Stillstand auf hohem Niveau Dem Osnabrücker Einzelhandel fehlt die Dynamik

Von Wilfried Hinrichs

Der Schwarze Freitag am 25. November war 2016 einer der frequenzstärksten Verkaufstage in Osnabrück – noch vor dem Westfalentag. Der „Black Friday“ ist ein Import aus den USA. Foto: FaysDer Schwarze Freitag am 25. November war 2016 einer der frequenzstärksten Verkaufstage in Osnabrück – noch vor dem Westfalentag. Der „Black Friday“ ist ein Import aus den USA. Foto: Fays

Osnabrück. Der fünfte Handelsmonitor bescheinigt dem Standort Osnabrück Stillstand auf hohem Niveau. „Es fehlt die Dynamik“, sagte Falk Hassenpflug von der IHK bei der Präsentation der Ergebnisse.

Die Stimmung war schon mal besser, wie der Handelsmonitor feststellt. Aktuell beurteilen 59 Prozent der befragten Einzelhändler ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut. Für das kommende Frühjahr erwarten aber nur 30 Prozent ein ebenfalls gutes oder sehr gutes Geschäft. Ganz oben auf der Wunschliste der Osnabrücker Kaufmannschaft steht nach wie vor die Verbesserung der Verkehrsbedingungen. Bequemere Parkmöglichkeiten schaffen, eine Lösung für den Neumarkt finden, den Bau des Einkaufszentrums beschleunigen, die Breitbandversorgung ausbauen, Leerstand vermeiden und verkaufsoffene Sonntag erhalten: Das sind die dringendsten „Handlungsempfehlungen“ aus der Kaufmannschaft an die Kommunalpolitik.

Stabile Kennziffern

Die Kennziffern zum Umsatz, zur Kaufkraft, Zentralität und zu Passantenfrequenzen sind laut Handelsmonitor stabil. Die durchschnittliche Kaufkraft blieb 2016 im Vergleich zu den beiden Vorjahren mit rund 6400 Euro pro Kopf etwa gleich. Auch der Umsatz pro Kopf stagnierte im Osnabrücker Einzelhandel bei etwa 8400 Euro. Die Situation ist in Münster, Oldenburg und Bielefeld nicht anders: Überall steht der Trendpfeil waagerecht.

Kaufkraftzufluss

Ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Handelsstandortes ist die Zentralität. Diese Zahl zeigt an, wie viel Kaufkraft eine Stadt von außerhalb aufsaugen kann. Der Handelsmonitor weist für Osnabrück für 2016 eine Zentralität von 148 aus (2015: 146, 2014: 147). Werte über 100 stehen für einen Kaufkraftzufluss, unter 100 für einen Kaufkraftabfluss. Münster konnte seine Zentralität (2016: 128) geringfügig um einen Punkt steigern, Bielefeld verlor zwei Punkte (115), während Oldenburg (147) wie Osnabrück auf hohem Niveau stagnierte. Daraus folgert die Industrie- und Handelskammer (IHK): „Osnabrück behauptet sich im Wettbewerb.“

Gegen den Onlinehandel

Dass der Onlinehandel den stationären Kaufleuten immer mehr zusetzt, ist inzwischen keine besondere Nachricht mehr. Wohl aber, dass die Einzelhändler mit einer „Multichannel-Strategie“ den Onlinehändlern mit deren Waffen schlagen wollen. Der stationäre Handel will die Kundschaft nicht nur mit guter Beratungsqualität und Extraservice an sich binden, sondern mit eigenen Online-Verkaufsportalen. Das Stadtmarketing hat ein lokales Portal auf den Weg gebracht und hofft, dass mindestes 50 bis 100 Einzelhändler aus der Region mitmachen.

Outlet-Center rüstet auf

Größere Sorgen bereitet dem lokalen Handel aber die wachsende Konkurrenz in der weiteren Umgebung. In Ochtrup will der Betreiber des Outlet-Centers sein Angebot verdoppeln und mit 1450 Markenshops die Kundschaft auch aus der Region Osnabrück locken. In Rheine ist im vergangenen Jahr ein Einkaufszentrum mit gut 15000 Quadratmetern Verkaufsfläche ans Netz gegangen, in Bielefeld investiert Marktführer ECE großzügig in die Wiederbelebung eines citynahen Centers. In Münster siedelt sich Primark an, eine Marke, für die junge Kunden sogar längere Bahnfahrten in Kauf nehmen.

Die Herausforderung wächst, aber Osnabrück ist laut Handelsmonitor wettbewerbsfähig. Die Leerstandsquote liegt unter denen in Münster und Oldenburg, der Anteil örtlicher Einzelhändler ist mit 32,3 Prozent knapp besser als in OIdenburg (31 Prozent) und etwas niedriger als in Münster (34,8). Ein Pluspunkt ist der Einkaufstourismus, der laut Handelsmonitor 270 Millionen Euro in die Stadt spült. In Oldenburg sind es 220 Millionen, Münster spielt mit 380 Millionen Euro in einer anderen Liga.

Großer Rummel am „Black Friday“

Die Passantenfrequenz ist in der Innenstadt leicht gesteigen, wie Petra Rosenbach, Leiterin der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH berichtete. Das zeige die Auswertung der automatischen Zählung. Ein positiver Ausreißer war 2016 der sogenannte „Black Friday“, ein mit hohen Rabatten befeuerter zusätzlicher Verkaufstag. Der „Black Friday“ kommt aus Amerika. Es ist der Tag nach dem Erntedankfest (Thanksgiving), den Familien in den USA traditionell zum Großeinkauf nutzen. Die Passantenfrequenz am „Black Friday“ 2016 (25. November) lag deutlich über der eines normalen Samstags und sogar höher als beim großen Westfalentag am 1. November.

Rückblick: Handelmonitor 2015


Der Handelsmonitor Osnabrück ist eine Studie der Osnabrück-Marketing und Tourismus GmbH(OMT), des Osnabrücker City Marketings (OCM), der Industrie-und Handelskammer (IHK) und der Wirtschaftsförderung Osnabrück. Ziel ist eine bessere Positionierung des Osnabrücker Einzelhandels durchlaufende Marktbeobachtungen. Der Handelsmonitor wird jährlich aktualisiert. Ein Vergleich von Städten mit vergleichbarer Einzelhandelsstruktur wird dadurch möglich. Neben der Auswertung von Branchenkennziffern und statistischem Material werden auch die Handelsbetriebe und andere Gewerbetreibende in der Stadt Osnabrück in die Untersuchungen einbezogen, die wichtige Daten in einer Online-Befragung beigetragen haben. Darüber hinaus wird mit dem „Quartierscheck“ein Blick auf ausgewählte Geschäftsstraßen vor Ort geworfen.