Downhill-Fahrer in der Kritik Förster sprechen von „Anarchie im Teutoburger Wald“

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Osnabrück. „Im Teutoburger Wald herrscht Anarchie. Die Downhillfahrer scheren die Verbotsschilder nicht, sie fahren weiter abseits der Wege und es ist auch kein Wille erkennbar, sich an die Gesetze zu halten“, rügt der Leiter des für den Staatswald zuständigen Forstamts in der Region Osnabrück, Ulrich Zeigermann.

Der Leiter des niedersächsischen Forstamts Ankum zeigt sich deprimiert: „Obwohl vor zwei Jahren Verbotsschilder aufgestellt wurden, passiert nichts. Die Schilder werden übermalt, besprüht oder geklaut. Bislang sind alle Überlegungen zur Lösung des Problems gescheitert. Auch die Idee, nach dem Modell des legalen Parcours am Piesberg, Pisten für die Downhill-Fahrer freizugeben, konnte nicht durchgesetzt werden. Es scheitert immer wieder daran, dass keiner bereit ist, die Haftung zu übernehmen.“

Die Sprungschanzen, die die Biker aufstellten, würden eine große Gefahr darstellen und seien nach dem niedersächsischen Waldgesetz auch nicht zulässig. Und den Förstern bleibe nur übrig, die Hindernisse zu entfernen, sobald sie entdeckt werden. Die Begegnungen mit den Bikern seien dabei eher zufällig, da die Revierförster etwa nicht nur für den Dörenberg, sondern für ein sehr viel größeres Gebiet zuständig seien. Zeigermann spricht von einem „Hase-und-Igel-Spiel“ mit den Downhill-Fahrern. Das Problem der Förster sei neben der sogenannten Verkehrssicherungspflicht, dass sie nicht wissentlich dulden dürften, dass abseits der Strecken gefahren wird, weil man riskiere, bei einem Unfall in Haftung genommen zu werden. Hinzu komme die Gefahr von möglichen Kollisionen mit Wanderern oder Waldarbeitern und der nicht akzeptable Eingriff in die Natur. Schließlich würden die Biker große Hügel bauen, Äste absägen oder Holzbefestigungen anlegen.

( Weiterlesen: Verbotsschilder: Aus für Downhill-Biker am Dörenberg )

„Ranger“ sollen Rechtsfrieden wieder herstellen

Ludger Spiegelburg vom Zusammenschluss privater Waldbesitzer im Südkreis, der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd, kritisiert: „Die Downhill-Fahrer und die Mountainbiker befahren auch in diesem Jahr über illegal angelegte Pisten das Landschaftsschutzgebiet am Dörenberg und Hüggel.“ Zum Teil führten die Downhill-Strecken über ausgewiesene Wanderwege und zweigten dann immer wieder auf illegal angelegte Streckenabschnitte ab. Dadurch würden auch die Wanderer und Spaziergänger in hohem Maße gefährdet. Besonders im Frühjahr leide das Wild und die Vogelwelt unter diesem Verhalten. Es gebe keine sicheren Rückzugsmöglichkeiten mehr für Jungtiere und keinen Schutz für die Brut. Spiegelburg weist darauf hin, dass der Landkreis zum 1. März zwei Gebietsmanager eingestellt habe. Diese würden gegen das illegale Downhillfahren vorgehen und sogenannte „Ranger“ ausbilden, um den Rechtsfrieden wieder herzustellen.

„Landkreis kann Verbot als Ordnungsbehörde nicht durchsetzen“

Den Dörenberg haben die Downhill-Biker als Hotspot ausgemacht. Der bei der Landesforst für diesen zuständige Revierförster Jens Kohlbrecher betont: „Der Landkreis Osnabrück als Ordnungsbehörde konnte auch nach dem Aufstellen der Verbotsschilder vor knapp zwei Jahren immer noch nicht durchsetzen, dass abseits der Wege am Dörenberg gefahren wird.“ Ähnliche Probleme gibt es auch am Hüggel. „Nach dem Aufstellen der Schilder ist das Fahren abseits der legalen Pisten sogar eher noch mehr als weniger geworden“, konstatiert Kohlbrecher. Im vergangenen Jahr sei zum Beispiel am Dörenberg von Frühjahr bis Herbst etwa von morgens um fünf bis nachts um halb eins abseits der Wege gefahren worden. Ein ähnliches Szenario befürchtet der Chef der Landesforsten in der Region Osnabrück, Zeigermann, jetzt auch wieder in dieser nun beginnenden Saison.

( Weiterlesen: Downhill-Aus am Dörenberg: Sportler kritisieren Gesprächsabbruch )

Landkreis nicht befugt, Personalien von Downhillern aufzunehmen

Der Sprecher des Landkreises Osnabrück, Burkhard Riepenhoff, sagt zu dem Vorwurf: „Der Landkreis kann vor Ort keine ordnungsbehördlichen Maßnahmen wie etwa die Verhängung eines Bußgeldes treffen, da die Mitarbeiter des Landkreises nicht befugt sind, Personalien von Downhillern aufzunehmen. Hierzu ist nur die Polizei befugt.“

Polizei nahm Biker „ins Gebet“

Auch die Polizei weist die Verantwortung von sich. Es habe zwar mehrere Kontroll- und Aufklärungsaktionen im Bereich Dörenberg, Hüggel und Musenberg unter Beteiligung von Landkreis, Waldbesitzern und Förstern gegeben, bei denen zahlreiche Radfahrer zwar „ins Gebet genommen“ worden seien, ihnen laut Polizeisprecher Frank Oevermann aber kein unmittelbarer Verstoß nachzuweisen war. „Die Problematik besteht ganz klar darin, dass vom zeitlichen und personellen Aufwand einmal abgesehen die Möglichkeiten effektiven Kontrollen im Wald sehr eingeschränkt sind. So ist es zum Beispiel sehr schwierig, jemandem nachzuweisen, dass er abseits der Wege gefahren ist. Das Fahren mit dem Bike auf den ausgewiesenen Waldwegen ist nämlich erlaubt“, erläutert Oevermann. Zudem bereite das präventive Ansprechen der Zielgruppe Schwierigkeiten, da diese kaum organisiert und entsprechend bekannt sei.

Neben den Downhill-Fahrern aus Stadt und Landkreis Osnabrück würden die genannten Waldgebiete auch auffallend gerne von Radsportlern aus den Niederlanden genutzt, die möglicherweise nicht wissen, wie die rechtliche Seite für das Befahren des Waldes in Deutschland aussieht. Oevermann fordert: „Ziel sollte es neben spezieller Öffentlichkeitsarbeit dabei auch sein, die Sportler auf ausgewählte legale Strecken hinzuweisen.“


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