Nach Bärenausbruch Sind die anderen Gehege im Zoo Osnabrück niet- und nagelfest?

Von Andrea Pärschke und Dietmar Kröger

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Osnabrück. Wie konnte Tips ausbrechen? Diese Frage beschäftigte den Zoo Osnabrück, seit die Hybridbärin am Samstagnachmittag ausgebüchst ist und schließlich erschossen werden musste. Nun gilt es, ähnliche Situationen zu vermeiden.

„Wir waren heute eigentlich sehr entspannt im Zoo unterwegs und haben uns nicht unsicher gefühlt“, sagt Mark Ziethen am Sonntagnachmittag nachdem er mit seiner Familie dort seinen Tag verbracht hat. Wie ihm ging es wohl vielen: Trotz der Ereignisse am Vortag, bei denen Hybridbärin Tips gegen 14 Uhr zunächst ausgebrochen war und nach etwa zehn Minuten vom zoobiologischen Team erschossen wurde, waren zahlreiche Gäste da. Trotzdem: Der Zoo Osnabrück ist auch mit sich selbst ins Gericht gegangen, das wurde bei der Pressekonferenz am Montagmorgen deutlich: „Wir befinden uns in einem steten Lernprozess“, sagt Zoodirektor Michael Böer. In diesem Fall sei es ein „bitterer Lernprozess“.

(Weiterlesen: Bilder zum Ausbruch im Zoo Osnabrück)

Spurensuche

Denn anhand von Fährten konnten die Zoomitarbeiter die Ereignisse rekonstruieren. Dabei kam es zu drei „unglücklichen Zufällen“, wie Böer erläuter. Zunächst überwand Tips einen Stromzaun, hinter dem Stromzaun kam es zu einem zweiten „völlig unerwarteten“ Ereignis: Denn die während des Winterschlafs schlank gewordene Bärin zwängte sich durch die Fuchsklappe in die benachbarte Anlage. An dieser Stelle hätte ihr Weg eigentlich endgültig zu Ende sein müssen: Denn das gesamte Areal ist mit einem hohen Gehege umzäunt, der laut Zooleitung „bärensicher“ sei. Wie Tips ein Teil des Gitters aufdrücken konnte, ist bislang noch nicht geklärt. Am Montag war ein Team vor Ort, das aus externen und internen Experten besteht: „Handwerker und Biologen sowie der Zooinspektor unseres Zoos, ein Architekt, eine externe Sicherheitsfirma und die Polizei sind dabei“, berichtet Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann. Sie prüfen wie sich das Gitter unter Druck verändert. So sollen ähnliche Situationen in Zukunft vermieden werden.

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Taps geht es gut

Bis abschließend geklärt ist, wie Tips das Gitter aus seinen Angeln drückt, Sicherheitsmängel beseitigt und die Anlage repariert wurde, muss Taps, der zweite Hybridbär des Zoos, in seinem Stall bleiben. „Er würde natürlich schon gerne raus“, sagt Michael Böer. Dennoch geht es Taps gut, er frisst und verhält sich normal. „Wahrscheinlich wird er in der ersten Zeit nach seiner Kameradin suchen“, vermutet der Zoodirektor. Doch Bären seien Einzelgänger, sie reagieren daher anders als Rudeltiere auf das Alleinsein. Taps wird daher voraussichtlich im Zoo bleiben. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht getroffen worden.

Sicherheitsüberprüfung

Denn im Moment ist die Zooleitung vollauf damit beschäftigt alle Anlagen einer genauen Prüfung zu unterziehen. Dies geschehe – wie auch vor dem Ereignis – durch den Kontakt mit anderen Zoos, internen Experten, möglicherweise jedoch auch über externe Firmen. Zudem wird überprüft, ob genügend Lautsprecher auf dem Gelände sind, denn eventuell konnten am Samstag nicht alle Zoogäste die Durchsage zur Evakuierung hören. Zudem werden alle Schritte der durchgeführten Räumung des Geländes durchgegangen. „Insgesamt muss ich sagen, dass die Reaktionen der Mitarbeiter gut waren und wir schnell handeln konnten“, so Andreas Busemann. Für die Zukunft sei es jedoch wichtig, alle Prozesse einer strengen Überprüfung zu unterziehen. Die Sicherheit im Zoo schätzt Michael Böer dennoch als hoch ein: „Statistisch gesehen passiert mehr auf dem Weg zum Zoo, etwa auf der Autobahn, als im Tierpark selbst“.

Trauer bei den Stadtwerken

Doch nicht nur die Betroffenheit der Zoomitarbeiter ist zwei Tage nach den Ereignissen deutlich zu spüren, auch die Stadtwerke Osnabrück sind traurig über Tips Tod. Der Energieversorger hatte direkt nach der Geburt die Patenschaft für Tips und Taps übernommen. Die beiden Hybridbären gelten als Klimabotschafter, weil sie als Kreuzung zwischen Braun- und Eisbär symbolisch für den Klimawandel stehen, der mittlerweile ein Aufeinandertreffen und damit auch die Paarung beider Bärenarten in der Natur möglich macht. „Der Ausbruch und der Tod von Tips sind bei unseren Mitarbeitern heute das Thema Nummer eins“, sagte Stadtwerkesprecher Marco Hörmeyer am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Kollegen seien zutiefst betroffen und fühlten mit den Mitarbeitern im Zoo, die einen ihrer Schützlinge auf so tragische Art verloren hätten. Gleichzeitig seien natürlich alle erleichtert, dass bei dem Ausbruch der Bärendame keine Menschen verletzt worden seien. „An unserem Engagement für den Zoo Osnabrück wird sich nichts ändern“, so Hörmeyer weiter. Natürlich müsse die Kommunikation des Unternehmens in den Bereichen, in denen Tips und Taps involviert sind, an die neuen Gegebenheiten angepasst werden, die Stadtwerke würden aber die Zusammenarbeit mit dem Zoo ohne Einschränkungen fortsetzen.

Keine juristische Ermittlung

Für Polizei und Staatsanwaltschaft spielt der Ausbruch von Tips in juristischem Sinne keine Rolle. Ermitttlungen von Amts wegen finden nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft nicht statt, da bei dem Ausbruch niemand zu Schaden gekommen ist.


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