehören nicht mehr hierher.“ Bis dato sei es ihr immer gelungen, die Präsenz, wie sie es auch nennt, zum Gehen zu bewegen. Ob „ins Licht“ nun den Himmel oder eine andere Art Paradies bedeutet, darauf will sie sich nicht festlegen.

Von der Projektmanagerin zur „spirituellen Begleiterin“

Nicht ganz von dieser Welt klingt für viele jedoch auch Bauerfeinds Job: Seitdem sie im Jahr 2014 entdeckt hat, dass sie mehr Dinge wahrnehme als andere Menschen, hat sie sich „auf eine Reise in die Tiefen ihrer Selbst und der Spiritualität begeben“, wie sie es formuliert.

„Die negativsten Energien um uns herum kommen von den Lebenden“, findet Manuela Bauerfeind. Foto: Michael Gründel

Als „spirituelle Begleiterin“ bietet sie nun Hilfe bei Lebensproblemen und darüber hinaus auch Reiki-Anwendungen an. „Ich weiß, wie das alles für Skeptiker klingt. Ich dachte am Anfang ja auch, ich drehe durch.“ Bauerfeind ist es jedoch ernst: Ihren alten Beruf als Projektmanagerin hat sie hinter sich gelassen und den Sprung in die Freiberuflichkeit gewagt.

Negative Energien am Osnabrücker Schloss?

Verlorene Seelen nimmt Bauerfeind sehr oft wahr, erzählt sie. Auf vielen Friedhöfen, mal in alten und neuen Häusern und ganz besonders am Westflügel des Osnabrücker Schlosses. „Ich meide den Ort, denn wenn ich früher dort entlangging, wurde ich von den negativen Energien fast überwältigt. Dort treiben sich eine Menge unglücklicher Seelen herum“, ist sie sich sicher.

Daher arbeite sie immer mit göttlichem Beistand: „Vor jedem Tun bete ich und bitte um Beistand und Schutz.“ Den brauche es auch, denn nicht alles, was sie spüre, sei wohlwollend. „Manchmal reagiere ich direkt mit extremem Unwohlsein, Übelkeit und Hustenattacken auf schlechte Energien.“

Doch kann das sein? Geister oder Seelen, am Schloss und in Vorstadthäusern? Zugegeben: Im Osnabrücker Schloss befand sich während des Dritten Reichs ein Gefängnis der Gestapo. Wenn Seelen sauer sein sollten, dann wohl dort. Trotzdem: Ist das nicht alles kompletter Mumpitz?

Nachfrage bei der parapsychologischen Beratungsstelle

Was sagt die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg dazu? Gegründet 1989 vom Physiker und Psychologen Walter von Lucadou wird diese von der Uni Freiburg mitfinanziert – und verbindet bei ihrer kostenlosen Beratung diese beiden Forschungszweige.

Rund 3000 Menschen, die denken, dass es bei ihnen nicht „mit rechten Dingen zugeht“ bitten hier alljährlich um Hilfe, erzählt Mitarbeiterin Manuela von Lucadou. „Viele Anrufe beginnen mit den Worten: Ich würde es ja auch nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte“, ergänzt von Lucadous Kollegin Sarah Pohl.

Aber gibt es sie denn, die Geister? „Wenn uns Menschen von ihren Erlebnissen berichten, nehmen wir erst einmal keine Wertung vor“, sagt von Lucadou. Und tatsächlich gibt es auch immer wieder Anrufer, deren Erlebnisse auch die Beratungsstelle nicht erklären könne.

Rationale Erklärungen für gruselige Phänomene

Viele erst gruselig scheinende Phänomene lassen sich jedoch schnell herleiten: Schritte auf dem Boden beispielsweise. „Hören wir davon, fragen wir sofort nach dem Belag. Tritt man nämlich auf einen Boden mit Laminat, kann dieser festkleben. Löst er sich dann später wieder, klingt es oftmals wie Schritte aus dem Geisterreich“, so Pohl. Ähnlich lassen sich viele winterliche Klopfgeister erklären: Diese entpuppen sich nicht selten als Rumpeln in Heizungsrohren.

In anderen Fällen sind die erlebten Phänomene mit der persönlichen Situation der Anrufer zu erklären. „Unserer Erfahrung nach ist das, was die Menschen als Spuk wahrnehmen, oftmals nur eine Art nach außen verlagerte psychosomatische Reaktion“, sagt Pohl.

Dass in Konfliktsituationen auch Bilder von der Wand fallen können, halten die Forscher für plausibel. Nach Ansicht der Freiburger „spukt“ es also dort, wo ungelöste Konflikte sind. Mit Geistern und Seelen habe dies jedoch nur wenig zu tun.

„Viele Scharlatane unterwegs“

Angesprochen auf Bauerfeinds Tun reagieren Pohl und von Lucadou verhalten. „Solange die Ursache für derlei Dinge nicht von den Betroffenen erkannt werden, bringe es nichts, den ,Spuk‘ einfach wegzuschicken. Denn er kommt solange wieder, wie der Konflikt besteht“, ist sich von Lucadou sicher.

Zudem sollten Betroffene aufpassen, denn es gäbe viele Scharlatane auf dem Gebiet der Esoterik. „Wenn mit Angstmacherei vor bösen Kräften, die nur durch kostspielige Exorzismen zu vertreiben seien, gearbeitet wird, ist es immer verdächtig“, sagt Pohl. „Wir bieten lieber Hilfe zur Selbsthilfe, denn wird der Konflikt erkannt, verschwinden auch meist die Begleitphänomene“, sagt von Lucadou.

Allzu weit liegen Beratungsstelle und Bauerfeind jedoch nicht auseinander. „Zeigen sich nicht erklärbare Phänomene oder nervöse Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen bei Menschen, kann die Präsenz einer nicht ins Licht gegangenen Seele der Grund dafür sein. Manchmal sind es aber auch die Menschen selbst, die aufgrund innerer Konflikte diese Erlebnisse quasi herbeirufen,“ so die Osnabrückerin. Bei beiden könne sie helfen, sagt Bauerfeind.

Kein Geist im Haus, aber „drückende Energien“

Anders als mit Reiki und Co. verdient sie mit dem Geisteraustreiben, oder, wie Manuela Bauerfeind es bezeichnen würde: Seelen ins Licht schicken, kein Geld, sondern bietet sie als Freundschaftsdienste an.

Wie der bei den Maiers, deren Haus sich erfreulicherweise als geistfrei entpuppt. „Die Seele von dem Verstorbenen ist definitiv nicht mehr hier. Weder in dem Haus, noch im Garten“, stellt Bauerfeind fest.

Allerdings bemerke sie auch drückende Energien im Haus. „Beschäftigt einen von euch gerade etwas?“, fragt sie Sarah Maier. Nach etwas Nachdenken hellt sich das Gesicht der Frau auf: Ja, da sei tatsächlich etwas: Eine nahe Verwandte ihres Mannes ist erkrankt und das belaste ihn sehr. „Das ist es“, ist sich Bauerfeind sicher. „Die negativsten Energien um uns herum kommen meist von den Lebenden“, sagt Bauerfeind und lacht.

*Der Name des betroffenen Paares wurde von der Redaktion geändert.

(Weiterlesen: Die „Ghosthunter“ jagen Geister von Verstorbenen in NRW)


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