Vertonte Leidensgeschichte Bielefelder Jazz-Trio interpretiert „Easter Suite“

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Eine versierte Interpretation der „Easter Suite“ bot das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann. Foto: Elvira PartonEine versierte Interpretation der „Easter Suite“ bot das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. In der Marienkirchen spielte das Bielefelder Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann die „Easter Suite“ von Oscar Peterson.

Ein Klaviertrio in der Marienkirche? Die Idee hört sich ein wenig abenteuerlich an, denn erfahrungsgemäß machen sich Bands mit Bass und Schlagzeug in der stark halligen Akustik eines Kirchenschiffs nicht besonders gut. Doch die Zweifel sollten unbegründet sein: Als das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann die „Easter Suite“ von Oscar Peterson interpretierte, machte sich der Nachhall nicht negativ bemerkbar. Bei einem Schlagzeugsolo spielte Karl Godejohann sogar virtuos mit der besonderen Akustik des sakralen Raumes.

Selten wird sie interpretiert, die „Easter Suite“, die Oscar Peterson 1984 im Auftrag des britischen Senders BBC komponiert hatte. In neun Sätzen thematisierte die kanadische Piano-Legende damals die Leidensgeschichte des Jesus von Nazareth - vom letzten Abendmahl bis zur Auferstehung. 2009 entdeckte das Bielefelder Jazz-Trio mit Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff Kontrabass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) die Easter Suite wieder – und spielt sie seither bevorzugt in Gotteshäusern.

Kammermusik-Atmosphäre mit 50 Zuschauern

In St. Marien entstand Kammermusik-Atmosphäre, weil die Besucher aufgefordert wurden, sich eng um die akustisch vor dem Altar aufspielenden Musiker herum hinzusetzen. Da es keine 50 Zuschauer waren, kamen alle in einen besonderen Hörgenuss. Denn die großartige Komposition wurde versiert interpretiert. Swingendes Piano, besonders in den oberen Oktaven melodisch singender Kontrabass, dezent mit dem Besen gespieltes Schlagzeug mit bisweilen kräftigen Akzenten – das Trio hofierte die unterschiedlichen Klangfacetten der einzelnen Sätze und animierte zu Überlegungen, wie Peterson die Passion theologisch interpretiert haben könnte. Ein heiteres und ungemein flirrendes „Denial“ ertönt beispielsweise zur Verleugnung des Petrus. Selbstverständlich frohlockend kommt die Auferstehung daher.

Mit dem 1. Satz des „5. Brandenburger Konzerts“ im „Play Bach“-Arrangement von Jacques Loussier als Zugabe bedankte sich das Trio für den begeisterten Applaus.


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