„Wir kaufen Ihr Auto“ ausbauen Osnabrücker Unternehmer lernt im Silicon Valley dazu

Von Nadine Grunewald

Carlo Jesse ist mit seinem Startup wirkaufen-ihrauto.de ins Silicon Valley gezogen. Foto: David EbenerCarlo Jesse ist mit seinem Startup wirkaufen-ihrauto.de ins Silicon Valley gezogen. Foto: David Ebener

Osnabrück. Von Osnabrück ins Silicon Valley: Als Sieger eines Förderprogramms konnte Carlo Jesse, Gründer des Unternehmens „Wir kaufen Ihr Auto“, neben Firmen wie Google oder Tesla Erfahrungen sammeln – und gleichzeitig testen, ob sein Geschäftsmodell auch in den USA funktionieren würde.

In Deutschland kauft Carlo Jesse mit „Wir kaufen Ihr Auto“ über das Internet Fahrzeuge von privaten Verkäufern und verkauft diese dann weiter. Dabei wird das Fahrzeug beim Kunden abgeholt und zum Käufer gebracht. Im Oktober 2014 gründete Jesse das Unternehmen, inzwischen hat er 20 Mitarbeiter, mehr als 30.000 Kunden – und seit Kurzem einen ganzen Haufen mehr an Erfahrung. Denn dank des Förderprogramms German Accelerator, das sein Unternehmen als eines von 18 Start-ups auswählte, konnte Jesse im Herbst des vergangenen Jahres für mehrere Monate nach Kalifornien ziehen. Noch bis Mai bleibt er im Silicon Valley, wo der Osnabrücker die Gelegenheit nutzte, um vor Ort auszuloten, ob sein Geschäftsmodell auch in den USA funktionieren könnte.

Amerikaner schätzen Komfort und Sicherheit

„Der Start war phänomenal und besser als wir erwartet hätten, sagt Jesse. Nach ersten Interviews und einer durchweg positiven Rückmeldung ging die Internetseite von „We buy your car“ online. Bereits in der ersten Stunde habe er sieben Autos gekauft und über einen amerikanischen Händler weiterverkauft. „Die Amerikaner haben Angst, ihr Auto privat zu inserieren“, sagt Jesse. Zu groß sei die Furcht vor Betrug. Bei „We buy your car“ hätten sie die Möglichkeit, ihr Auto in nur wenigen Minuten zu verkaufen, ohne rund um die Uhr E-Mails von Interessenten zu bekommen, mit denen sie sich dann an öffentlichen Plätzen treffen müssten, weil sie Fremde aus Angst nicht zu sich nach Hause einladen würden. „Der Komfort und die Sicherheit werden enorm geschätzt“, sagt Jesse.

Bis auf die Abholung funktioniert das Konzept so wie in Deutschland, wo Jesse und seine Mitarbeiter fast ausschließlich mit der Bahn und anschließend dem Taxi zum Kunden fahren. „Das ist in den USA nicht möglich.“ Stattdessen würden die Autos mit Transportern von A nach B gefahren oder von zwei Fahrern abgeholt.

Erfahrung hilft deutschem Unternehmen

Einen Markteintritt in den USA hatte Jesse bis zu seiner Reise noch nicht geplant. „Deutschland und Europa haben vorerst genügend Potenzial“, sagt er. Dort soll das Unternehmen zunächst ausgebaut werden. Ein Standbein in den USA werde nur dann aufgebaut, wenn sich dafür ein Risikokapitalgeber findet. Dennoch war sein Aufenthalt im Silicon Valley nicht umsonst: „Die Erfahrung, die wir hier täglich gewinnen, ist unbezahlbar“, sagt Jesse. Vieles von dem, was er gelernt habe, habe bereits zur Optimierung des deutschen Unternehmens geführt. Das Büro des 39-Jährigen im Silicon Valley befindet sich in einem „Co-working-space“, in dem 50 weitere Start-ups arbeiten. Firmen wie Google, Facebook, Tesla, Uber oder Apple sind nur eine halbe bis dreiviertel Stunde entfernt. „Das macht es sehr einfach, Mitarbeiter der Firmen zu treffen. Die Hilfsbereitschaft und der Erfahrungsaustausch sind sehr ausgeprägt. Man hat keine Angst vor Ideenklau.“

Im Mai zurück nach Osnabrück

Jesse ist zusammen mit Frau und Kind nach Kalifornien gereist. Eingewöhnt haben sie sich „in dem wohl unamerikanischsten Teil Amerikas“ schnell, doch Ende Mai geht es schon wieder zurück nach Osnabrück. Statt Basketball und Football wird die Familie dann wohl wieder Fußball gucken – und endlich wieder vernünftiges Brot essen. „Das ist in Deutschland weitaus besser.“


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