„Schneckentempo“ Osnabrücks Sozialdezernent unzufrieden mit Hortsituation

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Hausaufgabenbetreuung zählt zu den Angeboten der meisten Ganztagsschulen. Nur gibt es von denen noch viel zu wenige in Osnabrück. Foto: dpaHausaufgabenbetreuung zählt zu den Angeboten der meisten Ganztagsschulen. Nur gibt es von denen noch viel zu wenige in Osnabrück. Foto: dpa

Osnabrück. Brisanter Inhalt verbirgt sich in Osnabrück hinter dem trockenen Titel der „Fortschreibung der Kindertagesstättenplanung 2016/2017“. Vor allem an ganztätigen Betreuungsangeboten für Grundschulkinder mangelt es. Der neue Sozialdezernent Wolfgang Beckermann will beim Ausbautempo auf die Tube drücken – die Frage ist nur: Wie?

„Ich bin mit der Situation überhaupt nicht zufrieden“, sagte Beckermann bei der Präsentation des Zahlenwerks. Während die Stadt beim Krippen- und Kindergartenangebot verhältnismäßig gut aufgestellt ist, klafft bei der Betreuung der Grundschulkinder eine große Lücke. Die Zahl der Hortplätze stagniert und die der Grundschulen, die sich zu Ganztagsschulen umwandeln, wächst nur langsam. (Weiterlesen: Eltern in Osnabrück fallen in ein Betreuungsloch)

„In einen Galopp kommen“

„Ich will daran arbeiten, dass wir vom derzeitigen Schneckentempo in einen Galopp kommen“, sagte Beckermann . Aber wie genau will er das tun? Zwingen kann er die Schulen nicht. „Ich kann nur an alle Seiten appellieren, sich da auf den Weg zu machen“, so der Stadtvorstand für Bildung, Kultur und Soziales. Er empfehle den Eltern, das Thema Ganztag an ihren Schulen anzusprechen. Und wann immer Umbauarbeiten an Schulen nötig seien, „ist es sinnvoll, dass man sie in Richtung Ganztag rund macht.“

Defizit von 1055 Plätzen

Die Zahl ihrer Krippen- und Kitaplätze hat die Stadt in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut, wobei 2016 immer noch 78 Krippen- und 144 Kindergartenplätze fehlten. Aber die Zahl der Hortplätze ist mit dem gestiegenen Angebot für die unter Sechsjährigen nicht mitgewachsen. Immer zum 1. Oktober erhebt die Verwaltung die Daten, die dann in der Kindertagesstättenplanung Niederschlag finden. Und die zeigen für 2016 ein Defizit von 1055 Plätzen bei Kindern, die bis zum Schuleintritt länger als fünf Stunden täglich betreut wurden und ab der ersten Klasse in das Versorgungsloch fielen.

Hortausbau stagniert

Im Mai 2012 hatte der Rat beschlossen, die Horte an Grundschulen nicht über 40 Plätze auszubauen und darauf hinzuwirken, „dass der darüber hinausgehende Bedarf sukzessive über schulische Ganztagsangebote gedeckt wird“, wie es in dem Beschluss hieß. Aber lediglich acht der 27 Grundschulen in Osnabrück sind Ganztagsschulen. Zum Schuljahr 2017/18 kommen die Waldschule Lüstringen und die Lüstringer Bergschule hinzu, 2018/19 soll nach einem Um- und Neubau die Grundschule Hellern folgen.

„Weitere Schulen sind im Gespräch“, sagte Helmut Tolsdorf, Leiter des städtischen Fachdienstes Kinder. „Ich bin überzeugt, dass wir als Stadt die Weichen richtig gestellt haben“, so Tolsdorf, „nur sind auf den Weichen noch nicht genug Züge.“ „Ganztag“ heißt übrigens nicht automatisch acht bis 17 Uhr. An Schulen mit offenem Ganztagsangebot sind Schüler in der Regel montags bis donnerstags bis etwa 15 Uhr versorgt, freitags bis 13 Uhr – das ist für die Eltern kostenfrei. Die übrigen Stunden werden durch kostenpflichtige Hortbetreuung aufgefangen.

Thema im Jugendhilfeausschuss

Auch in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses war im Zuge der Kindertagesstättenplanung vor allem die Betreuung der Grundschulkinder Thema – eine Lösung hatten die Mitglieder nicht. Was die Umwandlung in Ganztagsschulen angeht, „sind wir natürlich auf die Schulvorstände und -leitungen angewiesen“, sagte die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Eva-Maria Westermann (CDU), wobei auch sie und ihre Ratskollegen selbst gefordert seien. „Die Schulen müssen sich selber auf den Weg machen“, sagte Thomas Klein (Grüne). Und das sei bisweilen ein Problem, manche Eltern in den Schulvorständen seien gegen eine Umwandlung gewesen. Wenn jedoch eine Schule sich auf den Weg in den Ganztag gemacht habe, hätten alle Parteien an einem Strang gezogen, so Klein.


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