„Postando“ seit Oktober auf Markt Wie ein Osnabrücker die Postkarte verändern will


Osnabrück. Der Osnabrücker Johannes Duttenhöfer hat die App „Postando“ auf den Markt gebracht. Damit können Nutzer Postkarten individuell gestalten. Wie funktioniert die App, und was unterscheidet sie von anderen Angeboten?

In Zeiten von SMS, Emails und WhatsApp erscheint die traditionelle Postkarte vielen als ein Relikt aus der Vergangenheit. Der Osnabrücker Johannes Duttenhöfer möchte deren Wert dagegen nicht missen. Im Gegensatz zu elektronischen Nachrichten transportieren die Karten eine enorme menschliche Bindung, findet der 28-Jährige. „Viele Menschen hängen sich Postkarten an den Kühlschrank. Sie sind nicht so vergänglich wie Mails oder WhatsApp-Nachrichten“, betont der Mann, der in Osnabrück aufgewachsen und dort BWL studiert hat.

Urlaub bringt ihn zum Überlegen

Als er vor zwei Jahren mit seiner jetzigen Ehefrau Urlaub auf Bali machte, wollte er seine Angehörigen an der Schönheit der Insel teilhaben lassen. Das gestaltete sich nach Auskunft Duttenhöfers, der seit sieben Jahren beim bekannten Investmentbanking-Unternehmen Goldman Sachs in Frankfurt arbeitet, aber schwieriger als gedacht. „Erst haben wir keine schönen Karten gefunden, dann wussten wir nicht, wo wir sie frankieren konnten. Und schließlich sind sie in Deutschland nicht angekommen“, so der 28-Jährige. Die Schwierigkeiten ließen den Mann nachdenklich werden. Mit Frau und Freunden überlegte er sich, wie man die traditionelle Postkarte mit modernisieren und mit dem 21. Jahrhundert verbinden könne. Bei der Recherche stieß Duttenhöfer zwar auf einige Apps, mit denen sich Karten individuell gestalten ließen, berichtet er. Doch wirklich verbraucherfreundlich seien diese allesamt nicht gewesen. Zudem seien diese Angebote noch recht unbekannt.

Anlehnung an „Zalando“

Um das zu ändern, entschloss er sich anschließend dazu, mit seinen Freunden Dennis Goetjes und Christoph Baumann selbst eine entsprechende App zu entwickeln. Dazu gründeten sie das Unternehmen „Postando“ – eine offensichtliche Anlehnung an den Online-Versandhändler „Zalando“. Mit diesem Namen sollte ein möglichst großer Wiederkennungswert geschaffen werden, so der 28-Jährige.

Bilder und Nachrichten nach Wunsch

Nach fast einem Jahr Programmierarbeit war es dann Ende Oktober 2016 soweit: Die gleichnamige App ging an den Start. Laut Duttenhöfer ist die Bedienung deutlich einfacher als bei anderen Anbietern. „Wir brauchen fast 50 Prozent weniger Klicks als die Konkurrenz und die App ist für jedermann ausgelegt“, sagt er.

Doch wie funktioniert „Postando“? Auf die Vorderseite kann man verschiedene Wunschbilder drucken lassen, auf der Rückseite die gewünschte Nachricht, wofür zudem verschiedene Schrifttypen zur Auswahl stehen. Für verschiedene Termine im Jahr (Weihnachten, Muttertag, Ostern) gibt es vorgefertigte Sondermotive. Die Mitarbeiter des Start-up drucken und verschicken anschließend die Karten. Jede einzelne werde kontrolliert und per Hand frankiert. Pro Stück kosten die Karten 1,99 Euro – dabei ist es egal, ob sie nach Osnabrück, München oder Zimbabwe versendet werden. Als Zahlungsmittel können die Nutzer zwischen PayPal, Kreditkarte und Sofortüberweisung wählen.

Umwelt schonen

Bei den Karten setzt Duttenhöfer auf das Thema Nachhaltigkeit. „Wir drucken auf C02-neutralem Papier und verschicken die Karten mit Go Green, dem DHL-Umweltschutzprogramm. Auf unseren Karten verwenden wir außerdem keinen UV-Lack, damit kein Ozon ausgestoßen wird“, berichtet er.

Pro Monat werden nach Auskunft Duttenhöfers derzeit mehrere tausend Karten verschickt – ein Wert, mit dem er zufrieden ist. Schließlich haben er und seine beiden Freunde bislang auf gezieltes Marketing verzichtet. Das werde sich aber in den kommenden Wochen ändern, so der ehemalige BWL-Student. Sowohl die Zielgruppe, die die App verwendet, als auch die Anlässe, zu denen Nutzer die Karten verschicken, seien äußerst divers. „Es gibt nicht den typischen Nutzer. Wir hatten auch schon mal eine 80-Jährige, die eine Karte per App bestellt hat“, so der 28-Jährige.

Nicht in Vergessenheit

In der Zukunft solle „Postando“ weiter ausgebaut und optimiert werden. Die Ziele, die Duttenhöfer damit verbindet, sind trotz seines Studiengangs primär nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt – so sagt er es zumindest. „Wir wollen einfach, dass die Postkarte nicht in Vergessenheit gerät. Auch unsere Kinder sollen das Gefühl der Freude kennen, wenn sie zum Briefkasten gehen und darin eine Karte finden. Sie sollen wissen, dass es viel mehr gibt, als WhatsApp und Facebook“, erzählt er.


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